Veranstaltungsberichte

Interkulturelle und religiöse Unterschiede in den gegenwärtigen Konflikten

Fachkonferenz vor 200 Gästen

„Bisher hat der Mensch mit der Natur selbst gekämpft; ab jetzt muss er mit seiner eigenen Natur kämpfen.“ Mit den Worten des ungarischen Wissenschaftlers Dénes Gábor begrüßte Prof. Dr. András Patyi, Rektor der Universität für den Öffentlichen Dienst, die Teilnehmer der Konferenz „Interkulturelle und ethnische Unterschiede in den gegenwärtigen Konflikten“ im Hauptgebäude „Ludovika“ der Universität für den Öffentlichen Dienst. Auf der Veranstaltung hielt Kardinal Péter Erdő, Primas und Bischof von Esztergom-Budapest eine Rede.

Die Geschichte des Menschen werde leider von der Verfolgung derjenigen begleitet, die sich zu einer anderen Religion, Kultur und Denkweise bekennen. Dies habe in den verschiedenen Epochen unterschiedliche Ausmaßen erreicht und Auswirkungen erzielt, sagte Prof. Dr. András Patyi in seiner Begrüßungsrede. Der Rektor der Universität für den Öffentlichen Dienst ist der Ansicht, dass man wegen der Verbreitung der Massenkommunikation immer gleichgültiger gegen Grausamkeiten geworden sei. Die Konflikte, die eine religiöse und kulturelle Grundlage hätten und die deswegen oft zu Völkermord führten, gefährdeten heute den Frieden auf der ganzen Welt. Auch aus diesem Grund sei es wichtig, mit offenem Geist darüber nachzudenken – dafür biete eine solche Fachkonferenz eine hervorragende Möglichkeit. Patyi denkt, dass man der Frage nachgehen müsse, ob in jedem Fall der Unterschied zwischen den Religionen der Auslöser eines Konflikts sei, oder damit nur der Erwerb größerer materieller Güter, wie von Gebieten, Trinkwasser und Öl verschleiert wird.

Frank Spengler, Leiter des Auslandsbüros Ungarn der Konrad-Adenauer-Stiftung stellte die Aufgaben und Ziele der politischen Stiftung vor. Er betonte, dass die Stiftung den interkulturellen und religiösen Dialog auf der Grundlage christlicher Werte anregen möchte. „Wir ermutigen Religionsgemeinschaften dazu, die Schaffung des Friedens in dieser von Konflikten begleiteten Welt zu fördern.“ – sagte Frank Spengler. Der Leiter des Auslandsbüros Ungarn der Konrad-Adenauer-Stiftung unterstrich in seiner Rede, dass oft die fehlenden Kenntnisse über andere Religionen zum Ausbruch von Konflikten führten. Deswegen gehörten die Aufklärung und die Bereitstellung von Informationen zu den wichtigsten Aufgaben der Stiftung. „Der Dialog fördert die Toleranz zwischen den Religionsgemeinschaften auf der ganzen Welt“ – fügte Spengler hinzu. Er meint, die Welt müsse sich darauf vorbereiten, dass die Zahl der christlichen Flüchtlinge in Europa auch des Weiteren steigen werde.

Bischof Primas Péter Erdő legte die Aufgaben und Rolle der katholischen Kirche bei der Bewältigung religiöser, ethnischer und kultureller Konflikte dar. Der Bischof von Esztergom-Budapest betonte, der Apostolische Stuhl – das wichtigste zentrale Regierungsorgan der katholischen Kirche – sei derzeit in etwa 180 Staaten international vertreten. Die römisch-katholische Kirche unterhalte die Beziehung zwischen den lokalen katholischen Gemeinschaften und dem Papst mithilfe der päpstlichen Gesandten, diese seien aber Vermittler auch im Dialog mit den nicht katholischen christlichen Gemeinschaften. Eines der schönsten Beispiele dafür ist der Besuch Johannes Paul II. in Debrecen im Jahre 1991.

Ferner ging Péter Erdő darauf ein, dass der diplomatische Dienst des Heiligen Stuhls in der Vertretung der verfolgten Christen regelmäßig auftrete, sogar dadurch, dass sich der Papst persönlich an die politischen Führungspersönlichkeiten der Welt wendet.

Die katholische Kirche nehme bei der Bewältigung globaler und lokaler Konflikte die Rolle des Vermittlers ein: Beispiele dafür sind Mosambik und Ruanda, aber auch bei der Annäherung zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba spielte die Diplomatie des Heiligen Stuhls eine wichtige Rolle. Péter Erdő kam auch darauf zu sprechen, dass Papst Franziskus 2014 dem Europäischen Parlament und dem Europäischen Rat in Straßburg einen Besuch abgestattet hatte. Das Oberhaupt der katholischen Kirche habe Europa aufgefordert, seine eigene Identität und Seele wiederzuentdecken. „Päpstliche Besuche und Reden haben einerseits eine symbolische Wirkung, andererseits eine Wirkung auf die Massenmedien, und übertreffen daher oft die diplomatische Ebene“ – fügte Péter Erdő hinzu.

Auf der internationalen Konferenz zum Thema „Internationale und religiöse Unterschiede in den gegenwärtigen Konflikten“ versuchten die Vortragenden, aus verschiedenen Blickwinkeln eine Antwort auf die Fragen zu finden, was für eine Rolle die Religion in den heutigen bewaffneten Konflikten hat, wie groß der Spielraum der vatikanischen Diplomatie bei der Lösung der Konflikte von heute ist und was für ein Schicksal Menschen anderer Religion auf den Gebieten erwartet, wo auch derzeit religionsbasierte Terrororganisationen existieren.

Im Rahmen der ganztägigen Veranstaltung konnten die Teilnehmer Vorträge u.a. über die Auslegung des Begriffs der Religionsfreiheit in den demokratischen Gesellschaften, den Pastorendienst während internationaler Militäreinsätze sowie die Sicherheitslage der Christen in Syrien hören.

Organisatoren der Konferenz waren die Universität für den Öffentlichen Dienst, das Institut für Nationale Sicherheit, die Konrad-Adenauer-Stiftung, der Militärdienst für Nationale Sicherheit, das Ungarische Katholische Militärordinariat, der Ökumenische Rat der Ungarischen Kirchen und das Fachkolleg für Nationale Sicherheit.

Text: Ádám Szöőr (Übersetzung: Dóra Appel)

Quelle: http://uni-nke.hu/hirek/2015/04/23/erosodo-vallasi-es-etnikai-konfliktusok