Veranstaltungsberichte

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Internationale Fachkonferenz zum Thema Nachhaltigkeit

Das József Antall Wissenszentrum organisierte mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung am 2. und 3. Oktober eine Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit im Millenáris Konferenzzentrum. An der Veranstaltung nahmen über 300 Personen teil. An beiden Tagen diskutierten internationale Experten und Wirtschaftsvertreter über gemeinsame Strategien für eine nachhaltige Zukunft.

Eröffnet wurde die Konferenz u.a. von László Korányi, Vizepräsident des nationalen Amts für Innovation, der das Problem des Klimawandels als Aufgabe der Europäischen Union ansah und Lösungsansätze aus der Gesamtheit der europäischen Gemeinschaft erwartete. In einer Videobotschaft wandte sich auch Janez Potočnik, EU-Kommissar für das Ressort Umwelt, an die Teilnehmer. Er hob die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Entwicklung hervor. Dies sei Voraussetzung für eine nachhaltige Zukunft, denn wirtschaftliche Entwicklung könne nicht mehr nur für sich alleine betrachtet werden. Umweltschutz bedeute daher nicht nur die Bewahrung der Schöpfung für kommende Generationen sondern vor allem mit unseren heutigen Mitteln und Rohstoffen verantwortlich umzugehen und sie nicht zu verschwenden. Frank Spengler, Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ungarn, hob hervor, dass die deutsche Bundesregierung das Ziel der Nachhaltigen Entwicklung in allen Ressorts verankert habe. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Politik verdanke man aber der Zivilgesellschaft und der Bürgerbewegung in den 1970er Jahren, die das Thema Nachhaltigkeit auf die politische Agenda setzten.

Péter Antall, Direktor des József Antall Wissenszentrums, sah in der Konferenz nicht nur eine Möglichkeit, Experten zum Thema Nachhaltigkeit zusammenzubringen, sondern auch Budapest und damit auch Mittel- und Osteuropa in dieser Debatte ein Gewicht zu geben und die Hauptstadt Ungarns auf die Landkarte der nachhaltigen Entwicklung zu setzen.

Im ersten Panel wurden zunächst die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung debattiert. Die Diskussionsteilnehmer hoben vor allem hervor, dass ein Erreichen dieser Ziele nur möglich sein, wenn nicht nur die Politik sondern auch die Wirtschaft, die Bürgergesellschaft und das Individuum an sich in die Pflicht genommen würden. Dies bedeute, nicht nur die traditionellen Wirtschaftsstrukturen aufzubrechen und hier neue Wege zu beschreiten, sondern auch dem Ziel des ständigen wirtschaftlichen Wachstums als Ideal eine gerechtere Verteilung von Vermögen und Zugang zu Ressourcen entgegenzusetzen. Wichtig sei hier auch, diese Transformation nicht als Nullsummenspiel zu betrachten, welches am Ende Gewinner und Verlierer zurücklasse, sondern die Rolle von nationalen Regierungen zu überdenken. Aus vergangenen Fehlern der Geschichte müsse gelernet und nach einer gewaltfreien Lösung gesucht werden. In diesem Zusammenhang müsse auch über Generationengerechtigkeit gesprochen werden, was die Frage nach einem erneuten Generationenvertrag aufwerfe. Pascalle Grotenhuis, als Vertreterin des niederländischen Außenministeriums hob hervor, dass vor allem die junge Generation mit kreativen und neuartigen Lösungsansätzen versuche, der Ressourcenknappheit und dem übermäßigen Konsumverhalten entgegenzuwirken. Als Beispiel nannte sie hier das „Fair Phone“, ein Mobiltelefon, das auf Materialien aus Konfliktregionen verzichte.

Die Diskussion über die Themen Lebensmittelversorgung und Energie machten auch deutlich, dass nachhaltige Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion eng mit dem Konsumverhalten verknüpft sind. Während in Europa und Nordamerika schon die Verarbeitung von Mais oder Getreide zu Biotreibstoffen als Lösung für die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen angeführt wird, ist der Einwand oft eine damit verbundene Nahrungsknappheit und steigende Lebensmittelpreise. Nachhaltigkeit könne also nicht nur aus Sicht von Energieträgern betrachtet werden, sondern müsse auch die Kräfte des Marktes miteinbeziehen und den Entscheidungsfindungsprozess der Politik, so der Konsens der Diskussionsteilnehmer.

Am zweiten Konferenztag standen vor allem die Themen Energie-, Wasser-, und Lebensmittelversorgung im Mittelpunkt. András Szöllősi-Nagy, Direktor des UNESCO Institut für „Wasser-Ausbildung“, hob vor allem die ungleiche Verteilung von Wasser hervor. Zwar verbessere sich der Zugang zu Trinkwasser weltweit im Rahmen der Jahrtausendziele der Vereinten Nationen geringfügig, der Zugang zu sauberem Wasser und zu Sanitäranlagen verschlechtere sich jedoch immer noch dramatisch. Die weltweite Wasserkrise sei daher nicht durch Wassermangel begründet, sondern von der Verteilung und dem Zugang zu Trinkwasser. Ein Lösungsansatz wäre neue Technologien, wie Wasserkraftanlagen oder neue Zugänge zur Grundwassernutzung. Ivan Zavadsky, Direktionssekretär der Internationalen Kommission für den Schutz der Donau präsentierte ein positives Beispiel der transnationalen und grenzüberschreitenden Kooperation im Bereich der Wasserpolitik, die Zusammenarbeit der mittel- und osteuropäischen Ländern entlang der Donau. Obwohl diese Länder sich sowohl in ihrer ökonomischen Stärke als auch in ihrer kulturellen Diversität unterschieden, gelinge es ihnen doch gemeinsame Gesetze zum Schutz der Biosphäre der Donau in die nationale Gesetzgebung aufzunehmen. Besonders hervorzuheben sei hier die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei Naturkatastrophen, wie beispielsweise der Flut im westlichen Balkan im Sommer 2014. Dies verteile nicht nur die Kostenlast für den Wiederaufbau und die Notversorgung der Bevölkerung vor Ort, sondern auch den Wissen- und Technologieaustausch zwischen den 19 Mitgliedsstaaten.

Im letzten Panel zum Thema Energieversorgung diskutierten Wirtschaftsvertreter von Energieanbietern wie Vattenfall oder MOL mit Wissenschaftlern aus dem Bereich Energie und Wirtschaft über die Umgestaltung der Energieversorgung für zukünftige Generationen. Stefan Saatmann als Vertreter des Welt Energierates hob hier hervor, dass eine Abkehr von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarenergie gegenüber der Atomkraft eine sichere und verlässliche Alternative biete. Eine Umgestaltung des Energienetzes sei daher unabdingbar, beziehe jedoch auch den privaten Sektor mit ein und nehme jeden einzelnen in die Pflicht.

In den Schlussbemerkungen von Anita Orbán, Sonderbotschafterin für Energiesicherheit des ungarischen Außenwirtschafts und Außenministeriums und Dr. Imre Biczó, Generaldirektor des nationalen Umweltinstituts, wurde dann noch einmal deutlich, dass der Klimawandel und eine nachhaltige Zukunft auch sicherheitspolitische und gesellschaftliche Themen sind, deren Lösung zeitnah erfolgen müsse. Eine Energiekrise oder Wasserknappheit könne zu politischen Krisen und gar einer Blockbildung führen, ein Lernen aus den Fehlern der Vergangenheit und die Beseitigung der ungleichen globalen und regionalen Verteilung von Lasten und Ressourcen sei daher von hoher sicherheitspolitischer Brisanz.

Neben der Hauptkonferenz wurde die Veranstaltung von zahlreichen anderen Elementen begleitet, wie beispielsweise einer Ausstellung zum Thema Nachhaltigkeit. Ferner wurde auch ein kleiner Workshop für Jugendliche mit internationalen Referenten zum Thema nachhaltige Entwicklung angeboten.

Text: Jana Weidinger