Den Auftakt bildete ein Gespräch mit dem Geschäftsträger der EU-Delegation in Vietnam, Rafael de Bustamante, sowie weiteren Vertretern der Delegation. Vor dem Hintergrund der sich vertiefenden Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Vietnam bot das Treffen Gelegenheit, die europäische Perspektive auf die wachsende strategische Bedeutung Südostasiens und Vietnams kennenzulernen.
Anschließend besuchte die Delegation die Diplomatische Akademie Vietnams, wo sie sich mit Forschenden über maritime Sicherheit austauschte. Insbesondere das Südchinesische Meer ist aufgrund territorialer Streitigkeiten, wichtiger internationaler Handelsrouten und zunehmender geopolitischer Spannungen von großer Bedeutung in wirtschafts- und sicherheitspolitischer Hinsicht. Fragen des internationalen Seerechts und der regionalen Zusammenarbeit stellen dabei zentrale Herausforderungen für Vietnam und seine Nachbarstaaten dar, deren Klärung auch im Interesse Deutschlands und der Europäischen Union liegt.
Ein Treffen mit der deutschen Botschafterin Helga Barth und Vertretern der Botschaft bot Gelegenheit zum Austausch über die deutsch-vietnamesischen Beziehungen. Am Abend diskutierte die Delegation mit Dr. Zsuzsa Anna Ferenczy und Dr. Denis Suarsana über die europäische Global-Gateway-Strategie. Im Mittelpunkt standen die Ergebnisse einer aktuellen KAS-Studie, die untersucht, wie europäische Infrastrukturinvestitionen besser an die wirtschaftlichen und politischen Bedürfnisse Vietnams und Thailands angepasst werden können.
Am zweiten Tag nahm die Delegation am Mekong International Forum 2026 teil, das gemeinsam von der KAS und der Diplomatischen Akademie Vietnams organisiert wurde. Das Forum beschäftigte sich mit der wirtschaftlichen Vernetzung der Mekong-Region. Im Fokus standen dabei unter anderem der Ausbau von Verkehrs- und Handelswegen, die Verbesserung regionaler Lieferketten sowie die wirtschaftlichen Chancen einer stärkeren Integration.
Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch der University of Social Sciences and Humanities in Hanoi. In einem Vortrag von Dr. Dang Anh Dung und einem anschließenden Austausch mit vietnamesischen Wissenschaftlern stand die strategische Autonomie Vietnams im Mittelpunkt. Dabei ging es um die Frage, wie das Land angesichts der zunehmenden Konkurrenz zwischen Großmächten seine außenpolitische Unabhängigkeit bewahren und gleichzeitig seine internationalen Partnerschaften diversifizieren kann.
Neben den außenpolitischen Gesprächen bot ein Besuch des Goethe-Instituts Hanoi Einblicke in die vietnamesische Gesellschaft. Im Rahmen eines World Cafés diskutierten die Teilnehmenden mit vietnamesischen Gesprächspartnern über gesellschaftliche Teilhabe, kulturelle Produktion, Medien und Migration. Gespräche mit jungen Vietnamesen, die ein Studium oder eine berufliche Tätigkeit in Deutschland anstreben, hoben die Bedeutung des persönlichen Austauschs zwischen beiden Ländern besonders hervor.
Der Delegationsbesuch ermöglichte den Teilnehmenden ein differenziertes Verständnis der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen Vietnams. Die Begegnungen unterstrichen zugleich den unersätzlichen Wert des direkten Dialogs und das Potenzial einer vertieften Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Vietnam.