Möge er in Ruhe sterben
Auch in Deutschland gibt es Menschen, die leiden, die keine Stimme haben. Die Familien, deren Angehörige bei den islamistischen Anschlägen in Solingen, Mannheim und Aschaffenburg getötet wurden, haben keine derartige Mobilisierung erfahren: Liveticker, angereiste Prominente und Politiker, unzählige Kameras. Die Anteilnahme an ihrem Schicksal versiegte schnell.
Eine Gesellschaft, die sich um einen Wal so hingebungsvoll kümmert wie um kaum ein anderes Problem der Gegenwart, offenbart nicht ihre Güte. Sie offenbart ihre Prioritäten.
Deutschlands Moral liegt im Brackwasser
Wir erinnern uns an die unsäglichen Nazi-Parolen, gegrölt zu Gigi d’Agostino von verwahrlosten Oberschicht-Kids auf Sylt. Sylt und Timmy: Zwei große Erregungsmomente der jüngeren deutschen Gegenwart, beide ereignen sich nördlich des Weißwurstäquators, an der See, mit Brise und Kamera. Als suche das Land seine Erschütterungen am liebsten dort, wo am Ende alles in schöne Sonnenuntergänge getaucht wird. Die Verbrechen im Binnenland liegen zu weit vom Strand entfernt.
Das Wasser, in dem Timmy treibt, ist Brackwasser. Kein echtes Salzwasser, kein echtes Süßwasser, irgendwas dazwischen, unentschieden, träge. Ein passendes Bild für die Moral dieses Landes im Frühjahr 2026.
Timmy dümpelt. Deutschland schaut zu. Und irgendwo klopft jemand mit einem Regenschirm gegen einen Zaun.
Möge er in Ruhe sterben.
privat