Workshop

Mapping Social Forgetting

An international workshop

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Details

Mapping Social Forgetting

An international workshop

12-14 February, 2006

Welche sind die sozialen Eigenschaften, die zum Vergessen führen? Warum wird die Mehrheit vergessen? Durch welche Kriterien wählen Menschen und Nationen, an was und an wen sie sich erinnern oder was sie vergessen wollen, oder wie sie bestimmter Ereignisse und Geschehnisse gedenken sollen? –

Diese und andere Fragen versuchten die Teilnehmer des internationalen Workshops, welcher von der Konrad Adenauer Stiftung und dem Truman Institute organisiert wurde, zu beantworten.

Zu dieser dreitägigen Konferenz wurden 19 Akademiker eingeladen - alle bedeutende Historiker, Soziologen und Anthropologen. Sie gingen das Thema nach langjährigen Forschungen, interdisziplinär und mit vielfältigen Beispielen an. Ziel war es, die Wurzeln des menschlichen, selektiven Gedächtnisses zu verstehen.

Kollektives Gedächtnis wurde in den letzten Jahren zu einen populären Thema. Das Innovative an diesem Workshop war, dass er das Thema von der Gegenseite, nämlich von Vergessen her, behandelte.

Ein Land wie Israel, mit seiner kontinuierlich problematischen politischen Stellung könnte natürlich als fruchtbarer Boden solcher Forschung dienen. Israelische Forscher bezogen sich hauptsächlich auf Fälle aus der jüdisch-israelischen Geschichte: Eine Studienreise nach Massada demonstrierte, wie schon historische Ereignisse zur Bildung von Mythen und selektiver Erinnerung genutzt werden.

Nach der Gründung des Staates Israel wünschte sich der neue Staat, das nationale Bewusstsein seiner arabischen Mitbürger auszulöschen. Alle palästinensischen Narrative und Symbole wurden systematisch unterdrückt und durch zionistische Symbole ersetzt. Das Leben mit widersprüchlichen Narrativen ist zu einer kontinuierlichen Tragödie dieser Bevölkerung geworden, welche noch heute in ihrer Beziehung zu dem Staat erkennbar ist.

Während der Krieg 1948 für die Palästinenser eine Katastrophe war, war er für die Israelis der "Unabhängigkeitskrieg". Die Bravourleistungen der Palmach Soldaten wurden als Heroismus bezeichnet, aber ihre "schmutzigen" Taten wurden völlig aus der Geschichte, so wie aus dem Gedächtnis dieser Soldaten, gelöscht.

Ein anderes Beispiel aus der modernen israelischen Geschichte ist die nebelige Erinnerung der Israelis an den Libanon-Krieg: Obwohl es damals um einen Krieg mit weitreichenden Auswirkungen ging, erinnern sich die Israelis nur an einige Ereignisse, welche die israelische Presse hervorgehoben hatte. Dass dieser Krieg "Operation für den Frieden Galiläas" genannt wurde, deutet schon darauf hin, wie der Staat das kollektive Gedächtnis manövriert hatte. Auch an der libanesischen Seite führte das Kriegstrauma zu einer gewissen Verschwommenheit der Fakten.

Modelle zum Thema aus anderen Ländern wurden von internationalen Forschern präsentiert: Der Frankreich – Algerien - Krieg, das französische Umgehen mit den Soldaten aus den afrikanischen Kolonien, der Kampf der Afro-Amerikaner in der USA um Gleichberechtigung usw.

Die Erfahrung Deutschlands im zweiten Weltkrieg nahm bei dieser Konferenz einen besonders wichtigen Raum ein. Das Umgehen mit Scham- und Schuldgefühlen in der deutschen Kultur, besonders in der Nachkriegsgesellschaft wurde tiefgehend untersucht. Die Konfrontation deutscher Soldaten mit ihrem Trauma als Vollzieher eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit, führte sie zu einem psychologischen Zustand von Apathie und Flucht vor der Realität. Laut Umfragen während der fünfziger Jahre behaupteten viele, dass das Dritte Reich die beste Zeit ihres Lebens war. Sie glaubten, dass Vergessen und Dementieren ihnen helfen würde, wieder ein normales Leben zu führen. Die Erlebnisse jedoch suchten sie ständig auf und viele mussten sich in psychiatrische Behandlung begeben.

Nach dem geschlossenen Workshop fand in Konrad Adenauer Konferenz Zentrum in Mishkenot Sha'ananim eine öffentliche Veranstaltung statt, welche das Thema weiterführte. Hier lag der Schwerpunkt auf dem Umgang mit dem Holocaust. Die Aufmerksamkeit war auf die Museen und Gedenkstätten für die Holocaustopfer gerichtet. Insbesondere wurden Yad Va'shem und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin in den Mittelpunkt gestellt. Diskutiert wurden die Entstehungsgeschichte dieser Stätten, ihre Konzipierung und Charakteristik, sowie die Anpassung an die Vorstellungen ihrer Gründer und damit verbunden der Umgang mit der Politik des Gedenkens.

Das Publikum setzte sich u.a. aus Zeitzeugen – zum Großteil Holocaustüberlebende – zusammen. Auch die jüngeren Generationen waren stark vertreten, auch durch Volontäre von "Aktion Sühne-Zeichen". Die anschließende, zum Teil sehr emotional geführte Diskussion konzentrierte sich u.a. auf die Stellung der Zeitzeugen und ihre Begrenzungen für kollektive Erinnerung. Besonders bewegend war, dass der Chefankläger im Eichmann-Prozess, Oberrichter a.D. Gabriel Bach, im Publikum anwesend war und von seiner Erfahrung im Umgang mit Geschichte im persönlichen und politischen Bereich berichten konnte.

Außerdem wurde zentral die Frage in welchem Verhältnis Geschichtswissenschaft und Erinnerung stehen, d.h. ob es sich dabei um konkurrierende oder ergänzende Konzepte handelt.

Palina Kedem

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Venue

Massada & Hebrew University, Jerusalem

Contact

Dr. Lars Hänsel

Dr

Head of the Department Europe and North America

Lars.Haensel@kas.de +49 30 26996-3526
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