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Bahrains Sorge vor dem großen Nachbarn

Sunniten und Schiiten wählen ein neues Parlament

Das Königreich Bahrain ist ein Kleinstaat vor der Küste Saudi-Arabiens. Das Land ist aus zwei Gründen bemerkenswert: Es ist von Öl- und Gas-Exporten unabhängiger als jedes andere Land in der Golf-Region. Und Bahrain ist das einzige Land am Arabischen Golf mit einer schiitischen Bevölkerungsmehrheit. Diese wird allerdings von einer sunnitischen Herrschaftsschicht dominiert und regiert. Im Oktober sollen Parlamentswahlen in Bahrain stattfinden. Der Wahlkampf steht im Zeichen von Verhaftungen zahlreicher schiitischer Oppositioneller und teilweise gewaltsamen Ausschreitungen.

Für den Leiter des Regionalprogramms Golf-Staaten der Konrad-Adenauer-Stiftung, Thomas Birringer, sind diese Verhaftungen und Ausschreitungen keine Überraschung. In einem Interview mit der Deutschen Welle sagte er: „Dieser Konflikt zwischen den sunnitischen Herrschern und der schiitischen Bevölkerungsmehrheit ist nicht neu. Es gibt immer wieder Auseinandersetzungen, hinter denen sich nicht nur religiöse, sondern auch ein Stadt-Land-Gefälle oder ökonomische Unterschiede verbergen.“

Birringer erinnert daran, dass das demokratische System in Bahrain unter den Staaten in der Region relativ weit entwickelt sei: „Es gibt ein Parlament und es gibt direkte Parlamentswahlen an denen sich die Menschen direkt beteiligen können.“

Derzeit stellen die Schiiten die größte parlamentarische Gruppe, deren Mitglieder teilweise der iranischen Revolution nahe stehen, aber teilweise auch offen demokratisch orientiert sind. Die Angst vor einem Einfluss des Irans ist aber groß in Bahrain. Birringer: „Zusammenhänge zum Iran gibt es sicherlich.“ Dabei treibt die Menschen weniger die Sorge vor einer muslimischen Revolution, sondern der Anspruch des Irans, seine Hegemonie in der Region „wiederherzustellen“. Die Befürchtung sei weit verbreitet, dass das einflussreiche, große Nachbarland das rohstoffreiche Bahrain stärker kontrollieren und politischen Einfluss üben will.

Und auch das iranische Atomprogramm werde als Versuch angesehen, in der Region Einfluss auszuüben. Für Birringer ist diese Angst vor dem Iran durchaus begründet. Seiner Meinung nach, sei genau das die Politik, die hinter dem Programm stecke. „Es geht mehr und mehr um die Hegemonie, die klassische persische Großmachtspolitik, in der Region und nicht mehr um den Export der Ideologie“, so Birringers Fazit.