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KONFERENZ ÜBER DEN FREIKAUF DER DEUTSCHEN IN RUMÄNIEN

“FAMILIENZUSAMMENFÜHRUNG VERSUS FREIKAUF DER DEUTSCHEN AUS RUMÄNIEN IN DER ZEIT DES KOMMUNISMUS”

Am 19. April und 20. April 2013 veranstaltete das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung eine Konferenz in Hermannstadt (Sibiu), bei der die, dramatische und in Deutschland weitestgehend unbekannte, Geschichte des Freikaufes Deutscher aus Rumänien während der kommunistischen Herrschaft durch die deutsche Bundesregierung aufgearbeitet wurde.

Bei der Konferenz zum Thema “Familienzusammenführung versus Freikauf der Deutschen aus Rumänien in der Zeit des Kommunismus“ war der leitende Unterhändler der deutschen Seite, Dr. Heinz-Güther Hüsch, bereit die Geschehnisse aus seiner Sicht zu beleuchten. Sein rumänischer Gegenpart, Octavian Andronic, hatte die Teilnahme an der Veranstaltung abgesagt, so dass nur Dr. Hüsch als Zeitzeuge über die Verhandlungen aus erster Hand berichten konnte und ein Einblick in die rumänische Verhandlungsführung leider ausbleiben musste.

Zur Eröffnung sprachen neben dem Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung, Lukas Mreyen, auch Ovidiu Ganţ, Vertreter der deutschen Minderheit im rumänischen Parlament und der deutsche Generalkonsul in Hermannstadt, Thomas Gerlach. Unter den weiteren Gästen war auch der Bischof der evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Reinhart Guib.

Unter großem Medieninteresse, auch aus Deutschland, beleuchteten eine Reihe von Experten zu dem Thema an den zwei Tagen verschiedene Aspekte des Freikaufes der Deutschen, die immer wieder durch das Wissen von Dr. Hüsch ergänzt und präzisiert werden konnten. Die Teilnehmer erfuhren dabei, wie beginnend mit einer privaten Vermittlung durch den deutschen Anwalt Dr. Ewald Garlepp, die ersten Mitglieder der deutschen Minderheit ausreisen konnten und dass die Funktion des Unterhändlers der Bundesrepublik ab 1968 von Dr. Hüsch übernommen wurde. Bis zum Ende der Kooperation zwischen Rumänien und Deutschland am 4. Dezember 1989 konnten mehr als 200.000 Angehörige der deutschen Minderheit ausreisen. Die rumänischen Verhandlungspartner verlangten dabei im Durchschnitt 4000 DM für die Ausreise eines Deutschen, erhielten aber teilweise auch andere Zuwendungen in Form von Sachleistungen von der deutscher Seite.

Neben dem Ablauf des Freikaufs an sich, den Dr. Hüsch insbesondere im Gespräch mit Hannelore Baier vom Demokratischen Forum darlegte, erfuhren die Teilnehmer auch etwas über die Folgen der erkauften Freiheit für die deutschen Gemeinden in Rumänien, die unter der Abwanderung zu leiden hatten, aber auch über die Risiken und Repressionen, welchen Ausreisewillige sich aussetzten, wenn sie einen Antrag auf Ausreise stellten. Neben Historikern wie Dr. Florian Banu und Dr. Cosmin Budeanca, sprach auch der Soziologe Dr. Anton Sterbling, der mit seiner Familie selbst aus Rumänien ausreisen konnte und Pfarrer Wolfgang Rehner, der die Auswanderung und ihre Folgen für seine Kirche persönlich miterleben musste. Zum Abschluss bedankte sich der Leiter des Demokratischen Forums in Hermannstadt, Dr. Hans Klein bei allen Beteiligten und lobte die Kooperation mit Dr. Hüsch und der Konrad-Adenauer-Stiftung, ohne die, die Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre.

Im Anschluss an die Konferenz, in deren Verlauf immer wieder, auch durchaus emotional, von den Anwesenden, insbesondere den Mitgliedern der deutschen Minderheit, diskutiert worden war, fand am Samstag Nachmittag eine Lesung aus dem, im Honterus-Verlag erschienenen Buch „Kauf von Freiheit. Dr. Heinz-Günther Hüsch in Interviews mit Hannelore Baier und Ernst Meinhart“ statt.