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Zwischen Sand und Eisen ein Balanceakt für den Ökoala

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Ein Gebäude mit einem „Ökoala“ auf der Hauswand, einem Koalabär mit Afro, der Werbung für Limonade macht, und im Erdgeschoss ein Café, das sich mit Stühlen und Tischen auch vor der Tür breitgemacht hat, neben dem Haus eine Außentreppe, die bis ins Dachgeschoss führt. Die Wendeltreppe hoch, hinein in das Haus – und man sieht, dass sich drinnen noch mehr befindet als nur ein Café. Die Freie Akademie der Künste in Hamburg, „sie ist keine Schule, sondern ein Zusammenschluss von Künstlern aller Art“, erklärt die 39-jährige Organisatorin Sonja Jansen mit einem freundlichen Lächeln, wenn sie gefragt wird, ob denn auch Studenten ihre Kunst im Ausstellungsraum präsentieren. Sonja kümmert sich nun schon seit zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Kollegen, der die meiste Zeit im abgelegenen Büroräumchen verbringt, um die Organisation von Ausstellungen, Konzerten und Vorlesungen, damit Kunst für „gebildete Bürger“, wie es in der Broschüre steht, immer zugänglich bleibt. Inwieweit sie auf diese Weise von den Menschen gewürdigt wird, ist fraglich.

Gegen einen ermäßigten Eintrittspreis von drei Euro betritt man dann den eigentlichen Ausstellungsraum, in dem man minimalistische, dennoch ausdrucksstarke Skulpturen sieht. Jan Meyer-Rogges Konstruktionen aus Eisen drehen sich alle um dasselbe Thema: Gleichgewicht. Neben den Schildchen mit dem Titel des jeweiligen Werkes hängen weitere Schildchen, die daran erinnern, dass man nichts berühren darf, da die Teile der Skulpturen nicht befestigt sind. Sie stehen allein durch ihre perfektionierte Balance. „Alles hält, weil alles fällt“, ist daher der bestmögliche Titel für diese Reihe von Werken.

Eine Viertelstunde Fußweg entfernt, am prachtvollen Hamburger Rathaus vorbei und mit einem tollen Ausblick auf das Wasser liegt das Alsterhaus, vor dem sich ein Straßenkünstler breitgemacht hat, für dessen Werk „Alles hält, weil alles fällt“ womöglich auch ein passender Titel wäre. Zwischen Touristen, Schaulustigen und mit Tüten bepackten Shoppern sitzt er auf dem Boden vor der ausgebreiteten Decke, auf der ein Sack voll Sand, eine Sprühflasche, ein Spachtel und verschieden große Schminkpinsel liegen. Aus diesen einfachen Zutaten zaubert der Künstler Hundeskulpturen, die von Weitem täuschend echt aussehen, deren Fragilität aber erst von Nahem zu erkennen ist, wenn man merkt, dass es sich eben nur um nassen Sand handelt. Der Sandkünstler kommt aus Portugal und nennt sich John, und seine einzigartige Kunst ist seine Haupteinnahmequelle. Er verdient am Tag „so 30 bis 40 Euro“, das sagt er zumindest, aber der Anblick des kleinen Tellers, auf dem sich wenige 50-Cent-Münzen gesammelt haben, lässt noch nicht so viel vermuten.

Schon seit drei Jahren befindet er sich in dieser misslichen Lage, alles nur, da er aufgrund einer Verletzung in seiner Heimat keine Arbeit mehr findet. Eine Narbe, die er von einer Operation trägt, bei der ihm ein Stück Metall eingesetzt wurde, zeichnet sein Handgelenk. Stark eingeschränkt ist John dadurch eigentlich nicht, daher ist ihm selbst auch nicht ganz klar, weshalb er seinen Beruf als Konstrukteur nicht in Portugal ausüben kann. Also reist er nun durch die größten Städte Deutschlands, um sich wenigstens einen kleinen Lohn zu verdienen. Die Kunst macht ihm Spaß, aber „das Leben auf diese Weise ist sehr hart“, das kann man nicht nur an seinen heiser ausgesprochenen Worten erkennen, sondern auch an seiner gerunzelten Stirn, die die Anstrengung eines solchen Lebens widerspiegelt.

Die Kunst in Hamburg hat zwei Gesichter – „gebildete Bürger“ in modernen Räumen und leidenschaftliche Straßenkünstler. Der „Ökoala“, der die Kunstakademie mit der Kunst der offenen Straße verbindet, vereint diese zwei Gesichter in gewisser Weise. Er ist zwar Teil eines „exklusiven“ Gebäudes und trotzdem erreichbar für jedermann, der daran vorbeiläuft.

Von Leonie Tollmann

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