Publicador de contenidos

Informes sobre los eventos

Jahrelanger Krieg in der Ukraine – Ein Blick auf den Krieg aus deutscher und aus spanischer Sicht

de Meret Nitschke

Kooperationsveranstaltung

Am 10.06.2026 fand die Veranstaltung „Wer gewinnt in der Ukraine? Der Krieg aus deutscher und aus spanischer Sicht“ der Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen in Kooperation mit dem Institut Cervantes statt. Im Mittelpunkt des Abends stand, zu klären, inwieweit die bisher investierten Mittel im Krieg Wirkung zeigen, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Haltung Deutschlands und Spaniens liegen und was die Gründe dafür sind.

Publicador de contenidos

Compartir

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Ignacio Olmos, Leiter des Institut Cervantes Bremen, das Publikum, führte kurz in das Thema ein und bedankte sich bei Ralf Altenhof für die gute Zusammenarbeit. Karolina Benedyk, Journalistin des Weser-Kuriers, moderierte an diesem Abend. Die deutsche Sichtweise auf den Ukrainekrieg präsentierte Nico Lange, Gründer und Direktor des Instituts für Risikoanalyse und Internationale Sicherheit in Berlin und Senior Fellow für transatlantische Sicherheit und Verteidigung am CEPA in Washington D.C. Ebenso war Lange von 2006 bis 2012 Leiter des Ukraine-Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kiew und spricht fließend Ukrainisch sowie Russisch. Die Darlegung der spanischen Seite übernahm Christian Segura, der seit 2022 für die spanische Zeitung EL PAÍS als Korrespondent über den Krieg in der Ukraine berichtet. 2025 erhielt er den internationalen Journalismuspreis Julio Anguita Parrado.

 

Anfänglich stellten die beiden Referenten die Positionen beziehungsweise Perspektiven ihrer beider Länder vor. Nico Lange machte dabei deutlich, dass sich Deutschland seit dem russischen Überfall auf die gesamte Ukraine im Februar 2022 als in Europa einwohnerstärkstes und im Mittelpunkt liegendes Land in einer ganz neuen Rolle befinde. Von dem Verhalten Deutschlands hänge nun sehr viel mehr ab als zu Zeiten vergangener Konflikte, sodass es für Deutschland nicht mehr ausreiche, von der Seitenlinie aus Kommentare abzugeben und Appelle auszusprechen, sondern mehr gefordert sei, selbst Verantwortung zu übernehmen. Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und sein folgendes außenpolitisches Verhalten habe diesen Umstand zusätzlich verstärkt. Deutschland müsse sich daher die Frage stellen, wie Europa geschlossen den Druck auf Putin so erhöhen kann, um ihn zur Beendigung des Krieges zu bewegen, während man die Ukrainer konstant dabei unterstützt, ihre Stellung stabil halten zu können.

 

Christian Segura beleuchtete während seiner Darlegung der spanischen Sicht auf den Ukrainekrieg, in welchen Bereichen Russland bereits Niederlagen einstecken musste. So habe Russland 4,5 Jahre nach Kriegsbeginn das ursprüngliche Ziel, den Donbass zu besetzen, noch immer nicht erreicht. Der geringe territoriale Gewinn gehe für die russische Armee trotzdem mit hohen Verlusten einher, da die Ukraine es geschafft habe, ihre Armee zu einer der besten in Sachen Drohnenverteidigung aufzubauen. Als weitere Niederlage Russlands beschrieb Segura den vollständigen Bruch mit Europa und der Ukraine, die es für immer als Brudervolk verloren hätte. Während die Ukraine wahrscheinlich früher oder später der Europäischen Union beitreten und sich damit vollständig dem russischen Einfluss entziehen werde, habe Putin für Russland auf internationaler Ebene nur den Platz in der zweiten Reihe hinter China erreicht, in dessen Abhängigkeit es sich in den letzten vier Jahren zunehmend manövriert habe. Segura stellte klar, dass diese Niederlagen, die Russland erfahren musste, trotzdem keinen klaren Sieg für die Ukraine bedeuten würden. So sei zwar herauszustellen, dass der ukrainische Staat, ein sehr junger und jahrelang stark von Russland beeinflusster Staat, unter dem starken Druck des Krieges stehend stärker als je zuvor sei. Der demografische Schaden, den die Ukraine durch den Krieg erlitten habe, sei jedoch der langfristig größte Schaden für das Land und als eine Art Niederlage zu bewerten. So würden sich circa zehn Millionen von ursprünglich 41 Millionen Ukrainern im Ausland befinden, ohne Gewissheit, dass diese nach einem möglichen Kriegsende, wie auch ein solches aussehen mag, zurückkehren werden.

 

Als Karolina Benedyk die Drohnenattacke auf St. Petersburg zum Auftakt des internationalen Wirtschaftsforums durch die ukrainischen Streitkräfte Anfang Juni ansprach, forderte Nico Lange dazu auf, sich vor Augen zu führen, warum sich die Ukraine bis heute in diesem Krieg überhaupt halten könne. So habe sie dafür die „Ratschläge“, die auch immer wieder aus Deutschland zu hören gewesen seien, etwa kein russisches Gebiet anzugreifen oder ausschließlich auf Verteidigung zu setzen, nicht befolgt.  Dieses Verhalten des Westens und das Fehlen einer tatsächlichen Strategie zur Beendigung des Krieges müsse man sich in Europa zum Vorwurf machen. Denn erst wenn sich die Europäer endlich dazu entschließen können, dass die Ukraine wirklich siegen soll, könne der Krieg beendet werden, so Lange. Dafür sei es enorm wichtig, die von der Ukraine benötigten Mittel unmittelbar zu liefern und nicht erst nach langen Diskussionen, die für eine Einschränkung der Wirksamkeit der Hilfsmittel sorgen würden.

 

Auf die Frage Benedyks, wie der spanische Blick auf die deutsche Zeitenwende sei, stellte Segura heraus, dass der Blick Spaniens auf diesen Krieg ohnehin ein distanzierterer als für Mitteleuropa sei. So habe Spanien deutlich weniger historische Verbindungen zu der slawischen Welt als Deutschland, ebenso spiele auch die geografische Distanz eine entscheidende Rolle dabei. Der Großteil der spanischen Bevölkerung sei zwar für eine Unterstützung der Ukraine, sei über die Berichterstattung aber auch ermüdet. Auch stellte er heraus, dass Spanien nicht so stark im Visier russischer Desinformationskampagnen stehe, wie Deutschland beispielsweise. Auf die Frage der Moderatorin, was von Deutschland nach der Zeitenwende beziehungsweise von Europa im Allgemeinen zur Unterstützung der Ukraine zu erwarten sei, waren sich die beiden Referenten einig, dass es endlich eine klare Strategie benötige, Vertrauen den Ukrainern gegenüber und das rechtzeitige Liefern von Hilfsmitteln.

 

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion hatte das Publikum noch die Möglichkeit, den beiden Referenten ihre Fragen zu stellen. Ralf Altenhof erinnerte in seinem Schlusswort, dass zwar 2022 der russische Angriffskrieg auf die gesamte Ukraine erfolgte, aber bereits 2014 die Einverleibung der Krim durch Russland begann. Die Ukraine verteidige auch unsere Freiheit.  Er bedankte sich bei den beiden Referenten sowie bei Ignacio Olmos und seinem Team für die gute Zusammenarbeit. Diese könne gerne fortgesetzt werden – aber erst nach der Fußball-Weltmeisterschaft…

Publicador de contenidos

Contacto Dr. Ralf Altenhof
Dr. Ralf Altenhof
Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Bremen
ralf.altenhof@kas.de +49 421 163009-0

comment-portlet

Publicador de contenidos