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DenkTag 2026 - Ottla, Franz Kafkas Lieblingsschwester

Theaterstück nach dem Hörspiel von Petr Balajka, in der Übersetzung von Werner Imhof

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Am 3. Februar 2026 fand am Erinnerungsort Topf & Söhne in Erfurt eine eindrucksvolle Theateraufführung im Rahmen des DenkTags der Konrad‑Adenauer‑Stiftung statt. Der DenkTag erinnert jährlich rund um den 27. Januar – dem offiziellen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz und verbindet das historische Erinnern mit der Reflexion gesellschaftlicher Verantwortung in der Gegenwart.  In diesem Jahr fügte sich die Veranstaltung inhaltlich besonders stimmig in den neuen Themenschwerpunkt des denkt@g‑Jugendwettbewerbs 2026/27 ein, der unter dem Motto „Ihre Geschichte (er)zählt – Frauen im Holocaust“ die oftmals übersehenen Perspektiven von Frauen in der Shoah sichtbar machen möchte. 

 

Das Theaterstück rückte die Lebensgeschichte von Ottilie Kafka, genannt Ottla, in den Mittelpunkt – eine Frau, deren Biografie exemplarisch für Mut, Menschlichkeit und persönliche Tragik im Zeichen nationalsozialistischer Verfolgung steht. Ottla wurde 1892 in Prag geboren und war die jüngste Schwester von Franz Kafka, dem sie in besonderer Nähe verbunden war. Sie engagierte sich politisch im Umfeld der zionistischen Bewegung sowie im Klub jüdischer Frauen und Mädchen und übernahm während des Ersten Weltkriegs mutig ein kleines Gut in Siřem, auf dem Franz Kafka eine seiner prägenden Erholungsphasen verbrachte. Ihre 1920 geschlossene Ehe mit dem katholischen Tschechen Josef David brachte die Töchter Věra und Helene hervor, blieb jedoch unglücklich und wurde 1940 geschieden. Mit dem Verlust des Schutzes einer sogenannten „Mischehe“ war Ottla der nationalsozialistischen Verfolgung ausgeliefert. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie sich liebevoll um eine Gruppe kleiner Kinder kümmerte. Im Oktober 1943 entschloss sie sich freiwillig, einen Transport polnisch‑jüdischer Kinder nach Auschwitz‑Birkenau zu begleiten; dort wurde sie am 7. Oktober 1943 ermordet. Auch ihre beiden Schwestern fielen der Shoah zum Opfer.

 

Das Theaterstück, produziert von rimon productions – einem „Theater mit Haltung: jüdisch, politisch, nah“ – basiert auf Ottlas Briefen an ihre Töchter sowie dem Bericht eines Lagerarztes aus Theresienstadt, der versucht hatte, sie zu retten. Zitate und Aphorismen von Franz Kafka ließen die geistige Verbundenheit der Geschwister spürbar werden. Die Inszenierung, die bereits mehrfach in Deutschland, Prag und Wien aufgeführt wurde, berührte das Publikum tief und machte auf eindringliche Weise erfahrbar, wie persönliche Geschichten die Erinnerung an den Holocaust tragen und lebendig halten.

 

In der Kooperation zwischen der Konrad‑Adenauer‑Stiftung und dem Erinnerungsort Topf & Söhne zeigte sich erneut, wie wichtig es ist, historische Verantwortung mit individueller Erinnerung zu verbinden. Die Lebensgeschichte Ottla Kafkas wurde so nicht nur künstlerisch eindrucksvoll vermittelt, sondern fügte sich zugleich in die zentrale Fragestellung des aktuellen denkt@g‑Wettbewerbs ein: weibliche Stimmen im Holocaust hörbar zu machen, die bis heute viel zu selten im Mittelpunkt stehen.

 

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