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Energiewende und Klimaschutz „Made in Thüringen“

Thüringer Innovations- und Zukunftsdialog

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Am 24. März fand bei der TMP Fenster + Türen GmbH in Bad Langensalza der Thüringer Innovations- und Zukunftsdialog des Politischen Bildungsforums Thüringen der Konrad-Adenauer-Stiftung statt. Unter dem Titel „Wie mit Immobilien im ländlichen Raum umgegangen werden kann“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Handwerk und der Immobilienwirtschaft über Herausforderungen und Chancen der Energiewende.

 

Zu Beginn betonte Tillmann Bauer, Referent des Politischen Bildungsforums Thüringen, die zentrale Rolle der Immobilienbranche für das Gelingen der Energiewende. Moderne Fenster- und Gebäudetechnik seien entscheidend, um Energie einzusparen, Wohnkomfort zu erhöhen und Bestandsimmobilien langfristig nutzbar zu halten.

 

Anschließend stellte Bernhard Helbing, Vorsitzender des Beirats der TMP Fenster + Türen GmbH, das gastgebende Unternehmen vor. Er zeichnete den Transformationsprozess Weg von einer ehemaligen LPG mit 3.000 Schafen hin zu einem der führenden Fensterproduzenten Deutschlands nach. Helbing verwies auf die aktuellen wirtschaftlichen Transformationsprozesse, die auch TMP betreffen: Zwischen 2022 und 2024 musste das Unternehmen Umsatzrückgänge und den Verlust von Mitarbeitenden verkraften. Wichtig für ihn sei aber eine positive Einstellung sowie der Mut zu Veränderungen. Dies spiegele sich auch in der Unternehmensphilosophie wider: „Erfolg ist keine Frage der Größe, sondern des Zusammenspiels.“

 

Innovation als Standortfaktor

Im Anschluss erhielten die über 30 Teilnehmenden einen Einblick in die moderne Fensterproduktion. Der Rundgang verdeutlichte, wie stark TMP auf Automatisierung und Digitalisierung setzt, um im Wettbewerb zu bestehen. Geschäftsführer Tobias Kern hob hervor, dass Alleinstellungsmerkmale wie serielle Bauweisen, Express-Fertigung und ein ausgeprägter Kundenservice für das Unternehmen entscheidend seien. Auch Innovationen wie Heizglasfenster, CO2-reduziertes Glas oder hohe Recyclinganteile spielten eine wichtige Rolle.

Die Besichtigung zeigte, wie moderne Fertigungstechnologien aus Thüringen einen überregionalen Beitrag zur Energiewende leisten können und die Verbindung zwischen regionaler Wirtschaftskraft und Klimaschutz sichtbar machen.

 

Herausforderungen im ländlichen Raum

Im Mittelpunkt der anschließenden Podiumsdiskussion standen die besonderen Bedingungen des ländlichen Raums in Thüringen. Frank Emrich, Direktor des Verbandes Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V., erinnerte daran, dass viele Wohnungen in den 1990er Jahren saniert wurden. Nach rund 30 Jahren bestehe nun erneut Modernisierungsbedarf, insbesondere bei Fenstern und technischen Anlagen.

 

Architekt und Energieeffizienzexperte Fabian Kilian wies darauf hin, dass energetische Sanierungen im ländlichen Raum häufig an der unzureichenden Infrastruktur scheitern. Viele kleine Orte verfügten nicht über leistungsfähige Netze, etwa für Fernwärme. Zudem seien Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Nichtwohngebäude wie Schwimmbäder oft deutlich teurer zu sanieren als der Geschosswohnungsbau.

Tobias Kern ergänzte, dass über die Hälfte der rund 500.000 Einfamilienhäuser in Thüringen vor 1950 gebaut wurden. Eine ganzheitliche Betrachtung „vom Dach bis zum Keller“ sei daher notwendig. Das Gebäudeenergiegesetz fokussiere jedoch zu stark auf einzelne Maßnahmen und werde der Komplexität des Bestands nicht gerecht.

 

Jane Croll, Mitglied der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, machte auf den hohen Leerstand im ländlichen Raum aufmerksam: 10 bis 15 Prozent der Wohnungen stünden leer, während in den Städten Wohnraum knapp sei. „Wir brauchen gleichwertige Lebensverhältnisse“, so Croll. Dafür sei es auch notwendig, Förderprogramme zu etablieren, die dies im Hinblick auf den Wohnraum ermöglichen.

 

Energieeffizienz, Kosten und politische Rahmenbedingungen

In der Diskussion wurde deutlich, dass bereits kleine Maßnahmen, etwa die Dämmung von Kellerdecken oder Dächern, einen wichtigen Beitrag zur Energieeffizienz leisten können. Frank Emrich verwies darauf, dass seit 1990 die Emissionen im Gebäudebereich um 80 Prozent gesenkt wurden. Nun müsse vor allem die Energie, die beim Kunden ankommt, klimafreundlicher werden. Gleichzeitig kritisierte er die isolierte Betrachtung vieler Sanierungsprojekte: „Jeder macht seins!“ Gebäude, Infrastruktur, Verbraucher und Energieversorger müssten gemeinsam gedacht werden. Kilian riet Eigentümerinnen und Eigentümern, aufgrund der Komplexität von Sanierungen, professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, um realistische Kosten und Bedarfe zu ermitteln. Croll betonte die Bedeutung verlässlicher politischer Rahmenbedingungen, insbesondere nach der kontroversen Debatte um das sogenannte „Heizungsgesetz“, die viel Vertrauen gekostet habe.

Auch wirtschaftliche Unsicherheiten wurden thematisiert. Tobias Kern wies darauf hin, dass internationale Krisen zu Verunsicherung und Kaufzurückhaltung führten, was für den regionale handwerklichen Mittelstand wirtschaftliche Folgen habe. Emrich sprach von einer „Nebenkostenexplosion“, da vor allem steigende die Wohnkosten erheblich erhöhten. In der Branche sei eine deutliche Investitionszurückhaltung spürbar.

 

Hinsichtlich zukünftiger Sanierungen plädierte Kilian dafür, größere Projekte zu bündeln, da diese eine höhere „Bewegungsmasse“ hätten und sich besser realisieren ließen. Hürden wie europaweite Ausschreibungen oder komplexe Vergaberegeln erschwerten jedoch viele Vorhaben. Croll forderte daher eine deutliche Vereinfachung der Förderrichtlinien. In Thüringen entstünden pro Euro Förderung rund 40 Cent Verwaltungskosten, ein Missverhältnis, das dringend reduziert werden müsse. Digitalisierung und Verschlankung seien notwendig, ebenso wie ein Fokus auf sozialen Wohnungsbau.

 

Im abschließenden Gespräch mit den Teilnehmenden wurde deutlich, dass vereinfachte Förderbedingungen ein wichtiger Hebel sein könnten, um mehr Wohnraum zu schaffen. Kilian betonte erneut, dass größere Projekte oft leichter umzusetzen seien als viele kleine Einzelmaßnahmen. Eine Teilnehmerin wies zudem auf die uneinheitliche Qualifikation von Energieberatern hin. Da deren Expertise Voraussetzung für Fördermittel sei, brauche es fundierten bautechnischen Sachverstand, um verlässliche Empfehlungen zu geben.

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