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Comptes-rendus d'événement

Pulverfass Westbalkan? Zwischen Sicherheitsrisiken und EU-Beitritt

Im Regierungsgebäude, in Rathäusern und auf dem Tag der Diaspora diskutierten Stipendiatinnen und Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung mit politischen und gesellschaftlichen Akteuren über das Erbe Ex-Jugoslawiens, die Sicherheitslage auf dem Westbalkan und die Chancen für eine Annäherung an die EU.

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Autorinnen und Autoren: 

Maya Peglow, Konstantinos Kikiras, Verena Märker

 

Dienstag, 28. Juli 2026, Regierungsgebäude in Skopje: Sasho Markovski, außenpolitischer Berater des Premierministers, spricht über ein Land, das seit mehr als 20 Jahren auf den Beitritt zur Europäischen Union hinarbeitet.

Erst der Name, dann die Verfassung: Mit dem Prespa-Abkommen von 2018 beendete Nordmazedonien den jahrzehntelangen Namensstreit mit Griechenland. Aus Mazedonien wurde Nordmazedonien. 2022 eröffnete die EU die Beitrittsverhandlungen. Doch seitdem herrscht Stillstand. Bulgarien, selbst EU-Mitglied, fordert die Anerkennung der bulgarischen Minderheit in der Verfassung des Landes. Für die dafür notwendige Zweidrittelmehrheit fehlt bislang die politische Unterstützung.

Das Beispiel zeigt exemplarisch, wie langwierig und politisch anspruchsvoll der Weg des Westbalkans in die Europäische Union bleibt. Selbst weitreichende Reformen und politische Zugeständnisse garantieren noch keinen Fortschritt im Beitrittsprozess.

Im Kosovo bleibt der Weg in die EU vorerst versperrt. Solange fünf EU-Mitgliedstaaten die 2008 erklärte Unabhängigkeit des Landes nicht anerkennen, sind Fortschritte im Beitrittsprozess schwierig. Für Stabilität sorgen weiterhin die NATO-Mission KFOR und die EU-Rechtsstaatsmission EULEX. In Pristina sprachen Vertreter der Deutschen Botschaft sowie Oberstleutnant Helmut und Hauptmann Yasmin vom NATO Advisory and Liaison Team über die aktuelle Entwicklung der Sicherheitslage im Kosovo.

In Montenegro ist die Stimmung eine andere. Das Land verhandelt bereits über sämtliche Beitrittskapitel und strebt einen EU-Beitritt bis 2028 an. Dennoch ist die Ungeduld spürbar: zu viele Berichte, zu viele Projektmanager, zu wenige sichtbare Ergebnisse. Nihad Canović und Sanel Balić, die Bürgermeister von Plav und Gusinje, berichteten uns, was von Europa in ihren Grenzgemeinden tatsächlich ankommt. Am Nachmittag feierte die Diaspora im Grebaje-Tal ihren Tag, begleitet von Live-Musik und Volkstänzen. Zugleich steht sie sinnbildlich für einen Negativtrend, der die gesamte Region prägt: den Brain-Drain. Viele Angehörige der Diaspora besuchen regelmäßig ihre Heimat, verfolgen deren Entwicklung mit großem Interesse und sorgen sich zugleich um ihre Zukunft. Vor allem die Abwanderung junger und gut ausgebildeter Menschen stellt die Staaten des Westbalkans vor erhebliche Herausforderungen.

Auf der Fahrt nach Bosnien-Herzegowina beschäftigten wir uns daher intensiv mit den Ursachen und Folgen dieses Phänomens. Ein Altstipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung, der zum Thema Brain-Drain promoviert, hielt dazu einen Impulsvortrag und erläuterte die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Faktoren, die viele Menschen zur Auswanderung bewegen.

In Goražde berichtete anschließend Dr. Kerim Kudo, Referent der Konrad-Adenauer-Stiftung, von seinen persönlichen Bezügen zur Stadt. Seine Ausführungen verdeutlichten eindrücklich die langfristigen Folgen von Krieg und gesellschaftlichen Krisen. Gleichzeitig regten sie dazu an, den Wert von Frieden, Stabilität und Demokratie bewusster wahrzunehmen und nicht als selbstverständlich anzusehen.

In Erinnerung bleiben von diesem Seminar nicht die Statistiken zu Ethnien, Religionen oder Verfassungsfragen. Es sind die Geschichten der Menschen, die nachwirken: Menschen, die zwischen Kulturen leben, deren Kinder auswandern und die trotz politischer Blockaden auf eine bessere Zukunft hoffen.

Denn Zeit hat die Region kaum noch. Wo Europa zögert, sind Russland, China und die Türkei längst aktiv. Die Zukunft des Westbalkans ist deshalb nicht nur eine Frage der Erweiterungspolitik, sondern auch eine Frage geopolitischer Glaubwürdigkeit Europas.

 

Anlass: Seminar der Begabtenförderung zur sicherheitspolitischen Lage auf dem Westbalkan.

Leitung: Dr. Kerim Kudo

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Contact

Dr. Kerim Kudo

Kerim Kudo
Referent Ausländerförderung
kerim.kudo@kas.de +49 30 26996-3693 +49 30 26996-53693

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