Présentations & compte-rendus

„Frieden kann ein glücklicher Zufall sein“

de Sandra Wahle

Mein Europa mit Diana Kinnert

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mein Europa“ in Kooperation mit EUROPE DIRECT Düsseldorf schilderte die Autorin und Unternehmerin Diana Kinnert, was sie mit Europa verbindet und welche Perspektiven sie dafür hat. Der Vortrag und die anschließende Diskussion standen ganz im Zeichen des Kriegs in der Ukraine.

Im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses geht es mit der Kommunalpolitik normalerweise um Politik auf kleinster Ebene – die in der Landeshauptstadt wohlgemerkt gar nicht so klein ist. An diesem Abend war der Fokus nochmal deutlich größer: Es ging um Europa. Die Leiterin des Regionalbüros Rheinland der Konrad-Adenauer-Stiftung, Simone Gerhards, begrüßte die zahlreichen Gäste und betonte die Notwendigkeit, gerade in diesen Zeiten über Europa zu sprechen. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stefan Keller nannte die Europäische Union in seinem digitalen Grußwort „eine der größten, wichtigsten und erfolgreichsten Friedeninitiativen aller Zeiten, eine Gemeinschaft des Miteinanders und der Völkerverständigung.“

„Wie ein Leben unter einer Käseglocke“

Zu Diana Kinnerts ersten Erfahrungen mit Europa gehört auch Guildo Horn. 1998 trat er mit seinem Song „Guildo hat euch lieb“ für Deutschland beim Grand Prix an. Kinnert war zu dem Zeitpunkt sieben Jahre alt. Sie erinnerte sich daran, dass ihre Eltern ihr die verschiedenen Länder erklärten und die Clips vor den Auftritten Einblick in die Kulturen der Länder gaben. Ihre Berührungspunkte mit Europa wurden als Jugendliche und junge Erwachsene nicht weniger: Urlaube in den Nachbarländern, Schüleraustausch in Italien, Spanischunterricht in der Schule, Studium in Amsterdam. All das seien Erinnerungen, die ihre Sicht auf Europa geprägt haben: „In Europa zu leben war mir, wie das Leben unter einer Käseglocke. Beschützt, harmonisch, friedlich, geborgen. Ich war sauer, dass sich die Balkan-Länder stets gegenseitig die Punkte zuschoben beim ESC, aber das waren schon die aggressivsten innereuropäischen Gefühle, die ich in mir trug.“ Sie habe gelernt, in Europäerinnen und Europäern mehr als nur wohlgesinnte Nachbarn zu sehen, sondern vielmehr eine Wertegemeinschaft.

Es gibt nicht „die“ junge Generation

Die zunehmenden Konflikte rund um Europa und die immer wiederkehrende Diskussion um eine europäische Identität haben das Bild von „ihrem“ Europa nicht beeinträchtigt. Diana Kinnert wehrte sich dagegen, von „der einen“ jungen Generation zu sprechen. Sie selbst sei 31 Jahre alt und habe daher andere Erfahrungen mit Europa gemacht als junge Menschen, die heute 15 oder 25 sind: „Es ist etwas anderes, wenn man im Jugendalter über ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger Bürokratie in Brüssel und Straßburg philosophiert, (...) oder sich auf ein Erasmus-Semester in der Sonne freut – im Unterschied zu denen, die aufgewachsen sind mit der Finanz- und Währungskrise, Spardiktat auf Griechen, (...) Radikalisierungen von links und rechts inmitten Europas, Streit um Beitrittskriterien, Arbeitsmigration.“ Deshalb könnten Jugendliche heute mit der Erzählung von Verlässlichkeit und Vertrauen in Europa nichts mehr anfangen, da Instanzen wegzubrechen drohten, „allen voran die großen Volksparteien“. Kinnert, die 2021 ein Buch zum Thema Einsamkeit veröffentlichte, sieht darin eine Gefährdung der Gesellschaft. Die Sehnsucht nach Klarheit sei groß.

Europa ist Frieden, Frieden ist Europa: „Das stimmt nicht mehr“

Die anschließende Diskussion stand ganz im Zeichen des russischen Angriffs auf die Ukraine. Zahlreiche Fragen an Diana Kinnert bezogen sich auf das Handeln der Europäischen Union und der Bundesregierung. Kinnert mahnte an, dass Europa heute nicht mehr automatisch Frieden bedeute. Schließlich sei das nur ein Zustand, der auch ein glücklicher Zufall sein könne: „Keiner steht hier dankbar für diesen Krieg, für den Wladimir Putin allein verantwortlich ist. Aber seit Tagen geht mit der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass diese Situation auch zum Anlass genommen wird, endlich zu zeigen, was in den vergangenen Jahrzehnten der Krise gefehlt hat: Eindeutigkeit, Klarheit, Entschlossenheit und Stärke.“

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Simone Gerhards

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