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„Die Kirche und ich sind ein Herz und eine Seele”

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Gedimmtes Licht scheint durch die farbigen Fenster der Zionskirche in Berlin auf den Fußboden. Das große schlichte Kreuz aus Holz am Altar springt einem sofort ins Auge, sobald man den gigantisch und leer wirkenden Raum betritt. Eine enge heruntergekommene Wendeltreppe führt zur Kanzel. Von den kunstvollen Wänden und der hohen grauen Decke, welche eine unheimliche und kalte Atmosphäre erzeugen, blättert der Putz ab. Dennoch strahlt die Kirche eine angenehme Stille aus.

“Die Kirche und ich sind ein Herz und eine Seele”, sagt Marinco Diminic, der ein Schild mit dem Namen “Kirchendienstengel” an seinem Hemd trägt, stolz. Seit 2012 arbeitet er für die evangelische Zionskirche und ist für alles verantwortlich, weswegen er, behauptet Marinco, für die Kirche unverzichtbar geworden sei.

Im Jahre 1866 wird die Zionskirche auf der höchsten natürlichen Erhebung Berlins, einem Weinberg, erbaut. Sie ist mit 1400 Plätzen eine der größten Kirchen Berlins. Der bekannte Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, der von 1931-1932 der Zionsgemeinde angehörte und dort als Pfarrer tätig war, verlieh der Kirche eine große Bedeutung.

Heutzutage ist die Zionskirche, welche mit vier weiteren Kirchen eine große Gemeinde von 9.000-10.000 Mitgliedern bildet, sehr aktiv. Jedes Wochenende fänden, neben gut besuchten Gottesdiensten, Veranstaltungen wie Taufen, Hochzeiten und manchmal Konzerte statt, berichtet Marinco. Viele Auftritte bei Radio und Fernsehen habe er auch schon hinter sich. Außerdem diene die Kirche als beliebter Drehort für Filme. George Clooney habe hier zum Beispiel eine Szene für seinen Film „Monuments Men” gedreht.

Marinco setzt sich an die Orgel und erfüllt den mächtigen Raum mit wohlklingender Musik. Man merkt dem Berliner mit italienischen Wurzeln sofort an, dass er für seinen Beruf lebt und diesem mit sehr viel Freude und Engagement entgegengeht. Auf seinem Armband sowie auf dem Hintergrundbild seines Handys steht das lateinische Wort „custos”, welches übersetzt „Wächter” bedeutet, geschrieben.

Marinco steht auf. Mit schnellem Schritt bewegt er sich auf eine verschlossene Holztür zu. Er öffnet diese und betritt einen kleinen gemütlichen Raum. Er holt eine uralte Bibel aus dem Schrank heraus und legt sie behutsam auf den Tisch. Auf dem Einband befindet sich ein Stein aus dem Zionsgebirge in Jerusalem. „Dies ist das Highlight der Kirche”, sagt Marinco und lächelt stolz.

Während die äußerliche Schönheit der Kirche sehr beeindruckend und anziehend ist, erweist sie sich jedoch von innen als sehr baufällig. Deswegen muss sie seit Jahren saniert werden, wodurch viele Spenden erforderlich sind. Allein die neuen Fenster hätten eine Millionen Euro gekostet. Marinco verdient für seine Arbeit 1.200 Euro die Woche. Hinzu kommen 25 Euro pro Gottesdienst, sowie weitere Einnahmen von Veranstaltungen wie Hochzeiten, durch welche er auf 1.500-1.700 Euro pro Woche kommt.

Es muss viel Geld und Mühe aufgebracht werden, um die Kirche wieder auf Vordermann zu bringen. Marinco ist sich jedoch sicher, dass dies mit seiner Hilfe gelingen wird.

von Linda Kiehne

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