Zweiter Weltkrieg

Eine kurze Übersicht über Daten und Fakten, Kriegsziele, Kriegsbeginn, Verlauf und Ergebnis sowie den 8. Mai 1945 zwischen Befreiung und Zusammenbruch.

Daten und Fakten

  • Dauer: 01.09.1939 – 08./09.05.1945
  • Kriegsgegner zu Beginn: Deutschland gegen Polen, Großbritannien, Frankreich. Im Kriegsverlauf bildeten sich zwei militärische Allianzen, die als Achsenmächte (27.09.1940: Dreimächtepakt zwischen Deutschland, Italien und Japan) und Alliierte (USA, Großbritannien, Frankreich, Sowjetunion) bezeichnet werden. Seit 1943 verließen die europäischen Bündnispartner nach und nach die Allianz mit Deutschland. Italien, Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Finnland erklärten ihrerseits dem Deutschen Reich den Krieg. Ihnen gleich taten es im Frühjahr 1945 eine ganze Reihe von neutralen Staaten - darunter sämtliche südamerikanischen Länder sowie Saudi-Arabien, die Türkei oder Syrien. Andere Staaten, wie die Schweiz oder Spanien, beschränkten sich darauf, in den letzten Kriegstagen vor der deutschen Kapitulation am 08.05.1945 ihre diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich abzubrechen. Direkt oder indirekt waren über 60 Staaten am Krieg beteiligt, über 110 Millionen Menschen standen unter Waffen.
  • Territoriale Ausdehnung: Europa, Asien, Pazifik, Atlantik- und U-Bootkrieg
  • Opfer: Wie nie zuvor wurde die Zivilbevölkerung Ziel und Opfer des Krieges. Seit 1941 trieb das nationalsozialistische Deutschland die Vernichtung von rund 6 Millionen Juden in den Konzentrationslagern voran. Am Ende waren 60 Millionen Menschen tot, Städte und Landschaften zerbombt. Zehn bis zwölf Millionen Deutsche wurden zum Kriegsende aus Osteuropa evakuiert, flohen in Trecks, wurden deportiert oder aus-gewiesen.
!Kriegsziele

  • Vier Tage nach seiner Ernennung zum Reichskanzler sprach Adolf Hitler am 03.02.1933 vor Militärs über die Eroberung von „Lebensraum im Osten“. Doch versteckte er die Expansions- und Lebensraumpläne, die Vernichtung von an-geblichen „Rassefeinden“ zunächst hinter der Fortsetzung der Weimarer Revisionspolitik bzgl. des Versailler Vertragssystems von 1919:
    • Veränderung der deutschen Grenzen
    • Wiederherstellung deutscher Großmachtpositionen
    • koloniale Rückeroberung
    • Ziel: zurück zur wirtschaftlichen und militärischen Großmacht.
  • ungestrafte Maßnahmen bis Kriegsbeginn:
    • Austritt aus dem Völkerbund (1933)
    • Verstoß gegen die Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrages
    • Besetzung des entmilitarisierten Rhein-lands (1936)
    • „Anschluss“ Österreichs (1938)
    • Eingliederung des Sudetengebiets (1938)
    • Einmarsch in die Tschechoslowakei (1939)
    • Abschluss eines Nichtangriffspakts mit der Sowjetunion mit geheimer Zusatzvereinbarung zur Aufteilung Polens (1939).
  • Ziele der Militärs: Erhaltung bedrohter sozialer Macht- und Einflusspositionen, Aufrüstung, großdeutsche Expansion
  • Ziele der Wirtschaft: ökonomische Aufwärts-entwicklung und Gewinnsteigerung durch Rüstungsprogramme, Erweiterung des deutschen Wirtschaftsraumes nach Südost- und Osteuropa
!Kriegsbeginn

  • Nur 21 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begann mit dem Überfall deutscher Truppen auf Polen am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. „Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!“ – so Adolf Hitler im Berliner Reichstag am Vormittag des 01.09.1939.
  • Hitler gab den Angriff als Verteidigungsaktion aus; angeblich hatten Polen den Sender Gleiwitz überfallen. Frankreich und Großbritannien forderten den Rückzug der deutschen Soldaten binnen zwei Tagen. Hitler ließ das Ultimatum verstreichen. Es folgte die britische und französische Kriegserklärung vom 03.09. Einige Tage später schlossen sich die Commonwealth-Staaten Australien, Indien und Neuseeland, die Südafrikanische Union und Kanada der britischen Kriegserklärung an.
!Verlauf

  • Nach dem „Blitzkrieg“ gegen Polen folgten die Ausbeutung und „Germanisierung“ des Landes. Schon am 22. August 1939 hatte Hitler als Ziel des Feldzuges die Vernichtung Polens genannt.
    • Ende Oktober 1939: Beginn der „Rassen- und Volkstumspolitik“, Deportationen der jüdischen Bevölkerung
    • Ausbeutung: Arbeitskräfte, Nahrungsmittel, Rohstoffe und Maschinen wurden ins Deutsche Reich gebracht, um die deutsche Kriegswirtschaft zu unterstützen.
  • 09.04.1940: Überfall auf die neutralen Länder Dänemark und Norwegen
  • 10.05.1940: Beginn der Offensive im Westen, nach nur sechs Wochen Zusammenbruch Frankreichs, Beginn der Besatzung
  • 05.08.1940: Beginn der Luftangriffe auf Eng-land. Es folgte die erste Niederlage für Hitler: Am 17.09. musste unter dem Eindruck der steigenden Verluste der deutschen Luftwaffe die Landung „bis auf weiteres“ verschoben werden
  • Ausweitung des Krieges nach Osten:
    • 31.07.1940: Hitler sprach vor seinen Generälen von der „Vernichtung der Lebenskraft Russlands“.
    • März 1941: „Dieser kommende Feldzug ist mehr als nur ein Kampf der Waffen; er führt auch zur Auseinandersetzung zweier Weltanschauungen.“ („Unternehmen Barbarossa“)
    • Ziele: Zerschlagung der UdSSR, Beseitigung der „jüdisch-bolschewistischen Intelligenz“, Eroberung von „Lebensraum“, Ausbeutung der eroberten Gebiete und der dort lebenden Menschen. Der Osten sollte das Deutsche Reich mit Nahrungsmitteln versorgen und „arisch“ besiedelt werden.
    • Der Krieg im Osten radikalisierte den Zweiten Weltkrieg. Er war ein rassenideologischer Raub- und Vernichtungskrieg.
    • April/Mai 1941: Feldzüge gegen Jugoslawien und Griechenland (zur Entlastung Italiens)
    • 22.06.1941: Überfall der deutschen Wehr-macht auf die Sowjetunion mit 3 Millionen Soldaten. Geplant als weiterer „Blitzfeldzug“ reichten die Waffen und Geräte nur für drei Monate, der Munitionsvorrat nur für zwölf Monate. Vor Einbruch des Winters sollte der Feldzug beendet sein. Anfängliche Raumgewinne endeten jedoch im Oktober/November vor Moskau.
  • Sommer 1941: Beschluss des Völkermords an den Juden („Endlösung“), Deportation, Ermordung in Vernichtungslagern.
  • Globaler Krieg:
    • 07.12.1941: Angriff japanischer Truppen auf Pearl Harbor
    • 11.12.1941: Kriegserklärung Hitlers an die USA. Damit gab Hitler zu erkennen, dass er trotz des Scheiterns im Osten nicht gewillt war, eine politische Lösung herbeizuführen.
  • Systematisierung des Völkermords an den Juden: Nach der „Wannsee-Konferenz“ am 20.01.1942 setzte der NS-Staat alle Mittel ein, um den Völkermord europaweit durchzu-führen.
  • Sommeroffensive 1942: Wehrmacht am Schwarzen Meer und im Kaukasus. Die Siege führten zu einer Überschätzung der Kräfte. Die Grenzen der militärischen und kriegswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wa-ren erreicht.
  • Herbst 1942 – Wendepunkt des Krieges:
    • Nov: Gegenoffensive der Roten Armee bei Stalingrad
    • Der britische General Bernhard Montgomery brach durch die deutsch-italienischen Stellungen bei El Alamein in Nordafrika.
    • Am 07./08.11. waren englische und amerikanische Truppen an den Küsten Nordafrikas gelandet.
    • Januar/Februar 1943: Fall von Stalingrad
    • Januar 1943: Konferenz von Casablanca: Die Anti-Hitler-Koalition fordert die „bedingungslose Kapitulation“ Deutschlands. Mit der Entscheidung, zunächst Deutschland niederzuwerfen, rückte der europäische Kontinent wieder in den Blickpunkt des globalen Geschehens.
    • 18.02.1943: Propagandaminister Joseph Goebbels ruft zum „Totalen Krieg“ auf
    • Heimatfront: Verstärkung der alliierten Flächenbombardements auf dt. Städte
    • Südfront: Kapitulation der deutschen und italienischen Verbände in Afrika bzw. der Landung der Alliierten in Italien im Sommer 1943. 25.07.1943: Absetzung Mussolinis.
    • Ostfront: Im August 1944 waren die deutschen Truppen auf die Ausgangsstellung von 1941 zurückgedrängt.
    • Westfront: 06.06.1944 Landung der Westalliierten in der Normandie, Befreiung Frankreichs im Spätsommer/Herbst 1944
    • Okt. 1944:Eroberung Aachens als erster deutscher Großstadt
    • Januar 1945: sowjetische Winteroffensive an der gesamten Ostfront zwischen Memel und Karpaten
    • Wintermonate 1944/45: Beginn der Massenflucht der deutschen Zivilbevölkerung aus Ost- und Westpreußen, aus Pommern und Schlesien
  • 30.04.1945: Selbstmord Adolf Hitlers
  • 08./09.05.1945: bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Reims und Karlshorst
  • 06./09.08.1945: Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki durch die USA, um den Krieg mit Japan zu beenden
!Ergebnis

  • Die industrielle Kriegsführung des Ersten Weltkriegs wurde perfektioniert. Neue Entwicklungen in der Rüstungsindustrie ermöglichten einen flächendeckenden Luftkrieg und die Bombardierung von Großstädten. Nicht nur die Soldaten, auch die Zivilbevölkerung wurde gezielt als Opfer aus-gewählt.
  • Neue Weltordnung:
    • Untergang der zwölfjährigen NS-Herrschaft; statt „neuen Lebensraum im Osten“ zu erschließen, wurden große Teile deutscher Gebiete im Osten unter polnische Verwaltung gestellt. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen geteilt.
    • Deutschland, Italien und Japan schieden aus dem Kreis der militärischen Großmächte aus.
    • Die Kolonialreiche der westeuropäischen Staaten (Frankreich, Niederlande, Großbritannien) zerfielen.
    • Europa und die Welt waren in zwei Lager geteilt – der Ost-West-Konflikt war bis fast zum Ende des 20. Jahrhunderts das bestimmende Strukturmerkmal der Weltpolitik.
  • Millionen Flüchtlinge, Ausgebombte und Kriegswaisen suchten eine neue Heimat
  • zerstörte Dörfer, Städte, Infrastrukturen und Versorgungseinrichtungen; Wohnraummangel, Versorgungsschwierigkeiten sowie Seuchen und Hungersnöte
!8. Mai 1945 – zwischen Befreiung und Zusammenbruch

Wie gingen die Deutschen mit dem 8. Mai und der an ihn gebundenen Aufarbeitung des Nationalsozialismus um? Auf der Seite der Alliierten Russland, Großbritannien und Frankreich haben sich jährliche Gedenkfeiern ausgebildet. Doch wie positionieren sich die Verlierer zwischen nationaler Niederlage und politischem Neuanfang?

Anders als nach dem Ersten Weltkrieg stellte sich die Schuldfrage beim Zweiten Weltkrieg nicht. Die Aggressionspolitik Hitlers war eindeutig. Die militärischen Kriegshandlungen des Zweiten Weltkriegs – mit Ausnahme Stalingrads – waren nicht Teil der öffentlichen Diskussion. Die Erinnerung konzentrierte sich auf die Auswirkungen des Bombenkriegs, die zerstörten Städte, Flucht und Vertreibung, Kriegsgefangene. Die historische Aufarbeitung fragte nach den Ursachen und Verantwortlichen für das nationalsozialistische Regime. Insbesondere die „Machtergreifung“ am 30. Januar 1933 und der Untergang der Weimarer Republik standen am Anfang der Zeitgeschichtsforschung in den 1950er Jahren.

Der Massenmord an den europäischen Juden erlangte erst in den 1960er Jahren öffentliche Aufmerksamkeit. Der Ulmer Einsatzgruppen-Prozess (1958) und die Frankfurter Auschwitz-Prozesse (1963–1968) boten einer jüngeren Generation den Anlass, die „unbewältigte Vergangenheit“ nach Mitläufern, Mitwissern und Verantwortlichen zu hinterfragen. Spätestens mit der Ausstrahlung der amerikanischen Fernsehserie „Holocaust“ Ende 1979 brannten sich die Bilder der Verbrechen in die Gedächtnisse ein. Die abstrakten Todeszahlen bekamen Gesichter. Die Geschichte des Nationalsozialismus war seit den 1980er Jahren fast vollständig identisch mit der Geschichte der Judenvernichtung.

40 Jahre nach Kriegsende, am 8. Mai 1985, beantwortete Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Frage nach der Bewertung des Kriegsendes: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. (…) Es gab keine ‚Stunde Null‘, aber wir hatten die Chance zu einem Neubeginn. Wir haben sie genutzt, so gut wir konnten. An die Stelle der Unfreiheit haben wir die demokratische Freiheit gesetzt. (…) wir dürfen uns der Entwicklung dieser vierzig Jahre dankbar erinnern, wenn wir das eigene historische Gedächtnis als Leitlinie für unser Verhalten in der Gegenwart und für die ungelösten Aufgaben, die auf uns warten, nutzen.“ Weizsäcker vergaß nicht das Leid, das für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begann, verortete die Ursachen für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit jedoch ganz klar am 30. Januar 1933. Mit dieser Sichtweise hatte die historisch-politische Kultur der Bundesrepublik einen Paradigmenwechsel vollzogen. Die Verantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen wurde Teil der deutschen Erinnerungskultur und des historischen Selbstverständnisses. Am 3. Januar 1996 legte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar, den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ fest.

Der in den 1980/90er Jahren erreichte Deutungskonsens ermöglichte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem neuen Blick nach Osten eine erneute Zuwendung zur deutschen Opfererinnerung, zur Geschichte der Bombenopfer, Flüchtlinge, Vertriebenen, Kriegskinder – ohne Schuldaufrechnung oder Relativierung, aber doch mit Respekt vor jedem individuellen Schicksal. Hierfür stehen u.a. Günter Grass‘ Novelle „Im Krebsgang“ über die Schiffskatastrophe der „Wilhelm Gustloff“ und Jörg Friedrichs Buch „Der Brand“ über den Luftkrieg gegen Deutschland. Auch das Zentrum gegen Vertreibungen ermöglicht – bei aller Kritik und aller internationalen Herangehensweise – die Erinnerung an das Leid von 15 Millionen vertriebenen Deutschen. Viele biographische Kapitel fanden – nicht zuletzt mit Reisen in die alte Heimat – einen versöhnlichen Abschluss. Dass die Schatten der Vergangenheit weiterhin verantwortungsbewusste politische Diskussionen herbeiführen, zeigt die Schaffung eines „Ehrenkreuzes der Bundeswehr für Tapferkeit“, das im Juli 2009 im Rahmen des Afghanistan-Einsatzes zum ersten Mal verliehen wurde. Der Ordenskult des Dritten Reiches darf nicht die Anerkennung der für die Bundeswehr gefährlicher gewordenen Einsätze schmälern.