Eugen Kogon

Publizist, Herausgeber, ordentlicher Professor Dr. rer. pol. 2. Februar 1903 München 24. Dezember 1987
von Hans-Otto Kleinmann

Erzogen in Schulen der Benediktiner und Dominikaner, neigte Kogon anfänglich Gesellschaftskonzepten einer naturrechtlich begründeten organischen und solidarischen Gemeinschaftsordnung zu. Zeitweise sympathisierte er mit der Idee eines „christlichen Ständestaats“. Im KZ Buchenwald wandelte er sich zum „Linkskatholiken“, der für einen freiheitlichen, christlich verantwortbaren Sozialismus eintrat. In der ersten Nachkriegszeit warb er als Mitautor der „Frankfurter Leitsätze“ der CDU für die Zusammenführung von christlichen und sozialistischen Kräften. Seine Verdienste um die Organisation der europäischen Bewegung in der frühen Bundesrepublik machen ihn zu einem Pionier der Einigung Europas. Die nachhaltigste Wirkung erzielte er durch sein Buch „Der SS-Staat“. Mit diesem präzisen Zeugnis nationalsozialistischer Barbarei wollte Kogon die Deutschen auf den Weg zu Selbsterkenntnis, politischer Einsicht und Gesinnungswandel führen helfen. Als Herausgeber der „Frankfurter Hefte“ und als gefragter zeitkritischer Autor war Kogon einer der Wortführer der intellektuellen Opposition gegen die Politik der unionsgeführten Regierungen in den 1950er und 1960er Jahren. In der deutschen Universitätsgeschichte gilt Kogon als einer der Begründer der Politikwissenschaft als eigenständigen Disziplin mit gesellschaftskritischer Funktion.

Lebenslauf

  • 1922–1928 Studium der Nationalökonomie und Soziologie in München, Florenz und Wien
  • 1928 Promotion bei Othmar Spann
  • 1927–1933 Redakteur bei der Wiener Zeitschrift „Schönere Zukunft“
  • 1933–1938 Treuhändertätigkeit für die Coburgsche Privatbank
  • 1938 Verhaftung durch die Gestapo
  • 1939–1945 Konzentrationslager Buchenwald
  • 1945 Mitgründer der CDU in Frankfurt/Main
  • 1946–1984 Mitherausgeber der „Frankfurter Hefte“
  • 1949–1953 Präsident der Europa-Union
  • 1951–1953 des Zentralkomitees der Union Européenne des Fédéralistes
  • 1951–1968 Professor für wissenschaftliche Politik an der TH Darmstadt
  • 1963-64 Leiter der Fernsehsendung „Panorama“ des NDR.

Veröffentlichungen

  • M. Kogon/G. Erb (Hg.): Gesammelte Schriften, 8 Bde. (1995–2000)
  • Der SS-Staat. Das System der dt. Konzentrationslager (1946; 35. Aufl. 1998)
  • Die Stunde der Ingenieure. Technologische Intelligenz und Politik (2. Aufl. 1976)

Literatur

  • H.-O. Kleinmann, in: ZGiLB 9 (1999)