Helene Wessel

Diplom-Wohlfahrtspflegerin, Vorsitzende der Deutschen Zentrumspartei 6. Juli 1898 Dortmund 13. Oktober 1969 Bonn

Helene Wessels politisches Handeln speiste sich aus ihrem katholischen Glauben. Nachdem sie vor Ort die politische Arbeit und die sozialen Probleme der katholischen Arbeiterschaft kennen gelernt hatte, setzte sie sich in der Nachkriegszeit vor allen Dingen für eine sozial gerechte Gesellschaft ein. Als Partei- und Fraktionsvorsitzende der Deutschen Zentrumspartei war Wessel im ersten Deutschen Bundestag nicht nur in der Wirtschafts- und Sozialpolitik eine namhafte Kontrahentin der Adenauerschen Regierungspolitik. Ihre Ablehnung der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik führte – gemeinsam mit Gustav Heinemann – zur Gründung der GVP. Nach deren Scheitern bei der Bundestagswahl 1953 trat Wessel 1957 in die SPD ein, für die sie bis zu ihrem Tode im Deutschen Bundestag saß. Ihr Engagement gegen die Wiederbewaffnung und später gegen die Atombewaffnung, ihr Eintreten für Verständigung mit dem Osten und für eine aktive Friedenspolitik zeigten eine – wenn auch nicht mehrheitsfähige – Alternative zur herrschenden Politik auf und machten Wessel in der Zeit des Kalten Krieges zu einer der bedeutendsten Politikerinnen. Sie war die erste Frau an der Spitze einer deutschen Partei.

Bestand: AdsD.

Elisabeth Friese

Lebenslauf

  • Kaufmännische Lehre und Handelsschule, danach Ausbildung zur Diplom-Wohlfahrtspflegerin in Münster und Berlin
  • 1917–1933 hauptamtliche Parteisekretärin des Zentrums in Dortmund
  • 1928–1933 MdL Preußen
  • 1945 Mitgründerin der Deutschen Zentrumspartei (DZP)
  • 1946–1950 MdL Nordrhein-Westfalen
  • 1948-49 Mitglied des Parlamentarischen Rats
  • 1949–1951 Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag
  • 1949–1952 Parteivorsitzende
  • 1953–1957 im Vorstand der Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP)
  • 1957–1969 MdB (SPD)

Literatur

  • E. Friese: Helene Wessel (1898–1969) - Von der Zentrumspartei zur Sozialdemokratie (1993)
  • Dies., in: ZGiLB 8 (1997)