Josef Ersing

Gewerkschaftssekretär, Reichs- und Landtagsabgeordneter 4. Februar 1886 Ochsenhausen/Oberamt Biberach 5. August 1956 Rottenmünster/Rottweil
von Frank Raberg

1933 wurde Ersing aus allen Ämtern vertrieben und lebte seitdem als Rentner in Karlsruhe. Aufgrund seiner Verbindungen zum Widerstandskreis um Carl Goerdeler und Jakob Kaiser wurde Ersing 1944 ins KZ Ravensbrück verschleppt. Ende April 1945 erfolgte seine Befreiung. Ersing, der zu den maßgeblichen christlichen Gewerkschaftern zählte, wirkte an der Gründung der CDU in Berlin mit und lenkte im Sommer 1945 die Gespräche zwischen früheren Anhängern des Zentrums, des Bauernbunds und der Christlich-Sozialen Volkspartei in Stuttgart erfolgreich in Richtung interkonfessionelle Volkspartei (Interkonfessionalität). Die am 25. September 1945 gegründete Christlich-Soziale Volkspartei (CSVP bzw. seit Januar 1946 CDU) in Nordwürttemberg ist maßgeblich sein Werk (bis 1950 Mitglied des Landesvorstands, seit 1947 stellvertretender Landesvorsitzender). 1946 wirkte Ersing bestimmend am demokratischen und parlamentarischen Neubeginn in Württemberg-Baden mit, 1946 als Mitglied der Vorläufigen Volksvertretung und der Verfassunggebenden Landesversammlung.

Lebenslauf

  • 1896–1899 Schreinerlehre, bis 1906 als Schreiner tätig
  • 1902–1904 Militärdienst in Metz
  • 1914–1917 als Unteroffizier Teilnahme am 1. Weltkrieg
  • 1906–1911 Bezirksleiter des Zentralverbandes Christlicher Holzarbeiter Deutschlands in Mannheim und Frankfurt/Main
  • seit 1911 Sekretär des Gesamtverbandes Christlicher Gewerkschaften für Südwestdeutschland in Karlsruhe
  • 1919-20 Mitglied der Deutschen Nationalversammlung (Zentrum)
  • 1920–1933 Mitglied des Reichstages
  • seit Dezember 1929 Beisitzer im Fraktionsvorstand, seit Februar 1931 stellvertretender Fraktionsvorsitzender
  • 1946–1950 MdL Württemberg-Baden (CDU).

Literatur

  • R. Reinhardt, in: Badische Biographien, 2 (1987)