Julius Bachem

Jurist, Journalist Dr. h. c. 2. Juli 1845 Mülheim/Ruhr 22. Januar 1918 Köln

In harmonischer Doppelverantwortung brachten Bachem und Hermann Cardauns ab 1876 die „Kölnische Volkszeitung“ zu einem der führenden Zentrumsblätter empor. Bachem übernahm den innenpolitischen Teil und behandelte vorwiegend staats- und sozialpolitische Themen. Die Anfänge der Zentrumsfraktionen im Reichstag und Preußischen Abgeordnetenhaus seit 1871, insbesondere 1877 den Antrag des Grafen Ferdinand von Galen wegen umfassender Schutzgesetzgebung für industrielle Arbeiter, begleitete er mit maßgebenden Artikeln. Auf Bitten Ludwig Windthorsts arbeitete er 1884 in dem Buch „Preußen und die katholische Kirche“ den Streitkomplex von der Reformation an auf. Als Mitgründer der „Görres-Gesellschaft“ 1875-76 half Bachem 1877 beim Entwurf für das „Staatslexikon“ mit, brachte 1896 den letzten Band heraus, betreute eine neubearbeitete 2. sowie eine vollständig geänderte 3. und 4. Auflage. 1878 vereinte er mit Heinrich Otto, Krefeld, Verleger und Redakteure der vielen im Kulturkampf aufgekommenen Zentrumszeitungen im „Augustinus-Verein zur Pflege der katholischen Presse“. Ohne als Anwalt regelmäßig tätig zu sein, obsiegte er in mehreren aufsehenerregenden kirchenpolitischen Prozessen. Als juristischer Theoretiker schrieb er 1894 über „Bedingte Begnadigung“ bei kurzen Freiheitsstrafen und 1896 für ein „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“. Aufgerüttelt hatte er 1897 zusammen mit Wilhelm Hankamer mit der Schrift „Die Parität in Preußen“, die mit erdrückenden Statistiken die Zurücksetzung der Katholiken im öffentlichen Leben bewies. Sein Aufsatz „Wir müssen aus dem Turm heraus“ in den „Historisch-politischen Blättern“ 1906, der den nichtkonfessionellen, politischen Charakter der Zentrumspartei postulierte, löste den erbitterten Streit mit den konfessionell festgelegten „Integralisten“ (Berliner Richtung) gegen die „Modernisten“ (Kölner Richtung) aus. Parteierklärungen von 1909 und 1914 entschieden im Sinne Bachems. Sein stetes Bemühen um Verständigung zwischen Katholiken und protestantischem Staat summierte er 1915 in dem Werk „Zur Jahrhundertfeier der Vereinigung der Rheinlande und Preußen“. Verbittert über die maßlosen Kriegszielforderungen, die die Verleger der „Kölnischen Volkszeitung“ aufzwangen, trat er 1915 aus deren Redaktion aus. Bleibende Bedeutung hat Bachem für die politische Theorie einer christlichen Partei; er verstand sie als geradlinige Fortsetzung der Auffassungen von Ludwig Windthorst.

Hugo Stehkämper

Lebenslauf

  • 1864-65–1869 Studium erst neuerer Sprachen und Naturwissenschaften, sodann Jura in Bonn und Berlin
  • 1873 Rechtsanwalt
  • 1868–1915 nach Lehre Redakteur der „Kölnischen Volkszeitung“
  • 1875–1890 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Köln
  • 1876–1891 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses (Zentrum).

Literatur

  • H. Stehkämper, in: ZGiLB 1 (1973)
  • M. L. Anderson, Konfessionalität und Interkonfessionalismus im politischen Katholizismus 1890–1918, in: W. Becker/R. Morsey (Hg.), Christliche Demokratie und Europa (1988)

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