Konstantin Fehrenbach

Jurist, Präsident des Reichstags, Reichskanzler 11. Januar 1852 Wellendingen/Bonndorf 26. März 1926

Als typischer Honoratiorenpolitiker steuerte Fehrenbach im badischen Landtag (seit 1903 Fraktionsvorsitzender) einen erfolglosen Kompromisskurs. Er spielte eine prominente Rolle bei der Zabern-Debatte im Reichstag 1913, wo er in der Verfassungskrise des Reichs das „finis Germaniae“ voraussagte, wenn das Militär „ex lex“ gestellt werde. Allerdings blieb er ein Verfechter der traditionellen „Regierung über und neben den Parteien“ unter Ablehnung einer Parlamentarisierung und bei grundsätzlicher Bejahung der wilhelminischen „Weltpolitik“. In der Revolution von 1918-19 beteiligte er sich als letzter Präsident des kaiserlichen Reichstags erfolgreich an den Versuchen, die politische Kontinuität zu wahren. Fehrenbach war ein scharfer Kritiker des Versailler Vertrags. Er stand als vierter Kanzler der Weimarer Republik einem Kabinett aus Vertretern ausschließlich bürgerlicher Parteien bzw. von parteilosen Ministern vor. Er trat zurück, als eine Unterstützung durch die USA in der Reparationsfrage ausblieb und die DVP Gustav Stresemanns an die Macht drängte. Im Fraktionsvorsitz (seit 1923) war Fehrenbach den Integrationsaufgaben in der Zentrumspartei nicht gewachsen.

Bestand: Generallandesarchiv Karlsruhe.

Josef Becker

Lebenslauf

  • 1871–1879 Theologie- und Jurastudium in Freiburg/Breisgau
  • seit 1882 Anwaltspraxis in Freiburg
  • 1885–1887 und 1901–1913 MdL Baden (Zentrum)
  • 1903–1926 Mitglied des Reichstages
  • 1907 Präsident des Würzburger Katholikentags
  • 1920 Ehrenvorsitzender des Zentrums
  • 27.06.1920–10.05.1921 Reichskanzler
  • 1923–1926 Vorsitzender der Reichstagsfraktion des Zentrums.

Literatur

  • J. Becker, in: ZGiLB 1 (1973)
  • P. Wulf, in: W. v. Sternburg (Hg.), Die deutschen Kanzler von Bismarck bis Schmidt (1985)