Leo Herwegen

Bergingenieur, Landesvorsitzender, Minister Dr.-Ing. 25. Februar 1886 Köln 9. Mai 1972 Bad Honnef
von Andreas Grau

Leo Wilhelm Herwegen wurde am 25. Februar 1886 in Köln geboren. Sein Vater war Gymnasiallehrer in der Domstadt. Nach dem Besuch der Volksschule und des Realgymnasiums in Köln studierte Herwegen ab 1905 Bergingenieurwesens zunächst in Clausthal und später in Aachen. Dort beendete er auch 1909 sein Studium als Diplom-Bergbauingenieur. Bis zu seiner Promotion 1911 blieb Herwegen als Assistent an der TH Aachen. Im gleichen Jahr heiratete er Maria Koch. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.

Sein Berufsleben begann Herwegen als Berater bei einem Bergbauunternehmen in Frankfurt am Main. Geschäftsreisen führten ihn durch ganz Europa, insbesondere nach Großbritannien. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er wegen eines chronischen Ohrenleidens vom Militärdienst befreit. Von den Militärbehörden wurde er jedoch 1915 zu den Riebeck´schen Montanwerken nach Halle geschickt. Nach dem Krieg blieb Herwegen in Halle und trat dort 1919 ins Zentrum ein. Schon bald gehörte er dem Parteivorstand für die Provinz Sachsen an. Außerdem war er von 1919-1933 Mitglied des Provinzial-Landtages und von 1931-1933 zugleich Mitglied des Provinzialausschusses. Den Nationalsozialismus lehnte Herwegen, der ab 1927 als Abteilungsleiter in der Verwaltung der Bergwerke des IG Farben-Konzerns tätig war, von Anfang an ab. Nach 1933 enthielt er sich deshalb jeder öffentlichen Betätigung. Trotzdem wurde er nach dem Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 kurzzeitig verhaftet.

Im Juli 1945 gehörte Leo Herwegen in der Provinz Sachsen zu den Mitgründern der CDU, deren 1. Vorsitzender er von 1945-1948 war. Außerdem übte er von 1945-1947 das Amt des 4. stellvertretenden Vorsitzenden der CDU in der SBZ aus. Als Präsidialdirektor übernahm er im September 1945 die Leitung des Amtes für Brennstoffindustrie und Energiewirtschaft in der Provinzverwaltung Sachsen. Anläßlich der Bildung einer Landesregierung unter Ministerpräsident Erhard Hübener wurde Herwegen im Dezember 1946 zum Minister für Arbeit und Sozialpolitik ernannt. Bei der ersten Landtagswahl am 20. Oktober 1946 zog er außerdem für die CDU in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein. Zusätzlich war er 1948/49 noch Mitglied des Deutschen Volksrates und ab Oktober 1949 Abgeordneter der Provisorischen Volkskammer der DDR.

Im November 1949 wurde Leo Herwegen verhaftet und wenig später aller Ämter enthoben. In einem Schauprozeß vor dem Obersten Gerichtshof der DDR unter Vorsitz von Hilde Benjamin in Dessau wurde er im April 1950 zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Gericht befand ihn der „Sabotage bei der Sozialisierung“ für schuldig, weil er im Zusammenhang mit der Verstaatlichung der Deutschen Continental Gas-Gesellschaft 1946 der Übertragung von Vermögenswerten an Tochtergesellschaften in den Westzonen zugestimmt hatte. Herwegens Verurteilung ist im Zusammenhang mit dem Vorgehen der SED gegen kritische `bürgerliche´ Politiker nach der DDR-Gründung zu sehen. Er blieb bis 1956 in Haft. Bald nach seiner Entlassung gelang ihm die Flucht in die Bundesrepublik Deutschland. Zurückgezogen lebte er danach in Bad Honnef, wo er am 9. Mai 1972 starb.

Lebenslauf

  • Studium der Bergwissenschaften
  • 1911 Promotion
  • 1913–1944 leitende Funktionen in Bergbaubetrieben
  • seit 1919 Mitglied, später Vorsitzender des Zentrums in der Provinz Sachsen, zugleich MdL
  • 1944 wegen des Verdachts der Beteiligung am Attentat auf Hitler verhaftet
  • 1945-46 Leiter des Amtes für Brennstoffindustrie und Energiewirtschaft in der Provinzialverwaltung Sachsen
  • 1945 Mitgründer und bis Mai 1948 Vorsitzender der CDU in der Provinz Sachsen bzw. im Landesverband Sachsen-Anhalt, danach stellvertretender Vorsitzender
  • 1945–1947 4. stellvertretender Vorsitzender der CDU in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)
  • 1946–1949 MdL Sachsen-Anhalt
  • seit Dezember 1946 zugleich Minister für Arbeit und Sozialpolitik
  • 1948-49 Mitglied des Volksrates
  • 1949 Abgeordneter der Provisorischen Volkskammer
  • Oktober 1949 verhaftet und wenig später aller Ämter enthoben

Literatur

  • F.-J. Kos: Politische Justiz in der DDR. Der Dessauer Schauprozeß vom April 1950, in: VfZ 44 (1996)

Kontakt

Dr. Andreas Grau

Dr

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Andreas.Grau@kas.de +49 2241 246-2270 +49 2241 246-2669