Walther Leisler Kiep

Wirtschaftsmanager, Politiker 5. Januar 1926 Hamburg 9. Mai 2016
von Günter Buchstab

Bekannt geworden ist Kiep, der einer nationalliberalen Familie entstammt, während der Kontroversen um die Ost- und Deutschlandpolitik Willy Brandts, als er abweichend von der Mehrheitsmeinung in seiner Fraktion den Annäherungs- und Entspannungskurs der SPD-FDP-Regierung stützte. Frühzeitig engagierte er sich – aus Passion für die Außenpolitik – auch in den deutsch-amerikanischen Beziehungen, die er als Vorsitzender der privaten Atlantik-Brücke in schwierigen Phasen besonders pflegte. Sein Bundestagsmandat gab er auf, als er zum Finanzminister von Niedersachsen bestellt wurde. Seine Spitzenkandidatur bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg 1981-82 scheiterte trotz eines Rekordergebnisses für die CDU, da die FDP unter 5% blieb. Mitte der 1980er Jahre geriet der Bundesschatzmeister wegen illegaler Praktiken bei der Parteienfinanzierung in die Schlagzeilen. Seine Verurteilung wegen Steuerhinterziehung hob der Bundesgerichtshof 1992 auf. Ende 1999 rückte er erneut ins Rampenlicht. Ein Haftbefehl gegen ihn brachte die CDU-Spendenaffäre ins Rollen. 2004 wurde er rechtskräftig verurteilt. Der weltläufige Kiep war durch seine Tätigkeit in einem Versicherungsunternehmen stets finanziell unabhängig; die große politische Karriere in der CDU blieb ihm versagt.

Lebenslauf

  • 1943 Abitur
  • 1944 Eintritt in die NSDAP
  • Studium der Geschichte und Volkswirtschaft (ohne Abschluss), kaufmännische Lehre
  • 1961 Eintritt in die CDU
  • 1965–1976 und 1980–1982 MdB
  • 1967–1976 Schatzmeister des CDU-Landesverbands Hessen
  • 1976–1980 Finanzminister und 1978–1980 MdL Niedersachsen
  • 1971–1992 Bundesschatzmeister der CDU
  • 1984–2000 Vorsitzender des Vereins Atlantik-Brücke
  • seit 2004 Ehrenvorsitzender des Vereins Atlantik-Brücke

Veröffentlichungen

  • Was bleibt ist große Zuversicht. Erfahrungen eines Unabhängigen. Ein politisches Tagebuch (1999)
  • Brücken meines Lebens. Die Erinnerungen (2006)