Wilhelm Johnen

Rechtsanwalt und Notar, Landtagspräsident 19. Mai 1902 Inden/Kreis Jülich 28. März 1980 Jülich
von Ludger Gruber

Johnen gehörte bis 1933 dem Zentrum an. 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet und danach dienstverpflichtet. Nach dem Krieg trat er in die CDU mit dem politischen Willen ein, die konfessionellen Schranken des Zentrums zu überwinden. Er war als Inhaber zahlreicher Ämter und Mandate kommunal-, regional- und landespolitisch fast „omnipräsent". 1950 übernahm er nach Josef Schrage den Vorsitz der CDU-Landtagsfraktion. Über eine breite parteipolitische Verankerung auf Kommunalebene erlangte Johnen 1951 als Nachfolger Konrad Adenauers den Vorsitz der CDU Rheinland. Die Wahl Franz Meyers' im Jahre 1958 zum Ministerpräsidenten leitete für Johnen den politischen Niedergang ein. 1963 verzichtete er wegen erheblicher Widerstände auf die erneute Kandidatur für den Vorsitz der CDU Rheinland. Im April 1966 trat er nach einer persönlichen Verfehlung von seinem Amt als Landtagspräsident zurück. Dieses politische Ende schmälert nicht seine herausragende Leistung als Politiker für den Wiederaufbau der am stärksten zerstörten Region Europas. Als „Herzog von Jülich“ war Johnen hochverehrt. Zeitzeugen rühmen seine Meisterschaft im Ausgleich von Interessen und in der taktischen Koordinierung der CDU-Landtagsfraktion mit der CDU-Landesregierung. Er galt als „Königsmacher“ der CDU-geführten Landesregierungen. Johnen, in seinem Politikstil Konrad Adenauer gleichend, gehörte zu dessen engen Vertrauten.

Bestand: HStA Düsseldorf.

Lebenslauf

  • 1931–1945 Rechtsanwalt beim Amtsgericht Jülich und beim Landgericht Aachen
  • seit 1945 Notar in Jülich
  • 1945 CDU, seit Oktober 1946 Landrat des Kreises Jülich
  • 1947–1966 MdL Nordrhein-Westfalen
  • 1950–1959 Fraktionsvorsitzender
  • 1959–1966 Landtagspräsident
  • 1951–1963 Vorsitzender des CDU-Landesverbandes Rheinland.