Will Rasner

Journalist, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Hauptmann der Reserve, evangelisch 14. Juni 1920 Spellen 15. Oktober 1971 Bonn
von Michael Hansmann
„Herrn Rasner zu ersetzen ist nicht möglich“, so Olaf von Wrangel an den Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Rainer Barzel. Nach dem Tode Will Rasners mussten seine vielfältigen Aufgaben als Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion neu verteilt werden. Seit seiner Berufung zum Parlamentarischen Geschäftsführer 1955 bis zu seinem frühen Tod am 15. Oktober 1971 arbeitete er unermüdlich im Dienste der Fraktion.

Jugend und Weltkrieg

Will Rasner wurde am 14. Juni 1920 in Spellen, heute Teil der Stadt Voerde, im Kreis Wesel geboren. Seine Jugend- und Schulzeit verbrachte er in Berlin, Hamburg, Hannover und Bremen, wo er 1939 sein Abitur am Alten Gymnasium ablegte.

Anschließend musste er im Reichsarbeitsdienst dienen, an den sich der Wehrdienst anschloss. Rasner, ausgebildet u.a. in einer Nebelwerfer-Einheit (Raketenartillerie), wurde bis Kriegsende in höheren Stäben der Wehrmacht eingesetzt. Sein letzter Dienstrang war der eines Oberleutnants der Reserve. Ausgezeichnet wurde er mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse. Mit Kriegsende geriet Rasner kurzzeitig in britische Gefangenschaft.

Berufseinstieg als Journalist

Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft fand er seine Heimat in Schleswig-Holstein. Dort entschied sich Rasner für den Beruf des Journalisten. Seit 1945 arbeitete er für das Flensburger Tageblatt und wurde dort bereits 1946 stellvertretender Chefredakteur. In dieser Funktion widmete er sich auch dem Aufbau der Verbandsarbeit und zeigte sein Organisationsgeschick. Er zählte zu den Mitbegründern des Schleswig-Holsteinischen Journalistenverbandes und war von 1946 bis 1953 dessen Vorsitzender. Von 1950 bis 1953 engagierte er sich auf Bundesebene als Mitglied im Hauptvorstand des Deutschen Journalistenverbandes.

Abgeordneter des Deutschen Bundestages

Will Rasner trat 1952 in die CDU ein und kandidierte bereits bei der Wahl 1953 für die CDU im Wahlkreis Flensburg für einen Sitz im Zweiten Deutschen Bundestag. Das Direktmandat für diesen Wahlkreis gewann Rasner 1953, 1957, 1961 sowie 1965. 1969 zog er, da er seinem Gegenkandidaten Walter Suck von der SPD unterlag, über die Landesliste Schleswig-Holstein in den Bundestag ein.

1953 wurde er Mitglied im Ausschuss für Grenzlandfragen. Als Abgeordneter des Wahlkreises Flensburg beschäftigten ihn das Verhältnis der Bundesrepublik zu Dänemark und die Lösung der Minderheitenfragen beiderseits der Grenze in besonderem Maße. Er setzte sich dabei sowohl für die Rechte der dänischen Minderheit, als auch für die deutsche Minderheit in Nordschleswig ein. Dass ihm das Miteinander von Deutschen und Dänen eine Herzensangelegenheit war, zeigte sich zum Beispiel in seinem Engagement in den Jahren 1969 und 1970 für die Errichtung eines deutsch-dänischen Gemeinschaftsbahnhofs in Flensburg. Als er sein Direktmandat 1969 an die SPD verlor, sah er dies als persönlichen Rückschlag an. Nach Rasners Ansicht beruhte die Abwanderung von Wählern der dänischen Minderheit zum SPD-Kandidaten darauf, dass die SPD die Arbeitnehmer besser anspreche als die CDU.

Als Mitglied des Verteidigungsausschusses gehörte Rasner, neben Ernst Engelbrecht-Greve und Ernst Müller-Hermann, 1958 zu den ersten Bundestagsabgeordneten, die sich freiwillig zu einer Reserveübung in der noch jungen Bundeswehr meldeten. In seinen Augen zählte der Militärdienst zu den selbstverständlichen Pflichten eines Staatsbürgers. 1959 wurde er zum Hauptmann der Reserve befördert.

In der zweiten Wahlperiode engagierte er sich zusätzlich als stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss sowie im Ausschuss für Fragen der Presse, des Rundfunks und des Films.

Von 1957 bis 1971 war Rasner ordentliches Mitglied im Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung, was sich gut mit seiner Tätigkeiten in der Fraktion als Parlamentarischer Geschäftsführer und im Ältestenrat des Bundestages vereinbaren ließ.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Abgeordnetentätigkeit war sein Einsatz für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel und für Wiedergutmachungsfragen. Darüber hinaus galt sein besonderes Interesse Fragen des Staats- und Verfassungsrechts.

Manager der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag

Auf Vorschlag Heinrich Krones und des Fraktionsvorstandes wurde Will Rasner als junger Bundestagsabgeordneter im Alter von 35 Jahren als dessen Nachfolger für das Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers nominiert. Die CDU/CSU-Fraktion bestätigte dies am 6. Juli 1955 durch ihr Votum. Unter Kollegen und Mitarbeitern galt er als Idealbesetzung für dieses Amt, das er bis zu seinem zu frühem Tode ausüben sollte. Er wurde Vertrauter der Fraktionsvorsitzenden Heinrich Krone, Heinrich von Brentano und Rainer Barzel. Während diese die politische Arbeit der Fraktion koordinierten, organisierte er die Arbeitsabläufe. Den Herausforderungen, die sein Aufgabengebiet mit sich brachte, begegnete er mit leidenschaftlichem Engagement, was ihn nicht immer beliebt, aber bald unersetzlich machte. Rainer Barzel umschrieb dies mit den Worten: „Die Fraktion wählte ihn und akzeptierte mehr seine Arbeit wie (sic!) seine Person“. Während Rasner für das Management der größten Fraktion des Bundestages verantwortlich war, gab diese oft kein geschlossenes Bild ab. Diese Arbeit hatte zur Folge, dass er nicht in der publikumswirksamen ersten Reihe der Redner und Akteure der Fraktion stand, sondern vor allem aus dem Hintergrund wirkte.

Im Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers diente Rasner als Bindeglied zwischen den Abgeordneten und dem jeweiligen Fraktionsvorsitzenden, was sich eindrucksvoll in der erhaltenen Korrespondenz belegen lässt. Er hielt den Kontakt zu den Abgeordneten, kümmerte sich beispielsweise im Krankheitsfall um die Fraktionsmitglieder, sei es durch Schreiben oder durch Blumengrüße und Frühstückskörbe, wie im Falle der 1962 schwer erkrankten Helene Weber. Zudem waren Organisationsfragen, wie Ab- und Zusagen zu Sitzungen, Planungen der Fraktionsarbeit, Vorbereitungen von Initiativen und Gesetzentwürfen, die Stärkung des Zusammenhalts der Fraktion und die Vorbereitungen der Bundestagssitzungen seine tägliche Arbeit.

Rasner wurde als Person mit harter Schale und weichem Kern charakterisiert, der sich durch Unermüdlichkeit, Geradlinigkeit, aber auch Härte in der Sache auszeichnete.

Anerkennung für seine Arbeit fand er im Ältestenrat des Deutschen Bundestages, wo er den Kompromiss mit den anderen Fraktionen finden musste und sachorientierte Lösungen erarbeitete. So sagte Carlo Schmid von der SPD über Rasner, dass er kein bequemer Verhandlungspartner war, doch betonte er seine Redlichkeit und den Einsatz für die Sache, so dass er dem Bundestag über schwierige Lagen hinweggeholfen habe. Der Präsident des Deutschen Bundestages, Kai-Uwe von Hassel würdigte ihn anlässlich seiner Beerdigung, als jemanden, der sich um den Parlamentarismus verdient gemacht habe, da er stets auf die Unabhängigkeit des Parlaments gegenüber der Regierung geachtet habe.

Rasner war mehrmals für öffentliche Ämter im Gespräch, so 1966 als möglicher Chef des Bundeskanzleramtes. 1969 war er bereit, als Nachfolger des zurückgetretenen Bundestagspräsidenten Eugen Gerstenmaier zu kandidieren, scheiterte aber bereits im ersten Wahlgang innerhalb der CDU/CSU-Fraktion mit nur 35 Ja-Stimmen.

Da er an Krebs erkrankt war, kündigte Rasner 1970 an, bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr für ein Direktmandat zur Verfügung zu stehen. Er starb am 15. Oktober 1971 in Bonn an den Folgen einer langwierigen Erkrankung. Bis zuletzt besuchte ihn Rainer Barzel am Krankenbett. In einer Sondersitzung der CDU/CSU-Fraktion am Todestag Rasners würdigte Barzel seine Persönlichkeit und seine Arbeit und schloss mit den Worten: „Wir neigen uns in Ehrfurcht und mit Dank vor unserem Kollegen, der sich und uns treu war bis in den Tod.“

Unter Anteilnahme aller im Bundestag vertretenen Fraktionen wurde er in Flensburg beigesetzt.

Will Rasner war verheiratet mit Erika Rasner, geborene Strahl. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor.

Lebenslauf

  • 14. Juni 1920 geboren in Spellen (bei Wesel/Niederrhein)
  • 1939 Abitur in Bremen
  • 1939 Reichsarbeitsdient
  • 1939-1945 Wehrdienst
  • 1944 Heirat mit Erika Strahl
  • 1945 Redakteur des Flensburger Tageblatts
  • 1946 Stellvertretender Chefredakteur des Flensburger Tageblatts
  • 1946-1953 Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Journalistenverbandes
  • 1950-1953 Mitglied im Hauptvorstand des Deutschen Journalistenverbandes
  • 1952 Mitglied der CDU
  • 1953-1971 Mitglied des Deutschen Bundestages
  • 1955-1971 Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
  • 1965 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern
  • 15. Oktober 1971 verstorben in Bonn

Literatur

CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, ACDP-08-001.

Biographisches Handbuch des Deutschen Bundestages 1949-2002,

hrsg. von Rudolf Vierhaus und Ludolf Herbst.

Munzinger Online, (https://www.munzinger.de/)

Kontakt

Michael Hansmann

Michael Hansmann bild

Leiter Schriftgutarchiv

Michael.Hansmann@kas.de +49 2241 246-2209 +49 2241 246-2669