Veranstaltungsberichte

Digitalisierung: Nicht über die Köpfe hinweg

von Julia Rieger

Smart. Vernetzt. Umstritten: Herausforderung Digitalisierung: Kreis Düren im Gespräch

Wir befinden uns in einer Zeit, in der eine digitale Neuerung die nächste jagt. Die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie wir leben, arbeiten und kommunizieren. Für viele bedeutet dies eine Chance – bei anderen sorgen diese Entwicklungen für Besorgnis. Wie können wir die Chancen der Digitalisierung nutzen und den Herausforderungen begegnen, ohne dass der digitale Wandel zum Selbstläufer wird?
Darüber sprach Prof. Dr. Anabel Ternès bei Kreis Düren im Gespräch. Zu Beginn begrüßte Simone Habig, die Leiterin des Regionalbüros Rheinland der Konrad-Adenauer-Stiftung, die Gäste: „Wo sind die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in jedem einzelnen Lebensbereich und wie kann sie jeder einzelne nutzen?“ Danach richtet der Schirmherr der Veranstaltung, Thomas Rachel MdB, das Wort an die Gäste. Er spricht von der Digitalisierung als vierte Revolution und wirft einen Blick in die Zukunft – wie sieht die Welt wohl in 80 Jahren aus? Er appelliert an das Publikum: „Wir dürfen Digitalisierung nicht einfach geschehen lassen, wir müssen sie als Gesellschaft gestalten.“

Science-Fiction vs. Realität

Für Anabel Ternès ist es ein wichtiges Anliegen, die Zukunft zu gestalten: „Wir haben keine Chance zu sagen wir lassen das mal so laufen, wir müssen etwas aus der Digitalisierung machen.“ Digitalisierung sei aber auch mit Nachhaltigkeit verknüpft, denn nur so könne man „das Morgen weiter meistern.“ Die Digitalisierung habe das Arbeitsleben mobiler gemacht: „Ich habe mein Büro in der 11-Zoll Größe immer dabei.“ Doch es müsse eine gesunde Digitalisierung geschehen, in der niemand abgehängt werde. In Unternehmen werden beide Gruppen benötigt: Die Digital Natives, aber auch die Menschen mit viel Erfahrung.

Der Geist aus der Flasche

Prof. Ternès spricht auch über Künstliche Intelligenz: „Sie ist erstmal nichts Böses, es ist nur die Fähigkeit einiger Algorithmen.“ Eine KI könne immer nur so gut sein wie die Entwickler hinter ihr. Dennoch sei eine Debatte über die Grenzen sinnvoll. „Die Digitalisierung hat immer zwei Pole: Wenn wir uns für eins entscheiden, kommt das andere mit.“ Das müsse man von Anfang an bedenken. Was damit gemeint ist, zeigt eine Frage aus dem Publikum nach dem Social Credit System in China. Bei diesem werden die Handlungen der Bürger bewertet. Wer gute Bewertungen hat, kann beispielsweise ins Ausland reisen – wer schlechtere hat, nicht.

Demokratie und Digitalisierung

Für Ternès stellt sich dabei die Frage, welchen Zweck die Digitalisierung habe. Ein solches System sei nicht akzeptabel, aber auch in Deutschland gäbe es Tendenzen. Doch durch die humanistischen Werte werde die Digitalisierung immer wieder hinterfragt. Sie brauche ethische Regelungen, die die demokratischen Werte wie Meinungspluralität unterstützen: „Wir dürfen Demokratie nicht als Defizit für die Digitalisierung verkaufen, sondern als erstrebenswert.“

Der Mensch im Mittelpunkt

In der folgenden Diskussion geht es um die Möglichkeit einer europäischen Digitalisierung und den Einfluss der Digitalisierung auf das Leben. Für Thomas Rachel ist es wichtig, dass die Menschlichkeit in der Digitalisierung nicht verloren geht. Auch für die Gäste ist es wichtig, dass die Arbeits- und Lebenswelt positiv durch Digitalisierung gestaltet wird. Jetzt sei noch die Chance, dass die Digitalisierung ein Segen werde, sagt ein Gast. Dabei müsse man sich auch gegen Länder wie China behaupten. Ternès nennt verschiedene Beispiele, bei denen zum Beispiel die Anwendung von Virtual Reality helfen kann wie in der Behandlung von traumatisierten Veteranen. Auch der Energieaspekt der Digitalisierung ist für Ternès und Rachel wichtig: Die Herstellung und Instandhaltung sei energieintensiv und man müsse das Bewusstsein dafür stärken – genau wie in der Ausbildung des digitalen Nachwuchses. Am Ende bleibt: Digitalisierung ist das, was wir daraus machen.
 
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Simone Habig