Veranstaltungsberichte

Digitalnation Deutschland – Ausrufezeichen oder Fragezeichen?

von Julia Rieger

Neusser Stadtgespräch mit Staatsministerin Dorothee Bär MdB

Deutschland hat das Ziel, in der Digitalisierung eine Vorreiterrolle zu übernehmen – doch wie weit ist es auf dem Weg dorthin? Welche Rolle spielen Politik und Gesellschaft, wie können Ängste ernst genommen und Probleme gelöst werden?

Darüber diskutieren Dorothee Bär, Staatsministerin im Bundeskanzleramt und Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, beim Neusser Stadtgespräch mit den Gästen, der Digital-Unternehmerin und Hochschullehrerin Prof. Dr. Anabel Ternès und dem Personalchef des Technologieunternehmens 3M Deutschland, Oliver Leick.

Digitale Ökonomie gestalten

Simone Habig, die Leiterin des Regionalbüro Rheinland der Konrad-Adenauer-Stiftung, führt in den Abend ein: „Welche Chancen und Risiken gibt es in allen Bereichen?“ Im Anschluss begrüßt auch der Schirmherr der Veranstaltung, Hermann Gröhe MdB, das Publikum. Durch die Digitalisierung verändere sich die Gesellschaft. Demokratien wie Deutschland sollten sich trauen, Vorreiter in der Digitalisierung zu sein: „Es ist an der Bundesrepublik und Europa, selbstbewusst als offene und leistungsstarke Gesellschaft die Digitalisierung zu gestalten.“

„Wenn ich einen Vorteil daraus ziehe, verstehe ich es besser“

In ihrem Impulsvortrag spricht Dorothee Bär MdB über ihre Rolle als Staatsministerin – „diesen Posten hätte es schon viel früher geben sollen“. In einer Demokratie werden Entscheidungen langsamer getroffen, doch „was ist die Alternative?“ Die Stärken Deutschlands müssten herausgestellt werden – der starke Mittelstand und der Föderalismus. Sie spricht über ihre Arbeit in der Bundesregierung und das Digitalkabinett, das alle an einen Tisch bringt: „Es gibt kein Ministerium, das nichts mit Digitalisierung zu tun hat.“ Digitalisierung müsse für alle lernbar sein.

„Roboter übernehmen die Weltherrschaft?“

Künstliche Intelligenz (KI) ist an diesem Abend oft Thema, kaum ein anderes Thema sorgt für so viele Ängste. In Deutschland sei die Forschung deswegen um eine Kommission ergänzt, die sich mit ethischen Fragen beschäftigt. Bär spricht von einer Kooperation von KI und den Menschen: „Es ist erst dann eine künstliche Intelligenz, wenn der Rasenmäh-Roboter auch keine Lust aufs Rasenmähen hat.“ Es bräuchte einen breiten und offenen Dialog in der Gesellschaft: „Wir müssen Neugier wecken und Ängste ernst nehmen.“

„Wir haben Angst vor etwas, das wir nicht kennen“

In der folgenden Podiumsdiskussion geht es um digitale Bildung. Jeder sollte digitale Kompetenzen haben, das müsse schon Kindern mitgegeben werden „damit sie wissen, wovon sie reden“, sagt Prof. Dr. Anabel Ternès. Nicht jeder müsse ein Programmierer werden, aber Kinder müssen mit Begriffen wie Algorithmen und Datenbanken in Berührung kommen, ergänzt Oliver Leick. „Ich mache hinter der Digitalisierung neben dem Ausrufezeichen ein Fragezeichen, weil wir hier das Mindset nicht so haben wie in anderen Ländern.“

„Was bedeutet das konkret für mein Leben?“

In der Diskussion mit dem Publikum wird deutlich, dass die Bedenken gegenüber der Digitalisierung immer noch groß sind. „Sie sprechen über so ein breites Feld, aber was bedeutet das für mein Leben konkret?“, fragt ein Mann. Bär antwortet, dass es sehr individuell für unterschiedliche Lebensbereiche sei. Leick bringt seine Meinung im Bereich Gesundheit auf den Punkt: „Ich will nicht, dass meine medizinischen, persönlichen Daten gespeichert werden. Aber ich will, dass mit meinen anonymisierten Daten geforscht wird, um die medizinische Versorgung voranzubringen.“

Mensch in den Fokus stellen

Auf die Frage, warum Deutschland noch nicht weiter sei, antwortet Bär, dass es durch das föderale System auch schwer sei, Entscheidungen zu treffen. Außerdem sei die Begeisterung für die Digitalisierung, die aus der Gesellschaft kommen muss, noch nicht da: „Wir müssen positiver und optimistischer sein“. Digitalisierung müsse transparenter und greifbarer werden, sagt Ternès:“ Wir müssen informieren und sensibilisieren und Ängste ernst nehmen.“

Ansprechpartner

Simone Habig

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Leiterin Regionalbüro Rheinland

Simone.Habig@kas.de +49 211 8368056-0 +49 211 8368056-9
Ansprechpartner

Angela Meuter-Schneider

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Wissenschaftliche Mitarbeiterin

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