Veranstaltungsberichte

DDR: Mythos und Wirklichkeit

von Maja Eib

Wie die SED-Diktatur den Alltag der DDR-Bürger bestimmte

Die Austellung wird vom 5. Mai bis zum 24. Mai 2011 in der Stadtbibliothek Bilke gezeigt.

Die Darstellung der DDR in den Medien, speziell im Fernsehen, ist in den vergangen Jahren immer mehr dazu übergegangen ein verzerrtes Bild der Diktatur aufzuzeigen. Oftmals werden Bilder von idyllischen Landschaften, glücklichen Menschen, die im Sommer an die Ostsee, oder nach Ungarn gefahren sind und natürlich auch vom „Trabbi“ in die Wohnzimmer der Zuschauer gesendet. Die Aufbereitung und Aufklärung der Verbrechen und Missstände in der DDR spielt dabei kaum eine Rolle. Dinge wie der „Schießbefehl“ an der Grenze der DDR, Bespitzelung und Verfolgung durch die Stasi und das brutale vorgehen des SED-Regimes gegen politische Gegner treten immer mehr in den Hintergrund. Dadurch werden die Verbrechen des Staates und das Leid der vielen Opfer verharmlost. Es kommt nicht selten vor, dass man dabei Aussagen hört wie: „In der DDR hatte jeder Arbeit.“, oder „In der DDR gab es für jedes Kind einen Platz im Kindergarten.“ Doch, dass auch diese scheinbar so wertvollen Errungenschaften eine Schattenseite besitzen, konnte man an diesem Abend in der Stadtbibliothek Pößenck erfahren.

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Stephan Krawczyk

Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch Stephan Krawczyk, der seine Erfahrungen aus der Sicht eines Künstlers in der DDR schilderte. Seine Laufbahn begann er als systemkonformer Musiker und war damit auch sehr erfolgreich. Als er aber anfing das System zu hinterfragen und unangenehme Texte schrieb geriet er zunehmend in den Fokus der Staatssicherheit, von der er zusammen mit seiner damaligen Frau Freya Klier verfolgt, verhaftet und 1988 zur Ausreise gezwungen wurde. Mit seinen teils politischen, teils unpolitischen Liedtexten ist es ihm gelungen die Stimmung zwischen den Vorträgen aufzulockern und den Referenten gleichzeitig ein Stichwort für ihre Beiträge zu liefern. Im Anschluss an den musikalischen Prolog begrüßte Michael Modde, Bürgermeister der Stadt Pößneck das Publikum und mahnte die schlechten Seiten der DDR nicht zu vergessen. Diesem Appell schloss sich Maja Eib in ihrem Einführungsvortrag an und sagte, dass die Legendenbildung um die DDR ganz besonders für die jüngeren Generationen irreführend ist. Aus diesem Grund muss die Aufklärung immer wieder erneuert werden, um das Vergessen und die Wiederholung des Unrechts zu vermeiden. Einen sehr innovativen Denkanstoß lieferte Stefan Gruhner, CDU-Kreisvorsitzender des Saale-Orla Kreises, indem er sich für eine „Generation '89“ aussprach, die sich gezielt mit den Geschehnissen in der DDR auseinandersetzen solle. Zum Vorbild nahm er sich die „68er Bewegung“ in der BRD, die sich intensiv mit den Altlasten des „Dritten Reiches“ beschäftigte.

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Freya Klier

Den Höhepunkt des Abends bildete der Vortrag von Freya Klier. Schon zu Beginn ihres Lebens musste Sie die ganze Härte des SED-Staatsapparates ertragen. Nachdem ihr Vater mit einem Mitglied der Volkspolizei aneinander geriet, um seine Frau zu verteidigen, musste er ein Jahr ins Gefängnis und Freya mit ihrem Bruder für denselben Zeitraum in ein Kinderheim. Diese Eindrücke haben Sie zwar sehr geprägt, aber erst der tragische Tod ihres Bruders, welcher auch ein Gegner des Systems war, brachte sie zur uneingeschränkten Auflehnung gegen den „Unrechtsstaat“. Was wie bereits erwähnt mit Verfolgung und der Zwangsausreise endete.

Mit ihrem Vortrag versuchte Sie all jene aufzuklären, die darauf beharren nur die Vorzüge der DDR erlebt zu haben. In ihrem Essay "Die DDR ist wieder da - und schöner noch als einst" spricht sie bildlich vom „Lila Drachen“, einer alten Königin, die sich darauf verstand Kinder in ihrem Sinne zu beeinflussen und die für Scheinheiligkeit und Terror gegen die eigene Bevölkerung bekannt war. Eine gelungene und auch amüsante Anspielung auf Margot Honecker, wenngleich sie dazu aufruft wachsam zu bleiben. Denn obwohl, der „Lila Drachen“ und ihr Mann, der „böse König“ vertrieben worden sind, leben ihre Untertanen noch unter uns. Diese haben sich anfangs ruhig verhalten, versuchen aber ihre Lügen jetzt wieder zu verbreiten. Um das zu verhindern, enttarnte sie die häufigsten positiven Aussagen zur DDR als Mythen. Das Wunder der Vollbeschäftigung schrieb sie nicht der gelungenen Arbeitspolitik der SED zu, sondern der Massenflucht aus der DDR der ersten Jahre. In der Zeit von Kriegsende bis zum Mauerbau verließen ungefähr drei Millionen Bürger die DDR, die nicht selten einen freien Arbeitsplatz hinterließen. Auf das Thema Bildung in der DDR kam Frau Klier an diesem Abend auch zu sprechen. Denn die Legende vom guten Bildungssystem der DDR ist vielerseits anerkannt, obwohl Staatsbürgerkunde und Geschichtsunterricht auf die sozialistische Ideologie ausgerichtet waren und wenig Raum für eigene Ansichten bestand. Ein weiteres Problem des DDR-Bildungssystem war die Chancenungerechtigkeit. Es war ein Privileg und kein Recht, bei entsprechender Leistung, die EOS, oder die Universität zu besuchen. Bei der Vergabe der vorhandenen Plätze wurden vor allem Kinder von Akademikern und ganz besonders von Theologen benachteiligt, um die Entstehung von kritischen Meinungen zu verhindern. Weitere Anregungen und Informationen können Sie auf der Internetseite Freya Kliers nachlesen. Einen gelungen Abschluss der Eröffnungsveranstaltung erreichten Stephan Krawczyk und Freya Klier durch ihr Duett.

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Maja Eib

Maja Eib bild

Landesbeauftragte für Thüringen und Leiterin des Politischen Bildungsforums Thüringen

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