Veranstaltungsberichte

Die Konrad-Adenauer-Stiftung in Prag verlieh schon zum neunten Mal den Lokaljournalistenpreis – Südböhmen feiert

Schon zum neunten Mal hat die Konrad-Adenauer-Stiftung in Prag den Lokaljournalistenpreis an tschechische Regionaljournalisten verliehen. Eine Rekordanzahl von 94 Beiträgen wurden in diesem Jahr zum Wettbewerb angemeldet. Das Thema des diesjährigen Lokaljournalistenpreises war „Das Profil“ einer Person aus der Region. Die KAS verlieh zum ersten Mal den Lokaljournalistenpreis in zwei Kategorien – Zeitung und Rundfunk. Dadurch wollte die KAS die Vielfalt des lokalen Journalismus anerkennen und die unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Arbeit berücksichtigen.

In diesem Jahr feiert Südböhmen, denn den Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung haben zwei Journalisten aus Südböhmen gewonnen. In der Kategorie „Presse“ hat Herr Radek Gális von Českobudějovický deník mit seinem Profil „Legende Láďa Kajbar ist immer noch ein Fan von Budweis“ die Jury überzeugt. In der Kategorie „Rundfunk“ hat Frau Hana Soukupová von Český Rozhlas České Budějovice mit ihrem Profil von „Davídek“ gewonnen.

Herr Radek Gális hat eine beachtliche journalistische Laufbahn hinter sich. Beim Lesen seines Beitrages konnte man feststellen, dass er große Erfahrung beim Schreiben von Portraits hat. Sein Siegerbeitrag „Legende Láďa Kajbar ist immer noch ein Fan von Budweis“ charakterisiert eine ortsbekannte Person, einen ganz speziellen Menschen. Der Autor beschreibt einen geistig behinderten Mann, den man früher in den budweiser Straßen, Kneipen, Parks, Stadions oder im Schwimmbad treffen konnte. Und obwohl er jetzt in einer sozialen Einrichtung wohnt, ist er noch im Gedächtnis der Anwohner verhaftet, vielleicht mehr als mancher Ex-Politiker.

Frau Hana Soukupová ist eine talentierte Hörfunkjournalistin und Autorin des Buches „Mehrere Leben aufeinmal leben – autentische Zeugnisse aus Pflegefamilien“. Bei ihrem Siegerbeitrag „Davídek“ geht es auch um die Thematik von Pflegefamilien. Frau Soukupová hat die Familie von Davídek regelmäßig über mehrere Jahre besucht und Gespräche geführt. Man kann sich so selbst ein vollständiges Bild von Davídek machen – vom Krabbelkind zum Grundschüler.

Die Bandbreite der 94 porträtierten Personen, die in dem Wettbewerb angemeldet waren, war sehr groß. Beim Lesen der Porträts, bekam man ein wesentlich bunteres Bild von Tschechien, als dies bei einem Blick auf die Politikseiten der landesweiten Zeitungen und Zeitschriften der Fall gewesen wäre. Zum Beispiel: über eine Betreiberin eines Hundeheimes; ein Kind aus einem Kinderheim, welches studiert; einen LKW-Fahrer, der in der Türkei am Weihnachtstag versehentlich festgenommen wurde; eine Oscar-Preisträgerin; Sportler; Schauspieler; Eltern, die sich um ihr behindertes Kind kümmern; ein blindes Mädchen; einen Pilot; eine Puppenmacherin; eine Museumsdirektorin und viele andere.

Aus den Porträts war klar herauszulesen, dass es die konkreten Personen sind, die etwas bewegen. Ebenso sind es aber auch die Journalisten. Ohne sie wären diese besonderen Leistungen oder das besondere Verhalten der Menschen nicht publik geworden.

In vielen Lebenschicksalen spiegelt sich die bewegte Geschichte des 20. Jahrhunderts wider. Ein solches Porträt in der Zeitung zu lesen, ist manchmal besser und spannender als in einem Geschichtsbuch zu blättern. Für Jugendliche ist es umso wichtiger, weil sie plötzlich die Geschichte ganz nah spüren können – bei Leuten aus ihrer Stadt, bei ihren Nachbarn. Dabei lernen sie mehr, als wenn sie in der Schule Geschichtsdaten auswendig lernen. Deshalb ist die Rolle der Journalisten – und gerade der regionalen Journalisten – so wichtig. Die Regionaljournalisten bringen Weltgeschichte – die der eine oder andere nicht genau versteht, weil sie so weit weg und so unverständlich ist – bis an unsere Haustür. Wie zum Beispiel in dem Porträt, wo ein Ägypter beschrieben wird, der in Budweis lebt und in den bewegten Zeiten der arabischen Revolutionen über seine Heimat spricht.

Die Konferenz aus Anlass der Vergabe des Lokaljournalistenpreises, die am 11. November 2011 in Brno stattfand, wurde von mehr als 80 regionalen Journalisten aus der ganzen Tschechischen Republik besucht.

Einer Tradition folgend, wurde die Konferenz auch in diesem Jahr von einer Podiumsdiskussion zu einem aktuellen Thema begleitet. Ondřej Kundra, Bára Procházková (beide von Respekt), István Léko von Česká pozice und Karel Randák vom Stiftungsfond gegen Korruption haben über das Thema „Korruption und Medien“ debattiert. Am darauf folgenden Tag hatten die Teilnehmer die Möglichkeit Workshops zu besuchen, die ihnen wertvolle Tipps zur journalistischen Arbeit im Alltag geben sollten. Die Workshops der Respekt Redakteurin Bára Procházková, die den Teilnehmern Ratschläge zur attraktiven Gestaltung regionaler Zeitungen erteilte, sowie der Workshop von Petr Třešňák, der anhand eines Praxisbeispiels die Phasen eines erfolgreichen Profils darlegte, stießen auf große Resonanz.

Der Lokaljournalistenpreis 2011 wurde in Kooperation mit der Wochenzeitschrift Respekt, der Vertretung der Europäischen Kommission in der Tschechischen Republik, der Masaryk Universität und dem Informationsbüro des Europäischen Parlaments organisiert.

Die tschechischen Medien haben über die Vergabe des Lokaljournalistenpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung ausführlich informiert. Unter folgenden Links finden sie einige Medienechos.

Český rozhlas Praha

http://www.rozhlas.cz/praha/tyd_vysilani_nedele/_zprava/dobra-vule-20-listopadu--975934

Českobudějovický deník:

http://ceskobudejovicky.denik.cz/zpravy_region/cenne-trofeje-zamirily-na-jih20111114.html

Sydikát novinářů:

http://www.mediazurnal.cz/clanky/zpravy/regionalni-novinarske-ceny-do-ceskych-budejovic

Český rozhlas

http://www.rozhlas.cz/informace/press/_zprava/redaktorka-hana-soukupova-ziskala-regionalni-novinarskou-cenu-adenauerovy-nadace--976045

Domorodci:

http://domorodci.cz/2011/11/redaktori-domorodcu-reprezentovali-sokolovsko-v-brne-na-prestizni-novinarske-soutezi-nadace-konrada-adenauera/

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