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Iranischer Angriff auf Israel

Ein Wendepunkt mit unvorhersehbaren Folgen

Am 14. April 2024 hat Iran erstmals direkt militärisch Israel angegriffen. Dieser iranische Angriff ist ein Wendepunkt im Nahen Osten und dominiert die aktuelle internationale Debatte. Während US-Präsident Joe Biden, die Bundesregierung und die G7 zu Besonnenheit und Deeskalation aufrufen, wird gespannt auf die Reaktion des israelischen Kriegskabinetts um Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gewartet. Bisher wurde nicht verlautbart, ob und wie Israel auf den iranischen Angriff reagieren könnte.

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Israel wurde von iranischem Staatsgebiet mit über 300 Flugkörpern attackiert, darunter 170 Drohnen, 120 ballistischen Raketen und 30 Marschflugkörpern. Insgesamt waren mehr als 65 Tonnen Sprengstoff auf Israel gerichtet. Laut iranischen Angaben waren vor allem eine israelische Geheimdienstzentrale am Berg Hermon im Norden und der Luftwaffenstützpunkt Nevatim im Süden Ziele des Angriffs. Dennoch kam es im Laufe des Angriffs mehr als 700 mal zum Raketenalarm, u.a. auch in Jerusalem wo selbst über der Al-Aqsa-Moschee und dem israelischen Parlament Raketen abgefangen wurden. Die israelische Armee konnte gemeinsam mit den USA, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Jordanien 99 Prozent der Flugkörper abwehren, wobei neben dem Iron Dome vor allem auch die David Sling und Arrow-3-System erfolgreich zum Einsatz kamen.

Die Islamische Republik Iran, die bisher vor allem durch die Houthi-Milizen im Jemen, die Hisbollah im Libanon oder iranische Gruppen in Syrien und Libanon Angriffe auf Israel initiierte, wagte am 14. April also einen Dammbruch und attackierte Israel direkt von ihrem Staatsgebiet aus. Dabei handelte es sich um einen Angriff mit Ansage, da bereits 48 Stunden vorab erste Warnungen über einen möglichen Angriff Irans auf Israel kursierten. Die israelische Armee und ihre Verbündeten konnten sich entsprechend gut auf die Abwehr vorbereiten. Das iranische Regime, das die USA über die Türkei und/oder die Schweiz vor dem bevorstehenden Angriff auf Israel informiert haben soll, sieht den Angriff vom 14. April als direkte Reaktion auf den vermutlich von Israel am 1. April durchgeführten Angriff auf hohe Generäle der islamischen Revolutionsgarden im iranischen Konsulat in Damaskus an. Noch in der Nacht des 14. April verkündeten iranische Stellen offiziell, dass es sich um einen Vergeltungsschlag des Angriffes auf ihr Konsulat handele und für Iran die Operation mit dem erfolgten Angriff beendet sei – außer die USA oder Israel würden eine Gegenreaktion starten.

Für Israel, das sich seit über sechs Monaten im Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen befindet, zeigt die Operation folgendes: Der iranische Angriff konnte erfolgreich abgewehrt werden, ohne dass es zu Toten in Israel kam. Dies offenbart, wie gut ausgestattet und abwehrbereit die israelische Armee und ihre Abwehrsysteme im Ernstfall sind. Zudem wird deutlich, dass Israel verlässliche Partner an seiner Seite hat, zuallererst die USA. Aber auch regional hat Israel wichtige Partner, wie etwa durch die Rolle Jordaniens bei der Abwehr iranischer Drohnen offenbar wurde. Es bleibt offen, wie abwehrbereit Israel bei einem nicht angekündigten Überraschungsangriff Irans wäre – zumal wenn auch die Hisbollah-Miliz im Libanon mit ihren mehr als 150.000 Raketen und andere regionale Milizen Teil eines abgestimmten Angriffs wären.

Innenpolitisch wird in Israel nun diskutiert, wie auf den iranischen Angriff reagiert werden könnte. Während Verteidigungsminister Gallant und Benny Gantz als Mitglieder des Kriegskabinetts eine eher moderate Haltung einnehmen und für eine strategische Allianz gegen Iran werben und sich gegen einen direkten Militärschlag gegen Iran zum jetzigen Zeitpunkt aussprechen, sind die ultrarechten Kräfte in der Regierung, vor allem der Minister für nationale Sicherheit Ben-Gvir und Finanzminister Smotrich, für eine offene Eskalation mit Iran und plädieren für eine harte direkte militärische Antwort. Politiker wie Gideon Saar sprechen von einer „strategischen Flexibilität“, die Israel nun habe und fordern, dass zuerst der Krieg gegen die Hamas zu Ende geführt werden müsse und vor allem die Rückkehr der über 100 Geiseln in Hamas-Gefangenschaft prioritär sein müssten.

Entscheiden wird am Ende allein das Kriegskabinett. Ministerpräsident Netanjahu hat sich noch nicht dazu geäußert, wann und wie Israel auf den iranischen Angriff reagieren könnte. Die Haltung der USA, nicht an einer militärischen Reaktion auf den iranischen Angriff mitzuwirken, dürfte dabei den größten Einfluss auf die israelische Position haben. Entscheidend bleibt auch, wie sich der seit Monaten anhaltende Raketenbeschuss auf den Norden Israels durch die Hisbollah weiter entwickeln wird, da der innenpolitische Druck in Israel steigt, das Schicksal der mehr als 80.000 seit dem 7. Oktober evakuierten Israelis aus dem Norden bis zum Sommer zu entscheiden. Es bleiben daher angespannte Tage in Israel.

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Dr. Thomas Volk

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Leiter des Auslandsbüros Israel

thomas.volk@kas.de

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