KAS

Einzeltitel

Familie im Wandel versus Familie als „Gefängnis“?

von Necla Kelek

Warum wir über die orientalisch-islamisch geprägte Familie sprechen müssen

Vortrag der Soziologin und Buchautorin Dr. Necla Kelek

Familie: Vorstellungen und Realitäten

Was ist Familie? Diese Frage stelle ich bei einem Treffen einer Arbeitsgruppe bei der Frauenrechtsorganisation „TERRE DES FEMMES“. Die Mitfrauen stutzen über die simple Frage und die Antworten kommen schnell und so als würden sie das Selbstverständlichste von der Welt erklären müssen. Familie, das ist doch klar, sagen die Frauen, ist „ein freiwilliger Zusammenschluss von Menschen, die solange miteinander leben, wie sie es wollen…“ – „Familie kann alles sein. Ein Leben mit Freundinnen, Freunden in einer Wohnung oder einem Haus…“ - „Ein Mann lebt mit zwei Männern, sie haben Sex oder nicht, adoptieren Kinder. Die sind Familie.“ – Frauen heiraten mehrere Männer, sie bekommt mehrere Kinder – oder nicht. Das ist Familie.“ – „Ein Mann heiratet eine Frau, lässt sich wieder scheiden, heiratet eine andere. Beziehungen als Serie. Das sei die neue Familie.“ – „Eine Frau heiratet eine Frau. Sie lassen sich von einem schwulen Männerpaar befruchten, ziehen zusammen und ziehen die Kinder gemeinsam auf. Das sei die neue Familie.“ – „Alleine leben, mit Hund oder Katze … Familie gibt es nicht.“

Als ich den Frauen eine zweite Frage stelle, überraschen die Antworten ebenfalls. Ich frage: „Und wie lebt ihr? Habt ihr Familie?“ „Ich lebe auf dem Land in einem Bauernhaus, mit Großeltern und Kindern. Wir gehen sonntags in die Kirche und Feiern gemeinsam Ostern und Weihnachten …“ – Die Nächste: „Ich bin stolze Oma“ (sie ist 73) „und passe gerade auf meine Enkeltöchter auf, weil meine Tochter und ihr Mann mal alleine verreisen wollten. Das mache ich schon seit zehn Jahren. Ich habe Kinder, die haben Familie und ich reise von Haus zu Haus. Ich bin die glücklichste Großmutter, die ich kenne.“ – „Ich bin verheiratet, habe zwei erwachsene Kinder und arbeite halbtags als Sozialarbeiterin.“ – „Ich wohne mit meinem Sohn allein und bin berufstätig. Aber meine Eltern und Geschwister sind ganz in der Nähe, so dass ich nicht ohne Hilfe bin.“ – „Ich bin 18, lesbisch und studiere. Ich lebe in einer Wohngemeinschaft. Familie gehört aufgelöst.“ Die Vorstellungen von Familie orientieren sich an ganz anderen als den bisher geschilderten Maßstäben. Und auch Vorstellung und Realität stimmen nicht immer überein. Die Herausforderungen von Familie sind grundsätzlich anderer Natur.

 

Eine Familiengeschichte: Flucht aus unserem Leben

Die alte Dame steht im Regen und macht sich Sorgen. Weniger darum, ob sie nass wird  - dagegen hat sie einen Mantel und einen Schirm dabei, sondern darum, ob unsere Gesellschaft das alles verkraftet, was in letzter Zeit passiert ist - und was wohl in zwanzig Jahren mit dem Dorf und ihrem Haus und dem Land geschehen wird. „Gesundheitlich kann ich mich nicht beklagen“, sagt sie und schränkt ein: „abgesehen von den Beschwerden, die man so mit über achtzig hat“, aber „gesellschaftlich, da läuft was schief.“ Wir sind zum Glück pünktlich und haben sie an der verabredeten Ecke aufgesammelt. Es soll zu einer Veranstaltung im Ort gehen. Sie schüttelt ihren Schirm aus, bevor sie in den Wagen steigt und fragt mich, nachdem wir ein Stück gefahren sind: „Was meinen Sie, kann das gutgehen?“ – Sie zeigt auf die Gruppe von jungen Männern, die im Eingang der Spielhalle miteinander spielerisch raufen und dabei sehr laut sind. „Wie meinen Sie das?“ frage ich zurück. „Naja, unsere jungen Leute wollen alle nicht mehr hier auf dem Dorf leben. Sie sind in die Stadt gezogen. Fast auf allen Höfen wohnen nur noch alte Leute.“ „Und die Männer vor der Spielhalle?“ frage ich. „Unbegleitete Flüchtlinge. Alle ganz jung. Aus Afrika, Syrien und dem Irak. Die wohnen jetzt im ehemaligen Schullandheim. Ob die arbeiten wollen? Bei uns kann man als gescheite Arbeit eigentlich nur Wein machen.“

Das Dorf an der Mosel macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Die wunderschöne Natur, die bis in die Höhe mit Wein kultivierten Berge, schöne alte Häuser und Gehöfte, saubere, aber leere Straßen. Ich frage mich: wo sind die Menschen? Alle auf der Arbeit, in der Küche, im Stall, in den Weinbergen? Die Bewohner scheinen in diesem Paradies Verstecke zu haben oder unsichtbar zu sein. Mein Gastgeber, der mich zu einer Veranstaltung seines Kulturvereins eingeladen hat, ist Winzer in der vierten Generation. Er macht Wein, ausgezeichneten Riesling, seine Frau betreibt ein Gästehaus, das wie das Weingut seit 1850 im Besitz der Familie ist. Sein Großvater hatte das Haus der Familie gebaut und mit dem Weinmachen begonnen. Der Vater hatte eine Gastwirtschaft aufgemacht und auf Tourismus gesetzt. Er konnte kaum laufen, da war er schon mit bei der Weinlese in den Bergen, er wächst mit Reben und Saft auf, studiert in Frankfurt, kann noch heute seinen Adorno zitieren, kehrt zurück, heiratet und bekommt mit seiner Frau vier Kinder. Alle Kinder gehen zur Schule, machen Abitur, studieren. Einer arbeitet als Lehrer in Nordrhein-Westfalen, die älteste Tochter ist Ärztin und alleinerziehende Mutter in Nürnberg, die jüngste ist nach Neuseeland ausgewandert, sie würde es dort als Schafszüchterin versuchen, und der jüngste Sohn ist ebenfalls Lehrer in Franken. Eine große Familie. Alle sind wohlgeraten, haben inzwischen zusammen acht Kinder, aber wollen auf keinen Fall in den Heimatort zurück. Der Winzer ist inzwischen 81 Jahre alt, seine Frau drei Jahre jünger. Das riesige Haus ist leer. Die Weinberge und das Weingut hat er an ein polnisches Ehepaar verpachtet, denen er auch zeigt, was beim Rebenschnitt und Weinmachen zu beachten ist. „Wir werden alles verkaufen“ sagt er. „Wenn wir es nicht mehr schaffen, dann brauchen wir das Geld für das Altersheim. Den Rest können die Kinder dann unter sich aufteilen.“ So wie meinem Gastgeber geht es vielen im Dorf. Kein Licht brennt in den Häusern, Katzen sind die einzigen Passanten in den Gassen. „Die Jungen sind ausgeflogen“,sagt er traurig und: „Was haben wir bloß falschgemacht, dass unsere Kinder aus unserem Leben geflüchtet sind?“

Die Veranstaltung findet in der Kirche, einem Rundbau mit einem riesigen Kreuz über dem Altar statt. Es sind auch aus den Nachbargemeinden etwa 150 Zuhörer gekommen, ein ungewöhnliches Interesse für den kleinen Ort und das Thema. Ich spreche über Integration, Wertevermittlung und islamische Familienstrukturen. Eigentlich eine ferne Welt, um die sich die Menschen in diesem Winzerort Gedanken machen. Aber Himmel und Hölle liegen manchmal dicht beieinander. Das Paradies an der Mosel droht verlassen, freiwillig aufgegeben zu werden. Sind die jungen Männer vor der Spielhalle die Rettung? Ich spreche von einer Wertegemeinschaft und dass nicht nur die Verfassung, sondern auch Traditionen, die Geschichte und das in hunderten von Jahren gemeinsam Er- und Gelebte eine Gesellschaft prägen. Und das dies nicht verloren gehen darf. Die Menschen nicken, aber wenn sie sich umsehen, ist da niemand, der jünger ist als sie selbst, dem sie ihre Erfahrung weitergeben könnten.

„Warum kritisieren sie die Familienzusammenführung der Flüchtlinge, die Familie ist doch das Wichtigste für jeden Menschen?“ fragt mich in der anschließenden Diskussion ein Mann, der sich als Jurist vorstellt. „Diese Menschen sind der Hölle entronnen, warum sollen sie nicht auch ihre Familien retten und hier als Familien leben?“ Familien zusammenführen, retten, helfen, dafür sind hier alle. Wenn es mit der eigenen nicht geht, dann sollen wenigstens die anderen das Glück haben, frage ich mich? Dabei habe ich die Orientalische „unheilige-Familie“ im Sinn. Weil Familie nicht immer nur schützt, sondern auch ein freies Leben verhindern kann. „Familie kann auch eine Fessel sein“, sage ich. Aber was bedeutet den Deutschen Familie heute? Wo sind ihre Kinder? Jeder in der Kirche hat hierzu eigene Vorstellungen und Erfahrungen.

 

Eine andere Familiengeschichte: Samima und Kemal

Samima will weg von ihrer Familie. Weg von ihrem Vater, der sie herumkommandiert, weg von der Mutter, die sie wegen jeder Kleinigkeit schlägt, erzählt sie. Samima ist 16 und beendet 2018 ihre Schule in Berlin. Ihre Eltern wollen nicht, dass sie eine Ausbildung macht. Sie soll heiraten, damit sie die lästige Aufsichtspflicht für sie und ihre Schwester Nouria loswerden. Denn die beiden Mädchen, die sechzehn und siebzehn Jahre alt sind, machen nur noch Ärger. Die Eltern, vor fast zwanzig Jahren aus Marokko eingewandert, können sie in einer Großstadt wie Berlin nicht mehr kontrollieren. Sie wissen nicht mehr, wo sich ihre Töchter tagsüber aufhalten, mit wem sie sich treffen. Sie kommen spät von der Schule, gehen in die Stadt, telefonieren ständig. Die Mutter hat schon ihren Bruder in Bielefeld angerufen und verabredet, dass seine beiden Söhne zum Mokkatrinken kommen und die beiden kennenlernen. Eine Doppelhochzeit, das wäre nach ihrem Geschmack und würde ihr die große Sorge nehmen, dass Schande über die Familie kommen könnte.

Samima hat auf dem Alexanderplatz Kemal kennengelernt. Kemal kommt aus Aleppo und ist 2015 allein über die Balkanroute nach Berlin gekommen. Er wohnte zuerst in einem Hangar auf dem Tempelhofer Feld und nun in einem Übergangswohnheim in Berlin. Sein Aufenthaltsstatus ist ungeklärt. Kemal sieht gut aus und ist das, was sich Samima unter einem „Habibi“, einem Geliebten vorstellt. Sie nutzt jede Gelegenheit, sich mit Kemal zu treffen. Die Schwester ist dabei und ihr Alibi gegenüber den Eltern. Samima verliebt sich in Kemal, sie haben auch ein intimes Verhältnis. Samima wird schwanger. Die Mutter bereitet unterdessen, ohne dass sie Samima etwas davon sagt, das „Mokkatrinken“, also die Verlobung mit den Cousins vor. Als Samima davon erfährt, wehrt sie sich, es kommt zu Handgreiflichkeiten, sie gerät in Panik. Sie meldet sich über Umwege bei uns. Sie sagt, sie würde immer nur unter Druck leben und müsse weg. Sie will in ein Frauenhaus, jedenfalls weg von ihren Eltern. Am liebsten würde sie Kemal heiraten, eine Familie gründen. Wir fragen sie, ob sie nicht lieber erst einen Beruf erlernen will. Samima hat anderes im Kopf. Wenn ihre Eltern erfahren, dass sie schwanger ist, wäre das eine Katastrophe. Die Familie wäre entehrt, die Cousins wären tödlich beleidigt. Man könnte sie sogar umbringen.

Wir erkundigen uns zuerst beim Jugendamt. Dort wird uns gesagt, dass die Behörde mit den Eltern sprechen kann, dann wüssten sie, dass sie unter Beobachtung sind. Samima will das nicht. Wir gehen zur Familienberatung, Pro Familia. Dort wird sie über ihre Möglichkeiten beraten, was sie tun kann, wenn sie das Kind nicht möchte. Sie könne abtreiben und es könne auch etwas getan werden, dass ihre Jungfräulichkeit wieder hergestellt wird. Samima will das Kind, denn: „Ich liebe Kemal“, sagt sie. Und laut in ihrer Panik: „Sie bringen uns um!“ Auch eine Frauenhilfsorganisation hilft professionell. Sie bietet an, die beiden in einer anderen Stadt in einer geschützten Wohnung unterzubringen. Doch letztlich entscheidet  Samima sich für das Schweigen. Sie lässt das Kind abtreiben und geht mit ihrer Schwester nach Hause zurück. Und sie sagt, sie liebe ihre Eltern, und sei bereit zu heiraten. Aber nicht ihren Cousin, sondern Kemal.

Die Eltern willigen nach einigem Zögern ein. Kemal wird vorläufig in die Familie aufgenommen. Da er tagsüber Zeit hat, soll er dem Vater bei seinen Geschäften helfen. Um der sehr religiösen Familie zu gefallen, beginnt er fünf Mal am Tag zu beten, geht zum Freitagsgebet in eine Moschee, wird langsam auch im Alltag religiöser. So sind er und die Tochter, aus der Sicht der Familie, unter Kontrolle. Aber der Vater, der die Eltern und die Familie Kemals nicht kennt, hält nichts von dem jungen Mann und lässt ihn dies auch täglich spüren. Auch die Mutter hält an ihrem Plan der Doppelhochzeit mit den Cousins fest. Die Eltern beschließen, dass Kemal das Haus verlassen soll und er Samima nicht heiraten wird. Kemal ist auch von Samima enttäuscht und am Boden zerstört. Er schwört Rache. Er ruft Samimas Vater an: „Weiß du eigentlich, dass ich es mit Deiner Tochter getrieben habe? Schande über Dich und Deine Familie“, schreit er ins Telefon. Der Vater ist am Boden zerstört, sein Leben ist ruiniert, denn alle werden sagen, dass er nicht auf seine Tochter aufpassen konnte. Er hat sein Gesicht verloren. Er droht Kemal: „Meine Familie wird Dich suchen, finden und umbringen. Allah sei mit Dir.“ Samima und Nouria schafften es nicht aus eigener Kraft die Familie zu verlassen. Sie werden mit den Cousins verheiratet. Kemal ist seitdem untergetaucht und schutzlos der Familienrache ausgeliefert.

 

Eine Erklärung: Zur Rolle der Frau in der orientalisch-islamischen Familie

Die meisten Frauen in islamischen Ländern können auch im 21. Jahrhundert über ihre Heirat nicht selbst entscheiden. Eine so wichtige Angelegenheit wie die Verheiratung der Kinder lassen sich die Familienoberhäupter nicht aus der Hand nehmen. Ein Vater kann seinem Kind wohl den Partner, aber nicht die Ehe verweigern, heißt es im Volksmund. Wen die Tochter heiratet, diese Entscheidung kann er ihr nicht überlassen. Es ist die Verantwortung und Sache der Eltern, besonders des Vaters und in der praktischen Umsetzung der Mutter. Die Islamwissenschaftlerin Rita Breuer schätzt die Möglichkeit der freien Willensentscheidung von jungen Leuten in islamischen Ländern folgendermaßen ein: „Dabei ist es bis heute so gut wie unmöglich, dass eine Ehe gegen die Interessen der Familie und den Willen der Eltern zustande kommt. In einigen Ländern wie beispielsweise Algerien sieht der Gesetzgeber ausdrücklich das Recht des Vaters vor, seiner jungfräulichen Tochter eine Eheschließung zu verbieten. De facto hat er das Recht überall.“[1]

Ohne die Zustimmung eines Wali, eines Vormundes, kann eine Frau in den Ländern, in dem der Islam die Rechtsprechung prägt oder bestimmt, nicht heiraten (ausgenommen die Türkei und Tunesien). Ehen in der Türkei werden nach dem Vorbild des schweizerischen Zivilrechts, vor einem Standesbeamten durch Willenserklärungen der Brautleute geschlossen. Trotzdem gibt es vor allem auf dem Land auch die gängige Praxis der Imam-Ehe, vor allem wenn die Braut noch nicht das juristisch nötige Mindestalter hat. Aber es gehört auch zur politischen Tradition, diese Imam-Ehen nach wichtigen Wahlen unter die Amnestie fallen zu lassen, d.h. sie werden legitimiert. Die Regierung Erdogan hat inzwischen angekündigt, die Imam- oder Mufti-Ehe wie eine staatliche Eheschließung zu behandeln. Die Begründung der regierungsnahen Soziologin Pinar Yildirim: "Wenn die Leute nun mal eher zu einer religiösen als zu einer staatlichen Instanz gehen, um zu heiraten, dann müssen wir eben das Gesetz der Realität anpassen, um als Staat die Kontrolle zurück zu erhalten. Es dient doch dem Schutz der Familien und Kinder, wenn Menschen in Zukunft religiös heiraten können, aber der Staat gleichzeitig prüft, dass das Gesetz eingehalten und zum Beispiel keine Kinderehen geschlossen werden. Was ist daran falsch?"[2] Das ist eine verquere Logik: Weil Kinder per Imam-Ehe entgegen dem staatlichen Verbot verheiratet werden, legitimiert man diese.

 

Warum wir über die „unheilige Familie“ diskutieren müssen

Die Familie steht für Menschen in aller Welt an erster Stelle. Familie ist in allen Religionen und Kulturen „heilig“. Allein drei der zehn christlichen Gebote regeln das Verhältnis von Mann, Frau, Kindern und Eltern. In Artikel 16, 3 der Erklärung der Menschrechte heißt es: „Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.“ Unsere Verfassung schützt die Ehe und Familie in Art. 6 Grundgesetz in besonderem Maße. Der Staat vertraut das Wohl der Kinder der Familie an, übergibt den Eltern das Recht auf Erziehung der Nachkommen. Es ist eine Art Vertrauensvorschuss in der Erwartung, dass den Mitgliedern Dinge wie Fürsorge, Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Freude, Halt und Hilfe entgegengebracht werden. Der Staat greift nur dann ein, wenn die Familie diese Funktionen nicht erfüllen kann oder will. Was aber ist, wenn diese Auffassung von Familie nicht von allen Gruppen unserer Bevölkerung geteilt wird und besonders die orientalische, die islamisch strukturierte Familie dazu neigt, den Frauen und Kindern ihre Freiheit und Entwicklungsmöglichkeiten vorzuenthalten? Die meisten Frauen, die in Deutschland Zuflucht in Frauenhäusern suchen, kommen aus dem orientalisch-muslimischen Kulturkreis.

Keine Politikerin, kein Verband, keine Stiftung, keine Institution hat bisher die Lage in diesen Familien als Problem gesehen und sich ihm angenommen. Im Bericht der Familienministerin zur Lage der „Gewalt gegen Frauen“ spielte der kulturelle Hintergrund der Taten keine Rolle, sondern wird nur festgestellt, Gewalt würde „quer durch die Gesellschaftsschichten“ ausgeübt. Eine Ausblendung von Fakten, dass dem Diskriminierungs-Tabu geschuldet ist. Vielmehr wird anderenorts die orientalische Gesellschaft für ihren Zusammenhalt gelobt, und der Blick wird eher auf die „Ehe für alle“ und neue Formen des Zusammenlebens gerichtet. Der Grund: Es gibt bewusst so gut wie keine Berichte aus dem Inneren dieser orientalischen Familien-Gemeinschaften, es fehlt der grundlegende und analytische Impuls, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Wenn man sich damit beschäftigte, müsste festgestellt werden: Die orientalische, von archaischen islamischen Vorstellungen geprägte Familie kann von ihrer Konstruktion her wie ein Gefängnis sein. Die Frauen und Kinder sind in diesen Strukturen die Benachteiligten.

Um welche Gruppen geht es? Nicht um die Migrantinnen und Migranten, die Grundregeln unseres Zusammenlebens anerkennen. Und auch nicht um die, die bereits in ihren Herkunftsländern Demokraten waren, für die es selbstverständlich war und ist, in einem freien und demokratischen Land zu Leben. Es geht jedoch um etwa die Hälfte der über vier Millionen seit 1960 zugewanderten ehemaligen „Gastarbeiter“ und traditionell geprägte Migranten aus der Türkei, den arabischen Staaten, dem Maghreb. Es geht um die Familien, die sich mehr schlecht als recht in unseren Rechtsstaat integriert haben, von denen sich ein nicht unerheblicher Teil sogar in einer Art Gegengesellschaft eingerichtet haben und die ihre Identität vorwiegend aus ihrer Herkunftskultur oder Religion beziehen. Sie nehmen einerseits die Errungenschaften und die Sicherheit des sozialen Rechtsstaats mit und leben andererseits unter sich nach ihren Traditionen. Diese Traditionen sind aber nicht mit Folklore zu verwechseln. Damit meine ich die mitgebrachten Vorstellungen, die an die Grenze von Menschenrechtsverletzungen gehen, wie am Beispiel Samima erläutert.

Dazu kommen Gruppen von geflüchteten Menschen und Zuwanderern, die seit 2015 durch den Flüchtlingsstrom aus dem Orient und dem Maghreb gekommen sind, deren Aufenthaltsstatus manchmal ungeklärt ist, die in unsere Gesellschaft drängen, ohne etwas von ihr zu wissen, deren Werte ihnen oftmals egal sind. Diese Menschen wurden meist in Gesellschaften sozialisiert, in denen Unterordnung, Gewalt und „schwarze Pädagogik“ dominieren, in denen weder Freiheit noch Verantwortung zugestanden wurden. Viele sind auch nicht mit dem Willen nach Europa gekommen, um „anders“, also nach westlichen Maßstäben zu leben, sondern vor allem besser und sicherer. Diese Kulturdifferenz führt auch zu Konflikten.

 

Es geht um die Ermächtigung von Frauen und den Schutz von Kindern

In der Politik läuft auch deshalb einiges schief, weil von falschen Voraussetzungen ausgegan­gen wird. Es soll an erster Stelle geholfen werden, Familien sollen gerettet und zusammenge­führt werden, was aber oft die Kulturdifferenz zementiert oder die Abhängigkeitsverhältnisse stärkt. Ich finde, dass Migranten von Beginn an erfahren müssten, dass sie für ihr Schicksal und Handeln auch selbst verantwortlich sind und dass es in dieser Gesellschaft Werte und Normen gibt, die unser Zusammenleben bisher – bis zum Beweis des Gegenteils – erfolgreich gestaltet haben. Deshalb müsste ein Kampf gegen die Strukturen der „unheiligen“, weil für eine freiheitlich rechtsstaatliche Demokratie dysfunktionalen Familie geführt werden. „Vaters Staat“ – das Patriarchat – müsste gestürzt werden, notfalls dadurch, dass die Frauen rechtlich so stark gemacht werden, dass sie ohne Angst die Paschas mit dem Abwasch alleine lassen könnten. Es geht um die Ermächtigung (empowerment) von Frauen in allen rechtlichen und gesellschaftlichen Belangen. Es geht um die Stärkung von Selbstständigkeit und Unverletz­lichkeit von Kindern, um Frauenrechte, denn an den Rechten der Schwachen misst sich die Qualität von rechtsstaatlicher Demokratie.

In diesem Umstand steckt das Dilemma, mit dem ich mich beschäftige: Auf der einen Seite haben wir eine sich öffnende Gesellschaft, die sich in einem langen Prozess aus autoritären Strukturen in Gesellschaft und Familie löst, die bereit ist, für die Freiheit des Einzelnen oder von Minderheiten Gemeinsamkeiten, Traditionen und Regeln neu zu definieren, die jedem und jeder (auch Minderheiten) möglichst keine Verhaltenszwänge auferlegen will; die wie bei der Debatte um die „Ehe für alle“ oder in der „Genderdebatte“ bereit ist, die Grundsätze einer bürgerlichen Gesellschaft neu zu definieren. Man könnte dies auch die allgemeine „Optimie­rung der Freiheit“ nennen. Auf der anderen Seite gilt dieses grundlegende Infragestellen, dieser Zweifel, ob das Bestehende noch den Anforderungen einer sich wandelnden Gesell­schaft entspricht, aber nicht für Alle. Deutschland hat mit vielen vor Jahrzehnten Eingewan­derten, aber auch vor kurzem hierher Geflüchteten, eine stetig wachsende Gruppe, die z.B. den Islam, ganz besonders den politischen Islam als ihre Leitkultur begreift und an denen diese deutsche Debatte um Ehe und Familie komplett vorbeigeht. Sie leben ein anderes Fa­milienleben. Sie sind auf doppelte Weise von der Auseinandersetzung ausgenommen. Zum einen, weil die „Familienpolitiker“ einen Bogen um die Realitäten des muslimisch-orientali­schen Familiensystems machen, und zum anderen, weil die Mehrheit der hierlebenden Mus­lime den eigenen kulturellen Status quo generell nicht in Frage stellt. Es gibt keinen inneris­lamischen Diskurs oder Zweifel an der Legitimität des Patriarchats, und für die Migrations­wissenschaft scheint das Thema, weil theoretisch scheinbar überwunden, auch praktisch erledigt zu sein.

Die Politik leugnet oder verdrängt die Probleme, die sich aus unterschiedlichen kulturellen und religiösen Auffassungen ergeben. Man nimmt die eigene und auch die andere Weltsicht als gegeben hin, ignoriert die Ursachen, kümmert sich bestenfalls - etwa in Frauenhäusern und Sozialstationen - um die Opfer, ohne die Tat zu analysieren und die Täter zur Rechen­schaft zu ziehen.

 

Familie als Nährboden auch des politischen Islam

Die prägenden Elemente der islamischen Leitkultur sind „ʿAsabīya“, der Korpsgeist des Kol­lektivs, der Gemeinschaft der Gläubigen, und „Áqida“, die Glaubenslehre und Ethik des Islam. Und die manifestieren sich in der Familie, dem Kollektiv, der Großfamilie, dem Clan, dem Stamm. Es geht um das autoritäre System der orientalischen Gesellschaft und seine Kern­zelle, die Familie und das Patriarchat. Wer sich mit den autoritären Strukturen der orientali­schen Familie beschäftigt, wird feststellen: Die traditionelle Familie ist auch das Haus des politischen Islam. Ich behaupte, ohne die autoritären Familienstrukturen würde der politische Islam, in dieser Form nicht fortbestehen. Die Männer, Väter, Brüder, Söhne sind die Herrscher und Wächter dieses Hauses, wollen den Status quo aufrechterhalten, und sie herrschen mit dem für sie göttlich legitimen Mittel: mit Gewalt!

Konkret stellen sich folgende Fragen:

  1. Wird auch heute nach den autoritativen Schriften des Islam gelebt und wenn ja, wer und wie konkret?
  2. Spiegelt es die Wirklichkeit wieder, wenn der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban schreibt: „Das Familienrecht ist der Faktor, der eine islamische Gesellschaft am stärksten prägt. Es gestaltet den Alltag der Muslime, verfestigt die Herrschaft des Mannes über seine Kinder, seine Frauen und seine Sklavinnen“?[3]
  3. Was ist davon zu halten, wenn Migrationsforscher sagen, die kulturellen Differenzen von Migranten und Mehrheitsgesellschaft werden sich innerhalb von ein oder zwei Generationen angleichen? Verwachsen sich Unterschiede oder wachsen die sich aus? Werden sich die kulturellen oder religiös bedingten Differenzen durch sozialen Aufstieg ausgleichen?
  4. Ist die Frage von Frauen- und Kinderrechten am Ende eine Frage der Bildung?

Ich meine Nein. Wenn es stimmt, wie Familien-Experten meinen, dass die Kinder in der Fami­lie zu Demokraten oder Diktatoren, zu Sklaven oder freien Bürgern erzogen werden, dann müssen wir uns darum kümmern, was in der orientalischen Gemeinschaft und besonders in der Familie allgemein für Werte vermittelt werden. Denn das Patriarchat und die autoritäre Familie, ihre Bedeutung für die Demokratie , die Rechte, die Entwicklungs- und Entfaltungs­möglichkeiten von Frauen und Kindern, sind nicht nur in den von der orientalisch-islami­schen Kultur geprägten oder beherrschten Ländern selbst ein grundlegendes Thema, son­dern durch die Migration und das Wachstum orientalischer Bevölkerung in Europa auch innenpolitisch und gesellschaftlich in Deutschland und Europa relevant. Nicht nur für die Muslime selbst, sondern für die gesamte Gesellschaft. Autoritäre Familienstrukturen sind Herrschaftselemente der Diktatur und der Unterwerfung und sollten nicht Teil der Sozialisation einer offenen demokratischen Gesellschaft sein.

 

Familie als Kernzelle einer freien Gesellschaft

In der europäischen Gesellschaft hat sich die Rolle der Familie in den letzten Jahrzehnten maßgeblich verändert. Die Familie hat sich von einer vom Mann bestimmten „Hausgemein­schaft“ zu einer multifunktionalen gesellschaftlichen Kernzelle gleichberechtigter Partner entwickelt, in der in maßgeblicher Weise eine wertorientierte Sozialisation der Kinder statt­findet im Sinne eines emanzipierten, im besten Fall auf Freiheit, Verantwortung, Selbständig­keit und Zukunftsfähigkeit ausgerichteten Zusammenlebens. Die Familie als Kernzelle einer freien, emanzipierten Gesellschaft.

Der Staat überlässt aufgrund dieser gemeinsamen Überzeugung den Eltern die primäre Verantwortung für die Erziehung der Kinder, räumt der Familie besonderen Schutz und Förderung ein. Oberster Maßstab ist dabei immer: „Das Wohl des Kindes“. Können Familien dies aus bestimmten Gründen nicht leisten, sprechen wir von dysfunktionalen Familien, denen staatlicherseits über Jugendämter etc. Hilfe und Unterstützung gewährt wird. Was ist aber, wenn die Auffassung von Familie als Kernzelle einer demokratischen Gesellschaft, wie beschrieben, aus religiösen oder traditionellen Gründen nicht geteilt wird? Wenn der Vater, der Auffassung ist, Frau oder Frauen und Kinder seien sein Besitz und haben ihm zu dienen? Wenn er der Meinung ist, seine Frauen dürften ohne seine Genehmigung nicht das Haus verlassen, alle Familienmitglieder hätten ihm zu dienen? Wenn er weiter überzeugt ist, dass er zu bestimmen habe, ob seine Tochter Kopftuch trägt, wie lange sie zur Schule geht, ob sie schwimmen lernt oder wen und wann sie heiratet. Gilt der Schutz der Familie auch, wenn sie auf diese Art zu einem „Gefängnis“ wird?

Wir können lange über Grundwerte wie Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit etc. disku­tieren, wenn wir nicht in der Lage oder Willens sind, sie in unserer Gesellschaft auch einzu­fordern. Wenn dies zur Sprache gebracht wird, wird schnell abwehrend von Generalverdacht und Pauschalurteil gesprochen, und wenn man Beispiele nennt, werden diese als Einzelfälle abgetan. Dabei müsste es eigentlich bekannt sein, dass es Zwangsverheiratung oder Kinder­ehen gibt. Auch ist bekannt, dass die überwiegende Zahl der Frauen türkischer/muslimischer Herkunft keiner Erwerbsarbeit nachgeht (nachgehen kann), weil sie früh verheiratet wurde, keine Gelegenheit auf eine Ausbildung hatte oder in prekären Verhältnissen beschäftigt ist. Gelten für diese Gruppe  - und es gibt noch eine Reihe anderer Bereiche – unsere Grundrechte nicht?

Wir haben in einer freien Gesellschaft absurder Weise nicht viele Möglichkeiten, gegen solche Zustände von Unfreiheit vorzugehen, außer sie laut zu beklagen. Wir können Gesetzte beschließen, wie das gegen Zwangsheirat, welches aber niemanden interessiert, wenn es keine Öffentlichkeit gibt. Wo keine Klägerin, da auch kein Richter. Aber wir können und müssen uns einmischen, müssen motivieren und fördern und wo nötig auch kontrollieren.

 

Schlussfolgerungen: Schutz und Rechte von Frauen und Kindern stärken

  • Die orientalische Familie ist das Haus des Islam. Dieses Haus wird von Männern beherrscht.
  • Die Frauen wurden nicht wie von der islamischen Lehre behauptet durch den Propheten Mohammed befreit, sondern sie wurden schon zu Beginn durch die Stammeskriege versklavt. Das bedeutet, die Männer des überfallenen Stammes wurden umgebracht, die Frauen und Kinder wurden verschleppt und versklavt. So entstanden die Sklavenmärkte im Orient. Die verschleppten Frauen, die Kriegsbeute waren, wurden zur Beute der Männer und ein lukratives Geschäft. So gab es zum Beispiel bis 1923 im osmanischen Reich oder bis 1932 in Marokko offiziell Sklaven, die in den Häusern den Herren dienten. Bis heute ist diese Geschichte nicht aufgearbeitet. Auf dieser Rolle der Frau als Dienerin basiert auch das islamische Familienrecht, bis heute, in vielen orientalischen Staaten. 
  • Die von mir so genannte „unheilige Familie“, also die islamischen Familienstrukturen im Orient und durch Migration auch in westlichen Gesellschaften, sind dysfunktional, weil sie im Kern nur durch soziale Kontrolle und auch Gewalt funktionieren. Sie haben nichts mit der im Grundgesetz geschützten Familie, der Kernzelle einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft gemein, im Gegenteil.
  • Deutsche und europäische Politik gehen, wenn sie von orientalischer Familie sprechen, zum Beispiel im Zusammenhang von Familienzusammenführung, von falschen Voraussetzungen aus. Indem sie Großfamilien im Westen wieder zusammenbringen, werden diese mit ihren Abhängigkeitsverhältnissen importiert und zementiert. 
  • Die Migrationsforschung in Deutschland folgt großenteils dem ideologischen Konstrukt eines Multikulturalismuses. Sie vermeidet damit die Auseinandersetzung über die Ursachen familiärer Unfreiheit für Frauen und betreibt vornehmlich Vorurteilsforschung in dem Sinne, dass sie zwar nach den Vorurteilen der Deutschen gegenüber Fremden fragt, aber gegenüber bestimmten „Fremden“ nicht dieselben Fragen stellt. Diese einseitige Forschung ist zum großen Teil verantwortlich für das teilweise Scheitern der bisherigen Integration, weil sie vorhandene Probleme relativiert und verbindliche Wertorientierungen mit Hinweis auf die kulturelle Vielfalt ablehnt. Sollen auf dies Weise vielleicht Migranten Mündel einer „Helfernation“ bleiben?
  • Seit 2015 hat sich die Aufgabe der Integration erneut verändert, weil wir es mit einem anderen Typus von Migrantinnen und Migranten zu tun haben: Die „neuen Flüchtlinge“ haben eine andere Sozialisation als die bisherigen Zuwanderer. Die meisten kommen aus Gesellschaften, in denen Unterordnung, Gewalt und „schwarze Pädagogik“ vorherrschen, in denen weder Freiheit gewährt noch Eigenverantwortung geübt wurde. Wir müssen deshalb den Schutz und die Rechte von Frauen und Kindern in diesen Familien stärken.

 

Was tun? Gesetzgeber, Medien und politische Bildung sind gefordert

  • Es geht um die Ermächtigung und den Schutz vor allem von Frauen und Kindern.
  • Konkret könnte zum Beispiel die Kontrolle von körperlicher Unversehrtheit bei Mädchen bis 14 Jahre zum Schutz vor Genitalverstümmelung durch verpflichtende U-Untersuchungen (U1 bis U11, J1 und J2) gewährleistet werden, um sofortige Schutzmaßnahmen bei Kindesmisshandlungen und Kinderrechtsverletzungen vornehmen zu können.
  • Zwangsehen müssen konsequent verfolgt, Kinderehen dürfen unter keinen Umständen anerkannt werden.
  • Familienzusammenführungen von Männern mit mehreren Ehefrauen (Polygamie) darf es nicht geben.
  • Flüchtlingsfrauen und Migrantinnen brauchen einen eigenen Aufenthaltsstatus, eine eigene Kontobefugnis, die Mitunterschrift bei Verträgen (z.B. Mietvertrag) und Anspruch auf einen Teil des Kindergeldes.
  • Ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren sollte erlassen werden. Damit die Schule für alle Mädchen ein neutraler Raum sein kann, wo das Kind zu einem selbstständig denkenden Menschen gebildet wird.

Neben den Forderungen an die Politikerinnen und Politiker braucht das Thema eine breite politische Debatte, öffentliche Aufklärungsarbeit und sollte deshalb ein wichtiges Thema für die politische Bildungsarbeit sein.

 

Zur Autorin:

Necla Kelek, geb. 1957 in Istanbul, 1966 Familienumzug nach Deutschland, Ausbildung als Technische Zeichnerin, Studium der Volkswirtschaft und Soziologie, seit 1994 deutsche Staatsbürgerin, Abschluss als Dipl. Volkswirtin an der Universität Hamburg, 2002 Promotion an der Universität Greifswald mit einer Untersuchung über die Bedeutung islamischer Religiosität für die Lebenswelt türkischstämmiger Schulkinder, 1999 bis 2004 Lehrbeauftragte für Migrationssoziologie an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie in Hamburg, danach Arbeit als freie Autorin, Beraterin, 2005 bis 2009 Mitglied der Islam-Konferenz der Bundesregierung, Mitglied im Senat der Deutschen Nationalstiftung. Ihre Bücher „Die unheilige Familie“, der Bestseller "Die fremde Braut" (2005), "Die verlorenen Söhne" (2006) und "Bittersüße Heimat" (2008) haben in den letzten Jahren die Diskussion um Integration und den Islam in Deutschland nachhaltig geprägt. In ihrem Buch „Himmelsreise: Mein Streit mit den Wächtern des Islam“ (2010) wendet sie sich gegen die Verharmlosung des Islam, der - trotz regionaler Unterschiede - Lebenskonzept, Ideologie und Politik zugleich sei. Dem folgten 2012 die beiden Bücher: „Hurriya heißt Freiheit: Die arabische Revolte und die Frauen – eine Reise durch Ägypten, Tunesien und Marokko“, sowie „Chaos der Kulturen: Die Debatte um Islam und Integration“. Zuletzt ist von ihr das Buch erschienen: „Die unheilige Familie. Wie die islamische Tradition Frauen und Kinder entrechtet, München 2019.“ Auszeichnungen u.a.: Geschwister-Scholl-Literaturpreis 2005, Hildegard-von-Bingen-Preis 2009, Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung 2010.

 

[1] Vgl. Rita Breuer, Familienleben im Islam, Herder Verlag 1989 und Christine Schirrmacher/Ursula Spuler-Stegemann, Frauen und die Scharia, Diederichs Verlag 2004.

[2] Zitiert nach Luise Samman: Religiöses Rechtssystem. Bald Mufti-Ehe in der Türkei, in: Deutschlandfunk vom 10.8.2017, http://www.deutschlandfunk.de/religioeses-rechtssystem-bald-mufti-ehe-in-der-tuerkei.886.de.html?dram:article_id=393058

[3] Ralph Ghadban, Arabische Clans, Die unterschätzte Gefahr, Berlin 2018, S. 33.

Ansprechpartner

Stephan Georg Raabe

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