Veranstaltungsberichte

IV. Internationale Konferenz Oswaldo Payá Sardiñas

Reflektionen über die Gültigkeit des christlichen Humanismus

Am Samstag, den 14. Januar veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung gemeinsam mit drei weiteren Partnerorganisationen - der Universidad Miguel de Cervantes, dem Centro Democracia y Comunidad sowie dem Centro de Estudios y Gestión para el Desarrollo - das IV. Internationale Zusammentreffen Oswaldo Payá Sardiñas im Auditorium des Colegio San Ignacio in Santiago. In der akademischen Reflexion standen Sinn, Reichweite und vor allem Gültigkeit des christlich-humanistischen Gedankenguts im Vordergrund.

Die diesjährige vierte Internationale Konferenz Oswaldo Payá, welche auf Initiative der Universidad Miguel de Cervantes und der Konrad-Adenauer-Stiftung in Chile jährlich Christdemokraten zahlreicher Länder zur Reflektion und Diskussion christdemokratischer Werte zusammenbringt, fand in Gedenken an den ehemaligen chilenischen Präsidenten Patricio Aylwin Azócar statt, der als erster demokratisch gewählter Präsident nach der langjährigen Militärdiktatur Augusto Pinochets von 1990 bis 1994 an Chiles Spitze stand.

Der Namensgeber der Veranstaltung, Oswaldo Payá, der 2012 verstorben ist, war Anführer der kubanischen Opposition. Er engagierte sich für eine Bewegung der Demokratie, für christliche Werte und Menschenrechte. Dafür wurde er in seinem eigenen Land verfolgt und als Feind betrachtet, in anderen Ländern hingegen für sein Engagement bewundert und ausgezeichnet.

Beim Zusammentreffen im Januar 2017 waren zahlreiche internationale Wissenschaftler, Abgeordnete und Professoren zugegen. Diese kamen unter anderem aus Panama, Mexiko, Venezuela und Spanien angereist. Über 300 Interessierte aller Altersklassen verfolgten die ganztägige Veranstaltung im historischen Auditorium der Jesuitenschule Colegio San Ignacio, welche bereits Tage zuvor in einschlägigen Tageszeitungen angekündigt worden war.

Das diesjährige Programm wurde in fünf unterschiedliche Einheiten eingeteilt, die sich mit Themen rund um den Hauptgedanken der Veranstaltung drehten: Sinn, Reichweite und Gültigkeit des christlich-humanistischen Gedankenguts. Die Themenblöcke handelten unter anderem von „Staatsoberhäuptern, die Geschichte machten: Konrad Adenauer, Alcide De Gasperi und Patricio Aylwin“; von politischen Aktionen „zwischen dem Ideal, dem geringen Übel und dem möglichen Guten“ und von „Reflektionen 500 Jahre nach den protestantischen Reformen“.

Zunächst wurde die Veranstaltung durch einen Vertreter der Jesuiten eingeleitet, der die Wichtigkeit des Dialogs betonte. Padre Fernando Montes Matte zeigte in seiner Darstellung über „die Kultur des Zusammentreffens“ auf, dass die Kultur uns Menschen formt und das Wichtigste sei, diese zu teilen. Er bezeichnete die Kultur als ein Geschenk der Gesellschaft, welches erhalten und geschützt werden müsse. Seiner Meinung nach solle man im Leben nicht ausschließlich nach Perfektionismus streben, denn „Perfektion könne entmenschlichen“.

Anschließend referierte Josep Durán i Lleida, Politiker, Anwalt und ehemaliger Leiter der Kommission der Königlichen Akademie Spaniens, über drei herausragende Staatsoberhäupter aus Deutschland, Italien und Chile; Er zeichnete ein starkes Bild der politisch-diplomatischen Herangehensweise Adenauers, De Gasperis und Aylwins. Beispielsweise erwähnte er hierbei den Aufbau einer funktionierenden Wirtschaft durch Adenauer, der bekräftigte, dass „die Wirtschaft den Menschen von Nutzen sein solle und nicht anders herum“. Vasco Torres de León griff diesen Aspekt erneut auf und betonte, dass „diese drei Männer Menschen waren, die sich nicht für ihre nächste Wahl, sondern für die nächste Generation interessierten“.

Der Abschnitt nach der Mittagspause behandelte die Themen Vermächtnis und Bezeugung. Hier sprachen unter anderem Mariana Aylwin, die Tochter des chilenischen Ex-Präsidenten Patricio Aylwins, sowie ehemalige Abgeordnete und ein Mitglied der sozialistischen Koalition Salvador Allendes der Unidad Popular. Hervorgehobene Gedanken Aylwins waren an dieser Stelle, dass „es notwendig sei, zu vergeben ohne zu vergessen“ – eine Stärke, die von Patricio Aylwin gelebt wurde. Jorge Arrete, Anführer der Linken in Chile und ehemaliger Minister in Aylwins Kabinett, berichtete von seinen 14 Jahren im Exil, wo er als Sozialist und Mitglied der Unidad Popular, der Koalition, dessen Kandidat Salvador Allende war, von 1973 an bis 1987 lebte. Er kannte Patricio Aylwin persönlich und stellte seine positiven Erinnerungen an den verstorbenen Ex-Präsidenten dar, welchen er als Präsidenten unterstützte und hinter dem er bei den ersten Wahlen nach der langen Diktatur Pinochets gemeinsam mit den Sozialisten stand.

Über 300 Interessierte nahmen - trotz Haupturlaubszeit - an der Veranstaltung teil. Diese beeindruckende Ziffer unterstreicht noch einmal die Gültigkeit der christlich-demokratischen Werte und wie wichtig es ist, über zukünftige Herausforderungen zu debattieren.

Kontakt

Andreas Michael Klein

Andreas Michael Klein bild

Leiter des Regionalprogramms Politikdialog Asien

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