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Veranstaltungsberichte

IX. Bilaterales Seminar im Rahmen des Projekts "Generation des Dialoges zwischen Chile und Peru"

Die Beziehungen zwischen Chile und Peru: Wirtschaft und Handel, Migration und die regionale Eingliederung

Im Rahmen des Projekts "Generation des Dialoges zwischen Chile und Peru" traf sich gleichnamige Studiengruppe am 22. und 23. Mai 2014 in Santiago de Chile zum IX. Bilateralen Seminar mit dem Thema „Die Beziehungen zwischen Chile und Peru: Wirtschaft und Handel, Migration und die regionale Eingliederung“.

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Zum IX. Bilateralen Seminar des Projekts Generation des Dialoges zwischen Chile und Peru reiste der peruanische Teil der Studiengruppe mit 11 Teilnehmern an. Am Donnerstag, den 22. Mai 2014, fand das Seminar im Instituto de Estudios Internacionales (Institut für internationale Studien) statt und war sowohl für die ständigen Seminarteilnehmer, als auch zum ersten Mal für die Öffentlichkeit zugänglich. Zum Publikum zählten unter anderem hochrangige Persönlichkeiten wie der peruanische Botschafter Carlos Pareja Ríos, die österreichische Botschafterin Dorothea Auer sowie Oberst Diego Jiménez, Leiter des Zentrums für militärische Studien und Forschung der Armee. Nach einer Begrüßung durch die beiden Leiter der Auslandsbüros der Konrad Adenauer Stiftung (Holger Haibach für Chile und Reinhard Willig für Peru), sowie die jeweiligen Leiter der Institute für internationale Studien der teilnehmenden Universitäten (José Morandé von der Universität Chile und Fabián Novak von der Katholischen Universität Perus) begann die erste Sitzung zum Thema Wirtschaft und Handel zwischen beiden Ländern.

Jaime García, Wirtschaftsprofessor an der Universität Lima, eröffnete das Seminar mit seinem Vortrag „Handel und Investition zwischen Peru und Chile“. Hierbei stellte er die größten Herausforderungen für Peru hinsichtlich seiner Exporte nach Chile dar: Bewahrung des volkswirtschaftlichen Gleichgewichts, strukturelle Restriktionen wie Armut, Bildung, Gesundheit und die Drogenproblematik sowie die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Bei der Eingliederung Perus in Freihandelszonen wie der Pazifischen Allianz, der Asiatisch-pazifisch wirtschaftlichen Zusammenarbeit (APEC) und dem Freihandelsabkommen zwischen Chile und Peru muss die peruanische Regierung Themen wie Migration, Energie, Investition und Staatsausgaben mitbeachten.

Im Anschluss folgte Rosa Bueno, peruanische Anwältin, die nicht persönlich am Seminar teilnehmen konnte und deshalb per Videokonferenz zugeschaltet wurde. Ihr Beitrag „Peru und Chile: Aufgabenschwerpunkt innerhalb der Pazifischen Allianz“ handelte von bereits erzielten Erfolgen innerhalb der Allianz, wie zum Beispiel gemeinsame Abkommen und Plattformen für Studenten. Zu den Fortschritten im Falle von Chile und Peru zählt sie vor allem die Zusammenarbeit im Bereich des Tourismus sowie die Beziehungen der beiden Länder mit Drittländern.

Dorotea López, Dozentin an der Universität Chile, ging in ihrem Vortrag ebenfalls auf den Handel und die Investitionen der beiden Länder ein, diesmal aus chilenischer Sicht. Sie betonte die konjunkturellen Ähnlichkeit der beiden Länder, den großen Anteil kleinerer und mittlerer Unternehmen am bilateralen Handel sowie die Eingliederung in den internationalen Kontext, der jedoch noch genauer definiert werden müsse.

Den Abschluss der ersten Runde bildete Francisco Prieto, Professor des Heidelberg Zentrums für Lateinamerika, mit seiner Präsentation „Chile und Peru im Rahmen der Pazifischen Allianz und der Transpazifischen Partnerschaft (TPP)“. Er beschäftigte sich mit der Frage, ob es sich bei den beiden Abkommen um einen Ersatz oder eine Ergänzung des einen für das andere handelt und welche Defizite die Pazifische Allianz verglichen mit dem TPP aufweist.

In der folgenden Diskussionsrunde ging es unter anderem darum, inwieweit die Zusammenarbeit der beiden Länder über wirtschaftliche Themen hinausreicht und ob diese zum Beispiel auch hinsichtlich Naturkatastrophen und dem Klimawandel möglich sei. Die Referenten waren sich darüber einig, dass die Integration der beiden Länder in mehreren Etappen stattfindet und deshalb nach dem ersten, wirtschaftlichen Schritt, auch über eine Ausweitung der Zusammenarbeit nachgedacht werden kann. Des Weiteren wurde über die Meinung der Arbeitnehmer in beiden Ländern bezüglich der chilenisch-peruanischen Beziehung, die Wichtigkeit der Mitgliedschaft für die neue Regierung Bachelet sowie die Möglichkeit der Einbeziehung Chinas in die Freihandelszonen diskutiert.

Carolina Stefoni, Leiterin des Lehrstuhls für Soziologie an der Universität Alberto Hurtado, leitete mit ihrem Vortrag „Chile und Peru: Migrationsbewegungen – Dimension einer Integration oder Äußerung einer Exklusion?“ die zweite Sitzung zum Thema Migration ein. Sie wies darauf hin, dass es Änderungen in der Politik und der Rechtslage dieses Themas geben müsse, um hier häufig auftretende Konflikte zu vermeiden. Das Thema Migration muss ihrer Meinung nach wieder mehr in den Blickpunkt der Politik rücken, um so die Diskriminierung und den Rassismus, den Migranten oft erfahren, zu beenden.

Anschließend stellte Luis García-Corrochano, Professor an der Akademie für Diplomaten Peru, einige Fakten zur Situation des peruanischen Migranten vor. Während viele der Migranten auf dem Weg, sich ein neues Leben aufzubauen, scheitern, gibt es nur sehr wenige, die erfolgreich und mit Kapital in ihre Heimat zurückkehren. Chile ist für peruanische Migranten das fünft-beliebteste Auswanderungsland, 60% der peruanischen Migranten sind Frauen und 80% unterstützen ihre Familien in der Heimat mit regelmäßigen Geldsendungen. Diese sogenannten „remesas“ waren auch in der abschließenden Fragerunde nochmal Thema: ihre Wichtigkeit wurde deutlich, da mit ihnen im Jahr 2012 in Peru fast der gleiche Anteil an Einnahmen erzielt wurden wie durch den Tourismus.

Als nächstes referierte Helena Olea, Dozentin an der Universität Diego Portales, über die Bedingungen einer Migrationsreform. Sie wies auf drei Punkte hin, die mehr in den Fokus gerückt werden müssen: die Beachtung der Menschenrechte der Migranten (häufig erfahren sie Gewalt auf ihrem Weg in das Nachbarland), die Rückweisungen an der Grenze (hier schlägt Olea ein direktes Abkommen zwischen den Grenzstädten Tacna und Arica vor) sowie die Ausweisungen von bereits migrierten Personen. Um ein neues Migrationsgesetz zu schaffen ist laut der Dozentin ein Paradigmenwechsel unumgänglich.

Letzte Referentin zum Thema Migration war die Professorin der Universität Antonio Ruiz de Montoya, Lucía Alvites. In ihrem Vortrag „Peruanisch-chilenische Migration: Realität und Möglichkeiten für die Integration“ ging sie zuerst auf die Fakten der Migration aus chilenischer Sicht ein und erläuterte anschließend die Möglichkeiten zur regionalen Einbeziehung. Ein Abkommen zum Aufenthaltsrecht der Migranten innerhalb des MERCOSURs (Gemeinsamer Markt Südamerikas), mehr Bemühungen in den Grenzstädten Airca und Tacna sowie Initiativen in Schulen wie das Feiern der Nationalfeiertag des anderen Landes sind für sie Möglichkeiten, die Eingliederung voranzutreiben.

Die dritte Themenrunde zur regionalen Einbeziehung und Entwicklung der beiden Länder wurde von Fabián Nóvak eröffnet. Sein Vortrag „Peru, die Pazifische Allianz und seine Beziehung mit Brasilien“ verdeutlichte die Wichtigkeit der Beziehung Perus zu Brasilien, die sich aber laut Nóvak erst langsam entwickelt hat. Um die regionalen Verbindungen weiterhin auszubauen und zu festigen, müssen Chile und Peru in ihrem politischen Handeln offen gegenüber Drittländern sein.

Mario Artaza, ehemaliger chilenischer Botschafter in Großbritannien und den USA, folgte mit der chilenischen Integration innerhalb der Region. Laut Artaza ist Chile gut in dem internationalen Kontext eingegliedert, was vor allem an der Stellung Chiles als „Brückenbauer“ für andere Länder deutlich wird. Die starken Beziehungen zu Peru und Bolivien sowie die Mitgliedschaft in der Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) und der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten sind besonders wichtig für Chile.

Im Anschluss folgte ein Beitrag von Sebastien Adins, Professor an der Universität San Ignacio de Loyola, zum Thema „Peru und die UNASUR“. Nach einem historischen Überblick der UNASUR und der Stellung Perus in der Gemeinschaft, zeigte er mögliche Projekte für die Zukunft der Internationalen Organisation auf. Hierzu zählt er die Funktionsdefinition der verschiedenen regionalen Organe, die Bildung von Untergruppen innerhalb der UNASUR nach dem Vorbild der Benelux-Staaten und das Bewusstmachen der Notwendigkeit der regionalen Eingliederung für einen Staat.

Der letzte Vortrag zum Abschluss des ersten Tages kam von Paz Verónica Milet, Dozentin des Instituts für internationale Studien der Universität Chile. Sie sprach über die Stellung Chiles im Rahmen neuer regionaler Projekte. Hierbei betonte sie das von Anfang an vorhandene chilenische Engagement innerhalb des Prozesses der regionalen Eingliederung und wies darauf hin, dass man hinsichtlich der verschiedenen Mitgliedschaften Prioritäten setzen müsse, um so seine Stellung innerhalb der Region deutlich zu machen und zu festigen.

Die Studiengruppe wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte zu ihrem nächsten Treffen zusammenkommen.

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