"Raus aus dem Gleichklang der Hörigkeit"

von Gabriele Stötzer
von Axel Reitel

Die Künstlerin und Schriftstellerin Gabriele Stötzer im Gespräch mit Axel Reitel

Das Interview mit Gabriele Stötzer ist der vierte Teil einer Serie, in der der einstige DDR-Oppositionelle Axel Reitel seine Gesprächspartner – wie er ebenfalls politische Häftlinge – zu ihren Hafterfahrungen und den daraus erwachsenden Konsequenzen befragt. Reitel, geboren 1961 in Plauen (Vogtland), wurde 1982 von der Bundesrepublik Deutschland „freigekauft“. Heute arbeitet er als Journalist und Schriftsteller.

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Liebe Gabriele, 23­jährig wurdest Du verhaftet und später zu einem Jahr wegen „Staatsverleumdung“ verurteilt. Was hattest Du „verbrochen“?

Gabriele Stötzer: Meine „Schuld“ war, dass ich Unterschriften gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR gesammelt hatte – so wie ich Jahre zuvor gegen die Inhaftierung von Mikis Theodorakis durch die griechische Militärdiktatur Unterschriften gesammelt hatte. Die Solidarität mit kritischen Sängern war in der DDR bis dahin immer groß gewesen, und plötzlich hatten wir selbst einen, der Solidarität brauchte. Für mich war es eine Katastrophe, dass „unser“ Sänger weggehen musste.

 

Du kamst ins Frauengefängnis Hoheneck in Stollberg (Sachsen), den „dunklen Ort“, wie es hieß. Was waren prägende Eindrücke?

Gabriele Stötzer: Hoheneck war das härteste Frauengefängnis der DDR. Dort gab es neben politischen Gefangenen auch Schwerstverbrecherinnen, etwa Mörderinnen und Bankräuberinnen. Mich hat damals umgehauen, wie viel zerstörerische Kraft in Frauen liegen kann. Über die Zeit wurde daraus auch die Erkenntnis, wie viel kreatives Potenzial es in Frauen gibt, welche starken Leidenschaften sie entwickeln können. Frauen liebten sich da drinnen. Vorher gab es in der DDR für mich keinen Begriff davon, was lesbisch oder schwul bedeutet. Darüber munkelte man nur, aber in Hoheneck habe ich es miterlebt. Und das war wahrscheinlich schon ein bewusstseinserweiternder Faktor. Meist aber war die Erfahrung deprimierend: Ich habe im Drei-Schicht-System Strumpfhosen genäht und musste oft auch noch an den Wochenenden arbeiten. Dann gab es zwar Sonderrationen, aber es war ein wahnsinniger Arbeitsstress.

 

Kriminell oder politisch – wie waren die Unterschiede?

Gabriele Stötzer: Die Politischen haben sich im Knast verweigert, wo es nur möglich war. Für die meisten von ihnen war der Knast ein Übergang in den Westen – dort lag für sie der eigentliche Sinn. Die Kriminellen haben im Knast gelebt, hatten eine andere Beziehung zu Frauen und haben weit mehr „grenzüberschreitende Ideen“ entwickelt. Die Politischen hätten beispielsweise nie ein Wort verloren über die Frisur einer „Wachtel“, wie wir die Aufseherinnen nannten. Uns war sehr bewusst, dass sie den Staat verkörperten, der uns unterdrückte. Das konnte auch kein schönes Gesicht retuschieren. Die Kriminellen haben dagegen auch zum Wochenendfunk mal getanzt und sich auch mal schöngemacht.

 

Viele politische Häftlinge sind von dort in den Westen gegangen. Warum wolltest Du das nicht?

Gabriele Stötzer: Einerseits hatte ich mir die Idee von Wolf Biermann und Robert Havemann angeeignet, dass der Sozialismus reformiert werden muss. Andererseits sind mir im Knast alle Illusionen über die DDR verlorengegangen. Dazu gehörte auch, dass sie Gefangene in den Westen verkaufte. Von da an wusste ich, dass es ein totales Pleitesystem war, und zwar nicht nur ideell, sondern auch vom Herzen her. So einfach in den „goldenen Westen“ wollte ich nicht gehen. Ich wollte ja eigentlich, dass Biermann zurückkommt. Vor allem aber wollte ich im Osten mit dem totalen Einbruch aller äußeren Möglichkeiten ein wirklich eigenes Leben suchen.

 

Und wie funktionierte das konkret?

Gabriele Stötzer: Ab 1980 hatte ich die private „Galerie im Flur“ in Erfurt, die Künstler ausstellte, die nicht den offiziellen sozialistischen Realismus darstellten und meist autodidaktisch eigene Formen suchten. Gleichzeitig veranstalteten wir im Hof eines verlassenen Forsthauses im Eichsfeld Pleinairs. Die Galerie wurde im Frühjahr 1981 verboten, und im Sommer das Pleinair. Woraufhin wir weitere Pleinairs organisierten, um wieder und wieder verboten zu werden. Wir haben mit der Stasi gegen alle diese Verbote gelebt. Hätte man gewusst, wen man als

„IM“ antrifft, wenn man einmal in seine Stasi­Akte blickt, man wäre an Ort und Stelle zusammengebrochen. Aber man wusste es damals nicht und machte im vollen Vertrauen zueinander weiter.

 

IM ist nicht gleich IM, heißt der aktuelle Konsens …

Gabriele Stötzer: Im Liquidierungsprozess der „Galerie im Flur“ wurden die Männer zum Grundwehrdienst oder zur Reserve eingezogen. Einem sagte die Stasi: „Sie haben doch so einen netten kleinen Jungen. Können Sie ihn denn überhaupt sozialistisch erziehen oder müssen wir ihnen den Jungen wegnehmen?“ Da hat er unterschrieben. Ein anderer hat gesagt: „Nein, ich gehe gar nicht zur Reserve“, und musste dafür ein halbes Jahr in den Knast.

 

Wie kam es zu der Entscheidung, Künstlerin und Schriftstellerin zu werden?

Gabriele Stötzer: Das war im Knast, genauer im Knastkrankenhaus, wo man mich wegen einer Fehldiagnose zwangsoperiert hatte. Da sagte ich mir: „So, jetzt hast Du alles verloren, jetzt kannst du auch Künstlerin werden.“ In meiner Kindheit war dieser Gedanke schon einmal da gewesen, aber ich hatte ihn verdrängt, weil ich auch schulischen Erfolg hatte, das Abitur in der Abendschule machte und an der Pädagogischen Hochschule Erfurt mit einem Leistungsstipendium studierte. Aber diese früheren Perspektiven sind im Knast implodiert.

 

Früher, als Studentin, standest Du bereits dem Jenaer Kreis um Jürgen Fuchs nahe …

Gabriele Stötzer: Fast alle waren von dem Stoff an der Pädagogischen Hochschule unterfordert. Unser Kommilitone Wilfried Linke schrieb an die Hochschulzeitung einen Artikel gegen die Ideologisierung des Studiums. Er machte mich auch mit Jürgen Fuchs bekannt, der damals noch in die Partei wollte, um auf den Sozialismus von oben Einfluss zu nehmen. Wir in Erfurt haben die FDJ-Leitung in unserer Seminargruppe übernommen und dann versucht, mit der Hochschulleitung über neue Inhalte zu diskutieren. Dabei wurde natürlich klar, dass das „Gruppenbildung“ war, wovor die oberen Reihen am meisten Angst hatten. Als „Staatsfeinde“ haben sie erst Wilfried und dann drei Studentinnen von uns mit einem generellen Hochschulverbot an allen Hochschulen der DDR exmatrikuliert. Wir mussten zur „herrschenden Klasse“, der Arbeiterklasse, arbeiten gehen.

 

Nach der Entlassung aus dem Gefängnis wurdest Du zum Spielball der Stasi?

Gabriele Stötzer: Nach dem Gefängnis musste ich zur Bewährung in die Produktion. Nach drei Jahren kündigte ich, weil ich mein Versprechen aus dem Knast, Kunst zu machen, endlich leben wollte. Ich führte dann in Erfurt eine Privatgalerie weiter, als ihr Gründer, der Künstler Peter Peinzger, nach Berlin zurückging. In der Galerie haben sich erneut Leute versammelt – ich brauchte immer Leute, die mitmachten und die mich süchtig machten, an Ideen zu arbeiten. Die Stasi war darauf aus, uns zu verunsichern und zu isolieren. Umso mehr brauchten wir als Künstlerinnen und Künstler andere, um an uns zu glauben.

 

Es war ein spezielles Künstler-Biotop …

Gabriele Stötzer: Ich habe umgemünzt, was ich dachte. Und als Erstes dachte ich: „Jetzt bist du arm und brotlos!“ Darin sah ich die Voraussetzung meiner Kunst. Tatsächlich war es sehr produktiv, weil wir im Osten alles selbst machen mussten: die Untergrundzeitung bis hin zur Untergrundausstellung. Ich spreche von „Untergrund“, weil es vom Gefühl her so war und auch von der Stasi so definiert wurde.

 

In Stasi­Sprache: „PUT“ oder „Politische Untergrundtätigkeit“ …

Gabriele Stötzer: Mit dieser Kategorisierung gab es keine Chance, in einen Künstler- oder Schriftstellerverband zu kommen, was uns geschützt hätte. Wir waren immer mit einem Bein im Gefängnis. Damit musste man leben lernen, neben dem ganzen Elan, Künstlerin zu sein. Alles an Furcht habe ich in den Wind geschlagen, selbst die Angst meiner Eltern. Auch ihnen oder meinen Geschwistern zuliebe habe ich nichts unterlassen oder mich erpressen lassen.

 

Was waren das für Untergrundzeitschriften?

Gabriele Stötzer: Wir haben Zeitschriften gemacht wie „Mikado“ oder „Ariadnefaden“, in Dresden die Zeitschrift „Und“. Sie wurde in einer Auflage von fünfzehn Stück hergestellt, um unter dem Limit einer genehmigungsbedürftigen Auflage zu bleiben – und nicht kriminalisiert zu werden. Beispielsweise wurden mit Schreibmaschine fünfzehnmal Manuskripte mit Durchschlagpapier getippt und zu fünfzehn Heften zusammengebunden. Andere schickten fünfzehn Durchschläge von ihren Gedichten oder fünfzehn Zeichnungen.

Drucken konnte man eventuell bei der Kirche. Da gingen auch Verbandskünstler hin, um unsere Lesungen zu hören. Danach sagten sie: „So eine tolle Literatur! Gebt uns mal ein Gedicht!“ So fanden wir uns immer einmal in einer öffentlichen Ausgabe wieder. Jan Faktor, Uwe Kolbe und Bernd Wagner, die selbst nur gerade noch in den Verband gekommen waren, haben das für uns gemacht.

 

Das klingt kollegial …

Gabriele Stötzer: Absolut, sie haben uns immer wieder einbezogen, weil wir ein Denken jenseits des sozialistischen Realismus mitbrachten. Der Dramatiker Volker Braun sagte, die DDR sei das langweiligste Land der Welt. Und wir waren interessante „Köpfe“, die außerhalb der staatlichen Begrenzungen schrieben – nur das, was wir wollten, und dies vielleicht auch innerlich mussten.

Als Künstlerinnen und Künstler bewegten wir uns außerhalb des Offiziellen, ohne Auftraggeber und Auftrag, völlig autonom. Im „Untergrund“ waren wir befreit von Grenzen und wollten neue Grenzen austesten: Was ist unsere eigene Kraft? Was geht über die Spießigkeit der DDR und die Reduktion auf die Ideologie hinaus?

 

Als Schriftstellerin gehörtest Du welcher literarischen Richtung an?

Gabriele Stötzer: Zu den Experimentellen. Die deutsche Sprache in der DDR lief für mich im politischen Gleichklang mit, und ich machte echte Spracharbeit, um sie aus diesem Gleichklang der Hörigkeit herauszuholen. „Wenn meine Lieder nicht mehr stimmen“, heißt es in einem Songtext von Bettina Wegner. Es war sehr schwer, den eigenen Inhalt, der einem so schwer und unerklärlich war, in Worte zu fassen, die dann auch noch „stimmen“ sollten. Um dahin zu kommen, was ich ausdrücken wollte, musste ich diese Sprache bis hin zu den Punkt-Komma-Gesetzen erst einmal auflösen.

 

Das hat Abwehr hervorgerufen …

Gabriele Stötzer: Viele haben vollkommen hysterisch reagiert. Wenn ich in der Kirche gelesen habe, standen die Älteren auf und riefen: „Furchtbar, was ist das denn für eine Sprache?“ Die Jüngeren hielten dagegen: „Das stimmt so! Genauso ist es!“ Bei den Super­8­Filmen lief es ähnlich.

 

Die diesjährige Berlinale [2020] zeigt aus Deiner Super­-8­-Reihe den Film „Veitstanz/Feixtanz“, in dem vor allem Frauen sich wild und ungebändigt bewegen.

Gabriele Stötzer: 1988 gab es um die DDR eine Grenze, an der geschossen wurde. Die meisten wollten nur noch weg. Die hierbleiben wollten, mussten sich hier ihren Raum nehmen und leben. Ich habe in dem Film das „Jetzt“ um zwei Zeitebenen erweitert – einmal um das Mittelalter, als man sich auch in Erfurt auf öffentlichen Plätzen versammelte und den Veitstanz, also bis zur Ekstase, tanzte. Dann auch bis ins alte Ägypten, wo die Göttin Isis ihren zerstückelten Geliebten Osiris suchte und dabei die Sonne verlosch und alles Leben stehenblieb. An einem Brunnen stellt sich ihr die Göttin Bauba entgegen: Sie hebt ihren Rock und macht einen Bauchtanz, der Isis zum Lachen bringt und die Sonne wieder scheinen lässt. So habe ich meine Freundinnen und Freunde gefragt, sich in Erfurt einen Platz zu suchen, wo sie aus sich heraus bis zur Ekstase tanzen, und gleichzeitig einen Bauch gesucht, der lachen kann und Grübchen hat. Tanzen und Lachen als Widerstand gegen eine Diktatur.

Erst jetzt werden die Filme als Kunst anerkannt, nachdem sie lange bekämpft worden sind. Was außerhalb der Gesellschaft steht, wird als beängstigend empfunden. Vielleicht bricht das jetzt zusammen. Erst jetzt – dreißig Jahre nach der „Wende“ – merkt man, dass sich die Härtegrade, die die Kunst vorgezeigt hat, nicht ausgrenzen lassen und sie nah heranrücken.

 

Das Frauenbild in der DDR spielt eine wichtige Rolle in Deinem Werk. Manche idealisieren es heute.

Gabriele Stötzer: Frauen arbeiteten, verdienten eigenes Geld, hatten sexuelle Selbstbestimmung. Es gab die Pille, Abtreibung und die Scheidung. Aber abgesehen von Margot Honecker kamen Frauen nicht in hohe Machtpositionen. Was also hat die DDR den Frauen gebracht? Die Suche nach sich selbst war kein Thema in der DDR. Man war ja selbst nichts wert, nur der Kommunismus zählte. Man musste zum höheren Ziel alles aufgeben. Und oben saßen wieder nur Parteibonzen.

Die künstlerische Selbstbestimmung der Frau begann 1984 in Erfurt mit der Künstlerinnengruppe, die ich mit initiierte, und die politische wurde erst mit den Frauen um Bärbel Bohley interessant, aber das war in den späten 1980er­Jahren. Sie haben wirklich politische Statements geschrieben und sich neben die Männer gestellt.

Vor ihrer eigenen Realität hatten die Frauen in der DDR keine allzu große Achtung. In der Literatur hat Maxie Wander, eine in der DDR lebende Österreicherin, in den 1970er­Jahren Interviews mit Frauen über ihren Alltag gemacht: „Guten Morgen, du Schöne“ hieß das Buch. Die ist eigentlich dokumentarisch ganz nah an einzelne Frauen herangetreten, hat ihnen gleichzeitig den Spiegel vorgehalten: was sie an Kraft, Dampf und Mut haben und was sie gesellschaftlich einbringen.

 

War genau das nicht auch ein Thema der „Galerie im Flur“?

Gabriele Stötzer: Ja, und zwar im Verständnis von Kunst als einem offenen Begriff, in den viele hineinpassen. Je einfacher eine Idee war, desto mehr Frauen sind zusammengekommen. Bei Modeobjekt-Shows, wo wir sagten: „Näht ein Traumkleid und führt es uns vor!“, waren es zwanzig Frauen. Wenn es eine engere Idee war, waren wir nur sieben. Das war unser Spannungsbogen – von knallharten Sachen, bei denen wir Frauen uns öffentlich ausgepeitscht und geschrien haben, bis hin zu humorvollen Aktionen, bei denen wir als Engel an der Decke befestigt waren und immer hoch- und runtergeschnippt sind.

Es gab bei uns immer Frauen aus anderen Erfurter Frauengruppen, die zeitweise mitgearbeitet haben. Dies wurde später auch für die politische Formierung wichtig, als wir 1989 „Frauen für Veränderung“ gegründet haben: die einzige politische Frauengruppe als ein selbstständiger Verein – neben dem Demokratischer Aufbruch und dem Neuen Forum. So haben wir uns politisch organisiert, sind auf den Demos aufgetreten und haben eben auch die Zentrale der Staatssicherheit in Erfurt besetzt. Aber das hatte Voraussetzungen. Ich werde oft gefragt: War es „Untergrund“ oder „Feminismus“? Das Wichtigste war, dass ich Freundschaft und die Gruppe um mich brauchte. Leute wie uns wollte die Staatssicherheit vereinsamen und zur Selbstaufgabe zwingen, manche sogar in den Selbstmord treiben. Überall gab es diese hemmungs-, mitleidslosen Aktionen. Und um zu bestehen, brauchte ich Leute um mich herum, um zu sagen: „Das bin ich.“ Und wenn mir jemand sagte: „Du bist Feministin“, dann dachte ich, dann ist es eben Feminismus. Dabei war mir erst einmal wichtig, überhaupt eine Art von Existenz zu haben.

 

Gabriele Stötzer, geboren 1953 in Emleben (Thüringen), schrieb mit ihrer Prosa „Erfurter Roulette“ (1994) eine singuläre feministische Erzählsprache, über die Autorinnen wie Ines Geipel den Mut fassten, selbst zu schreiben. Auch ihr Thema sammelt sich um die Erfahrung Gefängnis. Wegen der Kritik am ML-Seminar (Marxismus-Leninismus) und der Solidarität mit einem Mitkommilitonen wurden sie und eine Studierendengruppe 1976 von der Pädagogischen Hochschule (PH) Erfurt exmatrikuliert. In dieser Zeit hatte sie Kontakt zum Oppositionskreis um Jürgen Fuchs an der Universität Jena und der Technischen Universität in Ilmenau.

Im gleichen Jahr verhaftete sie die Stasi aufgrund ihres Engagements gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. 1977 folgte die Verurteilung wegen „Staatsverleumdung“ zu einem Jahr Haft. Stötzer blieb bewusst in der DDR, um sich im dystopischen Gelände zur „Künstlerin“ zu entwickeln.

Als diese schuf sie richtungsweisende Ausstellungs- und Vermittlungsprojekte um Geschlecht und Staat, die anhaltend kommentiert und kommuniziert werden.

Das Gespräch führte Axel Reitel am 16. Januar 2020 in Berlin-Mitte.

 

Bewußtes Unvermögen – Das Archiv Gabriele Stötzer war ein Ausstellungs-, Forschungs- und Vermittlungsprojekt in drei Teilen der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig. Das begehbare Archiv stellte die künstlerische Praxis Gabriele Stötzers im Kontext der DDR in den 1980er-Jahren vor und lud zu einer aktiven Auseinandersetzung ein. Der dritte Teil stellte Formen der Zusammenarbeit heraus. Beleuchtet wurden kooperative und kollektive Arbeitspraktiken, das Agieren in Netzwerken sowie die Bedeutung von Freundschaft für die künstlerische Praxis in der jüngeren Vergangenheit wie auch heute. Die Künstlerin Paula Gehrmann entwickelte für die Ausstellung die Rauminstallation.

Die in der Druckfassung bzw. im PDF auf Seite 107 abgebildeten „Gedankensplitter“ waren Teil des Projekts. Weitere Informationen unter www.gfzk.de.