Die Kriminalitätsstatistiken in Deutschland explodieren, die Migrationskrise schreitet voran und deutsche Straßen ähneln nicht selten einem Pulverfass. Zugleich werden Polizisten bespuckt, mit Steinen, Brandsätzen und Böllern beworfen, sie werden beleidigt, bedroht und ausgelacht. Man filmt sie, stellt sie an den Pranger. All das geschieht fast allwöchentlich auf „Free Palestine“-Demonstrationen. Wir Ordnungshüter verlieren zunehmend an Autorität.
Doch trotz all der Widrigkeiten: Ich bin gern Polizist. Und auch wenn mir klar war, der bevorstehende Einsatz wird unangenehm, ich bin immer gern zur Arbeit gegangen. Für die meisten Menschen ist ein Polizist, jemand, den man um Hilfe bittet, jemand, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Er sorgt dafür, dass man sich sicher fühlt, dass man abends gut einschläft. Genau deshalb bin ich Polizist geworden – um zu helfen.
Die Einsatzsituationen sind schwieriger geworden, Gewaltausbrüche nehmen zu. Und wir halten jeden Tag unseren Kopf hin – um für Ruhe und Frieden zu sorgen. Im Umkehrschluss heißt das: Dort, wo Menschen Regeln missachten und Gesetze brechen, schreiten wir ein. Nicht selten riskieren wir unsere Gesundheit, mancher verliert sein Leben. So der 29-jährige Rouven Laur am 31. Mai 2024. Ein Mann aus Afghanistan attackierte auf dem Mannheimer Marktplatz mehrere Menschen am Stand des islamkritischen Vereins „Pax Europa“. Als Rouven Laur eingreifen wollte, stach der Täter ihn nieder. Eine Tat, die fassungslos macht. Fast jeder Polizist ist mit solchen Einsatzlagen vertraut: Man läuft ständig Gefahr, in einen Hinterhalt zu geraten und verletzt zu werden.
Auch ich habe so etwas erlebt und musste abwägen, ob ich von der Dienstwaffe Gebrauch mache. Bisher ging es immer glimpflich aus. Und doch fühlt es sich seltsam an, wenn die Kollegen dich verletzt nach Hause bringen und man die Blicke der Familie auf sich spürt. Man versucht abzuwiegeln, alles halb so wild. In einer solchen Situation ist es die Familie, die einem Kraft gibt. Und die eigene Behörde – sie hat mich bestens betreut. Bei nicht wenigen treten posttraumatische Zustände noch Jahre später auf.
Wir Polizisten sind auf den Rückhalt aus der Politik, die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Institutionen und den Zuspruch von Meinungsführern angewiesen, wenn wir die Spirale der Gewalt zurückdrehen wollen. Symbolpolitik bringt uns nicht weiter. Was wir brauchen, sind Taten und das Engagement jedes einzelnen Bürgers. Denn: Wir Polizisten sind Väter, Mütter, Töchter, Söhne, Schwestern, Brüder, Freunde, Mannschaftskameraden und Nachbarn – und Gewalt gegen Polizisten ist Gewalt gegen uns alle.
Ich spreche oft mit jungen Leuten – und deren Eltern –, die in Erwägung ziehen, eine Beamtenlaufbahn bei der Polizei einzuschlagen. Zunächst mal zähle ich die Vorteile auf: die aus meiner Sicht sehr ordentliche Bezahlung. Da die Polizei „Ländersache“ ist, unterscheiden sich die Bezüge allerdings von Land zu Land. Und schon im Studium bekommen angehende Polizisten Geld. Ein echter Luxus, in anderen Ländern hat man fürs Studium Gebühren zu zahlen. Danach kremple ich die Ärmel hoch, zeige erst den rechten, dann den linken Unterarm, deute auf den Unterschenkel und erkläre, dass ich an fast jedem Körperteil berufsbedingte Verletzungen hatte, deren Narben heute noch davon zeugen.