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Polizeialltag 2025: Zwischen Gewalt, Dienstpflicht und politischer Ohnmacht

Ein Polizist spricht Klartext: über Gewalt auf deutschen Straßen, politische Versäumnisse und den schwindenden Respekt gegenüber der Polizei.

Kristian Beara, seit 25 Jahren Polizist, schildert eindrücklich, wie gefährlich der Polizeialltag geworden ist – körperlich, psychisch und gesellschaftlich. Zwischen zunehmender Gewalt, wachsender Respektlosigkeit und politischen Leerstellen fordert er klare Worte, echte Unterstützung und ein Ende der Symbolpolitik.

Die Kriminalitätsstatistiken in Deutschland explodieren, die Migrationskrise schreitet voran und deutsche Straßen ähneln nicht selten einem Pulverfass. Zugleich werden Polizisten bespuckt, mit Steinen, Brandsätzen und Böllern beworfen, sie werden beleidigt, bedroht und ausgelacht. Man filmt sie, stellt sie an den Pranger. All das geschieht fast allwöchentlich auf „Free Palestine“-Demonstrationen. Wir Ordnungshüter verlieren zunehmend an Autorität.

Doch trotz all der Widrigkeiten: Ich bin gern Polizist. Und auch wenn mir klar war, der bevorstehende Einsatz wird unangenehm, ich bin immer gern zur Arbeit gegangen. Für die meisten Menschen ist ein Polizist, jemand, den man um Hilfe bittet, jemand, der zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Er sorgt dafür, dass man sich sicher fühlt, dass man abends gut einschläft. Genau deshalb bin ich Polizist geworden – um zu helfen.

Die Einsatzsituationen sind schwieriger geworden, Gewaltausbrüche nehmen zu. Und wir halten jeden Tag unseren Kopf hin – um für Ruhe und Frieden zu sorgen. Im Umkehrschluss heißt das: Dort, wo Menschen Regeln missachten und Gesetze brechen, schreiten wir ein. Nicht selten riskieren wir unsere Gesundheit, mancher verliert sein Leben. So der 29-jährige Rouven Laur am 31. Mai 2024. Ein Mann aus Afghanistan attackierte auf dem Mannheimer Marktplatz mehrere Menschen am Stand des islamkritischen Vereins „Pax Europa“. Als Rouven Laur eingreifen wollte, stach der Täter ihn nieder. Eine Tat, die fassungslos macht. Fast jeder Polizist ist mit solchen Einsatzlagen vertraut: Man läuft ständig Gefahr, in einen Hinterhalt zu geraten und verletzt zu werden.

Auch ich habe so etwas erlebt und musste abwägen, ob ich von der Dienstwaffe Gebrauch mache. Bisher ging es immer glimpflich aus. Und doch fühlt es sich seltsam an, wenn die Kollegen dich verletzt nach Hause bringen und man die Blicke der Familie auf sich spürt. Man versucht abzuwiegeln, alles halb so wild. In einer solchen Situation ist es die Familie, die einem Kraft gibt. Und die eigene Behörde – sie hat mich bestens betreut. Bei nicht wenigen treten posttraumatische Zustände noch Jahre später auf.

Wir Polizisten sind auf den Rückhalt aus der Politik, die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Institutionen und den Zuspruch von Meinungsführern angewiesen, wenn wir die Spirale der Gewalt zurückdrehen wollen. Symbolpolitik bringt uns nicht weiter. Was wir brauchen, sind Taten und das Engagement jedes einzelnen Bürgers. Denn: Wir Polizisten sind Väter, Mütter, Töchter, Söhne, Schwestern, Brüder, Freunde, Mannschaftskameraden und Nachbarn – und Gewalt gegen Polizisten ist Gewalt gegen uns alle.

Ich spreche oft mit jungen Leuten – und deren Eltern –, die in Erwägung ziehen, eine Beamtenlaufbahn bei der Polizei einzuschlagen. Zunächst mal zähle ich die Vorteile auf: die aus meiner Sicht sehr ordentliche Bezahlung. Da die Polizei „Ländersache“ ist, unterscheiden sich die Bezüge allerdings von Land zu Land. Und schon im Studium bekommen angehende Polizisten Geld. Ein echter Luxus, in anderen Ländern hat man fürs Studium Gebühren zu zahlen. Danach kremple ich die Ärmel hoch, zeige erst den rechten, dann den linken Unterarm, deute auf den Unterschenkel und erkläre, dass ich an fast jedem Körperteil berufsbedingte Verletzungen hatte, deren Narben heute noch davon zeugen.

„Wir sind oft die ersten, die die Konsequenzen der Politik zu spüren bekommen. Die guten wie die schlechten.“

Kristian Beara

Die Politiker und die Ministerialbeamten müssen wissen, wie es uns Polizisten geht. Wir sind oft die ersten, die die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu spüren bekommen. Die guten wie die schlechten. Die Probleme müssen benannt werden. Man darf sie nicht tabuisieren. Wir dürfen nicht kapitulieren. Wir müssen Ross und Reiter nennen und dürfen uns nicht der politischen Korrektheit beugen. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Gewalt, Migrationshintergrund und mangelnder Integration. Und es ist nur folgerichtig, dass ausreisepflichtige Personen das Land auch wieder verlassen. Auch der Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge hält – wie er unlängst bekundete – die bisherigen Versuche, die illegale Migration einzudämmen, für gescheitert. Angesichts der Missstände empfahl er sogar, das individuelle Recht auf Asyl abzuschaffen und nach kanadischem Vorbild Quoten einzuführen.

Ich wünsche mir mehr Respekt und Wertschätzung für die Arbeit meiner Kollegen. Wie oft müssen wir erleben, dass die deutsche Justiz Gewalttätern gegenüber sehr viel Nachsicht walten lässt und den Opfern zu wenig Mitgefühl entgegenbringt. Ich wünsche mir mehr Opferschutz, weniger Täterschutz. Und dann ist da noch was: Die Zuschläge sind seit dreißig Jahren kaum gestiegen. 1992 gab es für Nachtarbeit 2,50 D-Mark die Stunde. Heute sind es 1,28 Euro. Auch die Zuschläge für Sonntagsarbeit gehen an der Realität vorbei. Hier nachzujustieren wäre auch ein Zeichen der Wertschätzung.

Im Augenblick ist es nicht leicht, optimistisch in die Zukunft zu blicken. So vieles verunsichert. Besinnen wir uns auf die, die uns tagtäglich helfen, uns ein wenig sicherer zu fühlen. Die auf uns aufpassen. Auf den Straßen und Plätzen, in unseren Wohnungen, an unseren Arbeitsplätzen. Wir können sie jederzeit rufen, wenn wir in Not sind. Und sie werden kommen, um uns zu helfen.

Wer eine schonungslose Analyse der Lage haben will, dem empfehle ich, dass bald erscheinende Buch von Manuel Ostermann vorzubestellen.

Kristian Beara, 44 Jahre alt, Familienvater, Polizeibeamter, Gewerkschafter, Dozent für Verwaltungsrecht und Autor, seit 1999 bei der Polizei NRW, CDU-Parteimitglied und u. a. Leiter des Arbeitskreis Sicherheit der CDU Köln, Ratskandidat für den Kölner Stadtrat, Gründungsmitglied und Vorstandsmitglied der Allianz für Freiheit. 

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