Ausbildung und Beruf
Hedwig Jochmus wurde am 22. Juni 1899 in Kassel geboren, wo ihr Vater Bürgermeister war. Sie besuchte zunächst von 1905 bis 1912 eine private Mädchenschule und danach die städtische Studienanstalt, wo sie 1918 ihr Abitur ablegte. Weil der Erste Weltkrieg noch nicht beendet war, arbeitete sie zunächst in einer Munitionsfabrik. 1919 begann sie ein Lehramtsstudium für Naturwissenschaften an der Universität Marburg. Den Wunsch, Lehrerin zu werden, gab Jochmus offenbar auf Druck des Vaters auf und ging zum Studium der Chemie nach Halle/Saale. Mit einer Promotion beendete sie 1926 das Studium und fing als Chemikerin bei der IG Farben AG in Ludwigshafen an. Seit 1934 wohnte sie im badischen Heidelberg. Offenbar war Jochmus während der Weimarer Republik politisch nicht aktiv. Für die Zeit der NS-Diktatur ist nur die Mitgliedschaft in der Deutschen Arbeitsfront belegt.
Im Deutschen Bundestag
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete Hedwig Jochmus weiter im Chemiewerk in Ludwigshafen, das nun wieder BASF hieß. Doch begann sie nun, sich politisch zu engagieren: Sie gehörte zu den Gründern der CDU in Heidelberg, arbeitete im Heidelberger Frauenbeirat mit und war Mitgründerin des Bundes angestellter Akademiker in der IG Chemie. Die modern und sozial denkende Jochmus wurde außerdem Mitglied im Landesfrauenbeirat Nordbaden und wohl Anfang der 1950er Jahre zur Vorsitzenden des Frauenausschusses der CDU im Landesverband Nordbaden gewählt. Als solche erhielt sie einen Platz auf der Landesliste für die Bundestagswahl 1953. Durch den großen Wahlsieg der Union konnte sie in den Deutschen Bundestag einziehen. Hier wurde sie Mitglied im Gesundheitsausschuss und im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Als Vorsitzende des Unterausschusses Lebensmittelrecht hatte sie großen Anteil an der Modernisierung des Lebensmittelrechtes. 1957 verpasste Jochmus bei der Bundestagswahl den erneuten Einzug in den Bundestag und nahm wieder ihre Tätigkeit bei der BASF auf.
In der Frauenvereinigung
Seit 1951 gehörte Jochmus bereits dem Bundesfrauenausschuss der CDU an, der späteren Frauenvereinigung. Zwischen 1953 und 1958 war sie auch Mitglied im Bundesvorstand der Partei. Zusammen mit der katholischen Helene Weber stand die evangelische Hedwig Jochmus seit 1956 an der Spitze der Frauenvereinigung. In ihrer Amtszeit konzentrierten sich beide vor allem auf den Aufbau und die Organisation der Frauenvereinigung in allen Landesverbänden der CDU. Außerdem wurden Fachausschüsse gegründet und Seminare zur politischen Bildung für Frauen angeboten. Gemeinsam mit Aenne Brauksiepe, die 1958 Helene Weber abgelöst hatte, organisierte Jochmus 1964 auch den ersten Frauenkongress der CDU: Frau und Arbeitswelt – morgen.
Im Landtag von Baden-Württemberg
Bei der Landtagswahl 1960 in Baden-Württemberg gelang ihr der Sprung ins Stuttgarter Parlament. In der CDU-Fraktion war sie damals die einzige Frau. Als sich ihr kurz darauf die Möglichkeit bot, als Nachrückerin wieder in den Bundestag einzuziehen, lehnte Jochmus ab. Bis 1968 blieb sie Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Petitionsausschusses. Neben der Frauenpolitik galt ihr Interesse insbesondere der Gesundheitspolitik. So war sie von 1960 bis 1975 Vorsitzende des Landesausschusses für gesundheitliche Volksbildung und viele Jahr Mitglied im Bundesfachausschuss Gesundheitspolitik der CDU. Für ihren Einsatz für die Rechte der Frau in Staat und Gesellschaft wurde ihr 1969 das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. 1979 erhielt sie im Schloss Ludwigsburg auch den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg.
Auch nach dem Ausscheiden aus dem Landtag blieb die pflichtbewusste Hedwig Jochmus, die unverheiratet geblieben war, noch viele Jahre in zahlreichen Vereinen und Organisationen aktiv. Sie starb kurz nach ihrem 94. Geburtstag am 25. Juli 1993 in einem Altersheim in Heidelberg, in dem sie seit 1977 gelebt hatte.
1995 wurde in der Stadt eine Straße nach ihr benannt.
Lebenslauf
- 22. Juni 1899 geboren in Kassel
- 1918 Abitur an der Städtischen Studienanstalt in Kassel
- 1919–1926 Lehramtsstudium für Naturwissenschaften in Marburg, Chemiestudium in Halle/Saale
- 1926 Promotion in Halle
- Tätigkeit bei IG Farben in Ludwigshafen
- 1934 Umzug nach Heidelberg
- 1946 CDU
- 1953–1965 Vorsitzende der Frauenvereinigung Nordbaden
- 1953–1957 MdB
- 1956–1966 Vorsitzende der Frauenvereinigung der CDU
- 1960–1968 MdL Baden-Württemberg
- 25. Juli 1993 verstorben in Heidelberg
Veröffentlichungen
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Untersuchungen über ungesättigte Ketone. Halle, Naturwiss. Diss., 1926.
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Kennzeichnungszwang für Lebensmittelzusätze. Zwanzig Jahre amerikanischer Erfahrungen. In: FAZ, 5. November 1958, S. 2.
Literatur
- Süssmuth, Hans: Kleine Geschichte der CDU-Frauen-Union, Baden-Baden 1990.
- Hochreuther, Ina: Frauen im Parlament. Südwestdeutsche Parlamentarierinnen von 1919 bis heute. Stuttgart 2002.
- Vierhaus, Rudolf/Herbst, Ludolf: Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949–2002. Band 1. München 2002.