Asset-Herausgeber

Porträtfoto Maria Niggemeyer 1953 Porträtfoto Maria Niggemeyer 1953 © DBT/unbekannt

Maria Niggemeyer (geb. Keuper)

Volksschullehrerin, Kreistagsabgeordnete, Bundestagsabgeordnete 18. Mai 1888 Münster 27. September 1968 Unna
von Denise Lindsay M.A.
Zeit ihres Lebens engagierte sich Maria Niggemeyer sozialpolitisch sowohl auf kommunaler wie auch auf bundespolitischer Ebene. Ihr Handeln zielte auch darauf ab, die Situation berufstätiger Frauen zu verbessern.

Asset-Herausgeber

Herkunft, beruflicher Werdegang und erstes politisches Engagement

Maria Josephine Julia Keuper kam am 18. Mai 1888 im katholischen Münster als Tochter des Tischlers Heinrich Keuper und seiner zweiten Ehefrau Rosalia zur Welt. Nach dem Besuch der Volksschule konnte sie auf die Katholische Höhere Töchterschule in ihrer Heimatstadt wechseln. Der kostenpflichtige Schulbesuch deutet darauf hin, dass sie einem gutsituierten Elternhaus entstammte. Im Anschluss an den Schulabschluss absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Lehrerin an dem der Schule angegliederten Königlichen Lehrerinnenseminar, die sie 1907 erfolgreich beendete. Danach trat sie in den Schuldienst ein, zunächst arbeitete sie befristet an der Ludgerischule in Münster, danach an der katholischen Volksschule – ab 1910 Wilhelmschule genannt – in Gronau, an der sie 1909 auch die von ihr erhoffte Festanstellung erhielt.

1918, nach der Einführung des Wahlrechts für Frauen in der Weimarer Republik, begann ihr politisches Engagement. Sie kandidierte im März 1919 bei den Kommunalwahlen in Gronau für die katholische Deutsche Zentrumspartei auf Platz 10 und wurde als erste – und einzige – Frau in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Hier engagierte sie sich vor allem für soziale und schulische Belange. Ihr politisches Engagement im Gronauer Stadtrat währte allerdings nur kurze Zeit.

Am 25. August 1920 heiratete sie den Chemiker Dr. Heinrich Niggemeyer und zog mit ihrem Ehemann nach Werne im südlichen Münsterland, wo dieser als Leiter des Labors einer Zeche tätig war. Ihre Lehrerinnentätigkeit musste sie mit der Eheschließung aufgeben, da das sogenannte Beamtinnenzölibat – obwohl in der Weimarer Reichsverfassung aufgehoben – faktisch weiterhin Bestand hatte. Maria Niggemeyer wurde Hausfrau, engagierte sich sehr im sozialen Bereich und übernahm ehrenamtliche Tätigkeiten in verschiedenen Fürsorgevereinen und dem Caritasverband. 1928 zog sie mit ihrem Mann ins nahegelegene Altenbögge um. Auch dieser Umzug war der beruflichen Tätigkeit ihres Mannes geschuldet. 1933 gründete sie die Abteilung des Katholischen Fürsorgevereins für Frauen, Mädchen und Kinder in Unna, der dank ihres Einsatzes auch während der Zeit der nationalsozialistischen Tyrannei Bestand hatte.

 

Abgeordnete im Deutschen Bundestag

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übertrug die Stadt Unna Maria Niggemeyer die Aufgabe, Flüchtlinge und Vertriebene zu betreuen. Sie selbst nahm ihr politisches Engagement wieder auf. Sie entschied sich hier bewusst gegen eine Rückkehr zur wiedergegründeten Zentrumspartei und für die überkonfessionell ausgerichtete CDU.

1946 zog sie für die CDU, die sie in Unna mitgegründet hatte – in den Kreistag von Unna ein – wiederum als erste und einzige Frau. 1948 wurde sie Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion. Aufgrund ihrer Expertise galt sie als Fachfrau für sozialpolitische Belange. Neben Elisabeth Zillken, Viktoria Steinbiss und Luise Rehling gehörte sie zu den Frauen, die am 29. Mai 1947 in Hamm den Frauenausschuss der CDU in der Provinz Westfalen, den Vorläufer der Frauen-Union, etablierten.

Ihr politisches Engagement dehnte sich bald über die Grenzen der Kommunalpolitik hinaus aus. 1948/49 wurde die ausgewiesene Sozialexpertin Mitglied des Zweiten Wirtschaftsrates der Bizone, dessen Mitglieder von den Länderparlamenten gewählt wurden und der die Lebensmittelversorgung, die Kohleförderung und der Aufbau eines funktionierenden Transportsystems organisieren sollte.

1949 gelang ihr mit 47,4 Prozent der Stimmen der direkte Einzug in den ersten Deutschen Bundestag, wo sie zu Beginn der Wahlperiode eine von 28 Frauen unter 410 neugewählten Abgeordneten war. 1953 wurde sie erneut direkt im Wahlkreis Paderborn-Wiedenbrück gewählt, 1957 zog sie über die Landesliste Nordrhein-Westfalen ins Parlament ein. Im Mittelpunkt ihrer parlamentarischen Tätigkeit stand auch hier die Sozialpolitik. Von 1949 bis 1952 war sie stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für öffentliche Fürsorge, vom 13. Februar 1952 bis zum Ende der Legislaturperiode 1957 hatte sie dessen Vorsitz inne.

Ihr Einsatz galt u.a. der Unterstützung der Familien von noch in sowjetischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Wehrmachtssoldaten sowie der Fürsorge für Körperbehinderte und von einer Körperbehinderung bedrohten Personen oder der Jugendarbeit. Des Weiteren wirkte sie an der Reform der Arbeitslosenversicherung mit und verlor bei ihrem Handeln die Rolle der berufstätigen Frauen nie aus dem Blick.

 

Rückzug aus der Politik

Als Anerkennung für ihre kommunal- und bundespolitische Arbeit erhielt Maria Niggemeyer am 7. September 1956 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern von Bundespräsidenten Theodor Heuss überreicht. Zwei Jahre später verlieh ihr Papst Paul VI. zum 70. Geburtstag das Ehrenkreuz „Pro ecclesia et pontifice“, mit dem katholische Kleriker und Laien für außerordentliche kirchlichen Verdienste ausgezeichnet werden.

1961 verabschiedete sie sich aus der Bundespolitik, blieb aber auf lokaler Ebene weiterhin aktiv. Von 1928 bis 1957 hatte sie mit ihrem Mann in Altenbögge gelebt. Ende des Jahres 1957 war das Ehepaar nach Unna gezogen, wo Maria Niggemeyer am 27. September 1968 im Alter von 80 Jahren verstarb. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Südfriedhof der Kreisstadt.

Lebenslauf

18.05.1888 Geburt in Münster

1907 Examen als Volksschullehrerin

1909 Festanstellung an der Wilhelmschule in Gronau

1919 Einzug in den Stadtrat von Gronau als Vertreterin der Deutschen Zentrumspartei

1920 Heirat mit Dr. Heinrich Niggemeyer, Umzug nach Werne, Tätigkeit als Hausfrau

1933 Gründung der Abteilung des Katholischen Fürsorgevereins für Frauen, Mädchen und Kinder in Unna

1945 Mitgründerin der CDU in Unna

1946 Einzug in den Stadtrat von Unna

29.5.1947 in Hamm Mitgründerin des Frauenausschuss der CDU in der Provinz Westfalen

1948–1949 Mitglied des Zweiten Wirtschaftsrates der Bizone

1949–1961 MdB

27.9.1968 verstorben in Unna

Literatur

Müller, Clara/Sack, Hilmar: Maria Niggemeyer (1888–1968), CDU. In: Deutscher Bundestag (Hg.): Der nächste Redner ist eine Dame. Die Frauen im ersten Deutschen Bundestag. 4. Auflage Berlin 2024.

Asset-Herausgeber

Asset-Herausgeber