Werner Remmers, Plakat zur Landtagswahl 1986 Werner Remmers, Plakat zur Landtagswahl 1986 © KAS

Werner Remmers

Landesminister, Fraktionsvorsitzender Diplomvolkswirt, Dr. rer. pol 3. Dezember 1930 Papenburg 19. März 2011 Lingen
von Andreas Grau
Werner Remmers gehörte 27 lang dem niedersächsischen Landtag an und prägte als Kultus- und Umweltminister die Landespolitik. Innerhalb der niedersächsischen CDU zählte er zu den Vertretern der katholisch-sozialen Tradition. Ab 1991 baute Remmers die Katholische Akademie in Berlin auf und entwickelte sie zu einem viel beachteten geistigen Zentrum.

Herkunft und Ausbildung

Werner Remmers stammte aus dem nördlichen Emsland und wurde am 3. Dezember 1930 in Papenburg geboren. Seine Eltern besaßen einen Malerbetrieb. Er besuchte das Gymnasium in Papenburg und legte dort 1951 das Abitur ab. Anschließend studierte er Volkswirtschaftslehre an den Universitäten in Bonn und Münster. Dem Studienabschluss als Diplomvolkswirt 1955 folgte 1960 die Promotion bei Josef Höffner in Münster, dem späteren Kölner Kardinal und Erzbischof. Nach dem Studium begann Remmers als Dozent in der Erwachsenenbildung zu arbeiten. 1960 übernahm er die stellvertretende Leitung des Franz-Hitze-Hauses in Münster, einer katholischen Bildungsstätte. Nur zwei Jahre später folgte die Berufung zum Direktor des Ludwig-Windthorst-Hauses in Lingen. Die damals neugegründete katholische Akademie ist nach dem berühmten Zentrumspolitiker und Gegenspieler Otto von Bismarcks benannt, der wie Remmers aus dem Emsland stammte.

Schon 1957 hatte Werner Remmers Marianne Lützeler geheiratet. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Im gleichen Jahr trat er in die CDU ein.

 

Landtagsabgeordneter

Bei der niedersächsischen Landtagswahl 1967 kandidierte Remmers im Wahlkreis Lingen und zog in den Landtag ein, dem er bis 1994 ununterbrochen angehören sollte. Als kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion war er im Landtagswahlkampf 1974 Teil der Regierungsmannschaft von Spitzenkandidat Wilfried Hasselmann. Sein starkes Selbstbewusstsein zeigte sich 1975, als er bei der Wahl des Fraktionsvorsitzenden gegen Hasselmann antreten wollte – ein Vorhaben, das ihm jedoch sein Fraktionskollege Ernst Albrecht ausredete. Remmers und Hasselmann verkörperten geradezu idealtypisch die katholisch-soziale bzw. die protestantisch-konservative Tradition der CDU in Niedersachsen, was mitunter zu Konflikten zwischen beiden Männern führte. Die politische Basis von Werner Remmers war das katholische Emsland, wo er von 1976 bis 1990 auch an der Spitze des Bezirksverbandes Osnabrück-Emsland stand.

 

Niedersächsischer Kultusminister

Nach der überraschenden Wahl von Ernst Albrecht zum Ministerpräsidenten im Februar 1976 wurde Remmers zum Kultusminister ernannt. Seine Berufung kam nicht unerwartet, denn Remmers Expertise wurde nicht nur in der CDU, sondern auch bei SPD und FDP anerkannt . Bis 1977 leitete er außerdem noch das Wissenschaftsministerium. Im Mittelpunkt seiner Tätigkeit als Kultusminister stand die Schulpolitik. Allen Forderungen, das Schulsystem vollständig umzugestalten, erteilte Remmers eine klare Absage. Er wollte vor allem Ruhe in die Schulpolitik bringen und sprach sich gegen ideologische Experimente aus. So setzte er die von der SPD-Regierung begonnenen Maßnahmen zur Einführung der Orientierungsstufe fort und ließ die in Niedersachsen bestehenden Gesamtschulen unangetastet. Neue Gesamtschulen sollten aber erst nach Abschluss einer wissenschaftlichen Überprüfung genehmigt werden. Um dem massiven Unterrichtausfall in Niedersachsen entgegen zu wirken, stellte das Land zahlreiche neue Lehrer ein. Remmers bekannte sich klar zum gegliederten Schulwesen, dennoch trug ihm seine pragmatische, flexible Schulpolitik auch innerhalb der Union viel Kritik ein – insbesondere aus den Reihen der CSU. Davon völlig unberührt, hielt der beliebte Kultusminister an seiner Politik der Mitte fest und plante außerdem Lehrpläne von unnötigem theoretischen Ballast zu befreien, Schulbücher in einer verständlichen Sprache schreiben zu lassen und die Schulen von bürokratischen Auflagen möglichst zu entlasten.

 

Vorsitzender der CDU-Fraktion

Von den bildungspolitischen Auseinandersetzungen ermüdet, schied Remmers 1982 freiwillig aus der Regierung Albrecht aus, die mit 50,7 Prozent bei der Landtagswahl eindrucksvoll bestätigt worden war. Er bewarb sich um das Amt des Fraktionsvorsitzenden und wurde Ende April 1982 mit 50 zu 36 Stimmen in einer Kampfkandidatur gegen Edzard Blanke auch gewählt. Als Fraktionsvorsitzender setzte sich Remmers dafür ein, die Bedeutung des Parlaments zu stärken.  Die große Themenbreite des neuen Amtes kam dem vielseitig Interessierten dabei entgegen. Mit dem erstmaligen Einzug der Grünen in den Niedersächsischen Landtag 1982 war die Landespolitik in Bewegung geraten. Im Gegensatz zu vielen seiner Parteifreunde riet Remmers zum differenzierten Umgang mit der neuen Partei und konnte sich im Einzelfall sogar eine Zusammenarbeit vorstellen. Nicht nur durch die Grünen gewann die Umweltpolitik zunehmend an Bedeutung und beschäftigte den Fraktionsvorsitzenden. Daneben machte ihm auch die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in Niedersachsen zu schaffen. Weitere Bereiche, mit denenm sich Remmers auseinandersetzen musste, waren die Medienpolitik und die Zulassung privater Rundfunk- und Fernsehsender. Hier nahm der Fraktionsvorsitzende, der 1983 auch zum Vorsitzenden des Koordinierungsausschusses für Medienpolitik der CDU gewählt wurde, eine eher vorsichtig-abwartende Haltung ein.

Um den Blickwinkel der CDU-Abgeordneten zu erweitern, unternahm Remmers 1983 mit seiner Fraktion eine Reise in die DDR. 1985 bereiste die Landtagsfraktion dann erstmals Polen. Nicht immer konnte die eher konservative Fraktion jedoch ihrem umtriebigen Vorsitzenden, der seine Meinung stets offen äußerte, folgen, was zu Reibereien führte. Das Amt als Fraktionsvorsitzender zählte deshalb nicht zu den Höhepunkten in Werner Remmers politischer Laufbahn.

 

Niedersächsischer Umweltminister

Nach der Landtagswahl 1986, bei der die CDU mit 44,3 Prozent Verluste hinnehmen musste, kehrte Remmers wieder in die Landesregierung zurück. Aufgrund des Erfolgs der Grünen, die mit 7,1 Prozent erneut in den Landtag einzogen und auf Wunsch des Koalitionspartners FDP richtete Ministerpräsident Albrecht ein Umweltministerium ein, das Remmers übernahm. Als Justizminister saß auch sein Bruder Walter mit am Kabinettstisch. Zunächst musste Werner Remmers sein Ministerium aufbauen und seine Zuständigkeiten klären. Nach der Reaktorkatstrophe von Tschernobyl, die sich am 26. April 1986 ereignete, stand die Energiepolitik ganz oben auf seiner Agenda. Remmers sah einen schnellen Ausstieg aus der Kernenergie für unrealistisch an und hielt daran fest, sie als Übergangstechnologie weiterhin zu nutzen. Allerdings plante er keinen weiteren Ausbau der Kernenergie in Niedersachsen und förderte stattdessen Forschungen auf dem Gebiet der Solarenergie.

Für bundesweite Schlagzeilen sorgte Remmers 1987 durch die Affäre um das Kohlekraftwerk Buschhaus bei Helmstedt. Das Werk war auf Kosten des Landes mit einer 330 Millionen teuren Rauchgasentschwefelungsanlage nachgerüstet worden, die aber auch ein Jahr nach ihrer Einweihung noch nicht ordnungsgemäß funktionierte. Als die Leitung des Kraftwerks schließlich eingestand, die vorgeschriebenen Grenzwerte auch jetzt nicht einhalten zu können, genehmigte das Umweltministerium höhere Werte. Erfolgreicher agierte Remmers mit der Aktion „Rettet die Nordsee“. Ein Robbensterben 1988 machte die starke Verschmutzung der Nordsee deutlich. Daraufhin beschloss die Landesregierung auf Vorschlag von Remmers einen umfangreichen Maßnahmenkatalog, der unter anderem die Nachrüstung der küstennahen Kläranlagen, das Verbot der Dünnsäureverklappung in der Nordsee, eine Verschärfung der Güllerichtlinie sowie die kostenlose Entsorgung von Ölrückständen in niedersächsischen Häfen vorsah. Auch bei der Zusammenarbeit mit der DDR im Bereich des Umweltschutzes konnte Remmers viel erreichen. Nach seiner Reise in die DDR 1988 war das SED-Regime zu Verhandlungen mit der niedersächsischen Landesregierung bereit und 1989 konnte dann noch vor der Wiedervereinigung ein Umweltabkommen unterzeichnet werden, in dem unter anderem ein gemeinsamer Umweltfonds vorgesehen war. Ein weiteres Projekt, das auf Remmers zurückgeht, ist die Niedersächsische Umweltstiftung, die er 1989 gründete und die aus ihren Erträgen Umweltschutzprojekte finanziert.

 

Abschied von der Politik und neue Aufgaben

Mit dem Regierungswechsel 1990 in Niedersachsen endete die Amtszeit von Werner Remmers als Umweltminister. Im gleichen Jahr trat er auch als Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Osnabrück-Emsland zurück. Als seinen Nachfolger konnte er den von ihm geförderten jungen Osnabrücker Rechtsanwalt Christian Wulff durchsetzen, den er 1992 auch als Spitzenkandidat für die Landtagswahl 1994 vorschlug.

Obwohl Remmers noch bis 1994 dem Niedersächsischen Landtag in Hannover angehörte, verlagerte sich sein Arbeitsschwerpunkt jetzt nach Berlin. Auf Wunsch der Deutschen Bischofskonferenz baute er ab 1991 die Katholische Akademie in Berlin auf. Als Gründungsdirektor entwarf er Veranstaltungskonzepte, stellte Mitarbeiter ein und ließ das Akademiegebäude in bester Lage in Berlin-Mitte errichten. Am Ende seiner Amtszeit (1999) hatte sich die Akademie zu einem viel beachteten geistigen Zentrum in Berlin und zu einem wichtigen Forum der Begegnung und der Diskussion zwischen Ost und West entwickelt.

Neben seiner Tätigkeit für die Katholische Akademie stand Werner Remmers von 1992 bis 2001 außerdem an der Spitze des Maximilian-Kolbe-Werkes. Das bereits 1973 von katholischen Verbänden gegründete Werk leistete in den ersten Jahren Hilfe für ehemalige polnische KZ-Häftlinge und bemühte sich um eine Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs weitete es während der Amtszeit von Remmers sein Engagement auch auf andere osteuropäische Länder aus.

 

Krankheit und Tod                                                  

1999 erlitt Werner Remmers den ersten von mehreren Schlaganfällen, der ihn zum Pflegefall machte. Er erlebte 2003 noch die Wahl seines politischen Ziehsohnes Christian Wulff zum Ministerpräsidenten und 2005 die Auszeichnung mit dem Großen Verdienstorden des Landes Niedersachsen. Nach langer Krankheit starb er am 19. März 2011 in seinem Heimatort Lingen.

Lebenslauf

  • 3. Dezember 1930 geboren in Papenburg
  • 1951 Abitur in Papenburg
  • 1951–1955 Studium der Volkswirtschaft und Sozialwissenschaften in Bonn und Münster
  • 1955 Diplomvolkswirt
  • Dozent in der Erwachsenenbildung
  • 1957 Hochzeit mit Marianne Lützler, 4 Kinder
  • 1957 Eintritt in die CDU
  • 1960 Dr. rer. pol.
  • 1960–1962 stellvertr. Leiter des Franz-Hitze-Hauses in Münster
  • 1962–1976 Direktor der neugegründeten kath. Akademie Ludwig-Windhorst-Haus in Lingen
  • 1967–1994 MdL
  • 1976–1990 Vorsitzender des BV Osnabrück-Emsland
  • 1976–1982 Niedersächsischer Kultusminister
  • 1979–1989 Mitglied und Vorsitzender des Kuratoriums der Volkswagen-Stiftung
  • 1982–1986 Vorsitzender der CDU-Fraktion
  • 1983–1986 Vorsitzender des Koordinierungsausschusses Medienpolitik der CDU
  • 1983 Gründungsvorsitzender der Ludwig-Windhorst-Stiftung
  • 1986–1990 Niedersächsischer Umweltminister
  • 1991–1999 Direktor der Katholischen Akademie in Berlin
  • 1992–2001 Präsident des Maximilian-Kolbe-Werkes
  • 19. März 2011 gestorben in Lingen

 

Auszeichnungen:

  • 1979 Großes Bundesverdienstkreuz
  • 1999 Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen
  • 2005 Großer Niedersächsischer Verdienstorden

Literatur

  • CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag (Hg.): 60 Jahre CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, Oldenburg 1997.
  • Rolf Zick: Ein starkes Land im Herzen Europas. Die CDU in Niedersachsen 1945 bis 2016, Sankt Augustin/Berlin 2016.
  • Hermann Kues/Susanna Schmidt (Hg.): Was bleibt, was wird… Werner Remmers zum 70. Geburtstag, Groß Düngen 2000.
  • Volker Resing: Werner Remmers. Die Kraft des politischen Katholizismus, Freiburg 2011.
  • Helmut Rieger: Alles hat seine Zeit. Niedersachsen wird fünfzig, Hannover 1995.