Secrétariat International des Partis Démocratiques d’Inspiration Chrétienne (SIPDIC)

1920 entwickelte der Gründer des Partito Popolare ltaliano (PPI), Don Luigi Sturzo, die Idee einer Internazionale Popolare, eines paneuropäischen Zusammenschlusses katholischer Parteien und Parlamentarier, mit dem Ziel, durch eine Verbindung gleichgesinnter Politiker und richtungsverwandter Parteien auf europäischer Ebene ein christliches Gegenstück zur kommunistischen Internationale zu etablieren. Hierdurch sollte eine Befriedung und Versöhnung der Völker nach dem 1. Weltkrieg befördert und dem europäischen Bewusstsein Bahn gebrochen werden. Nach jahrelangen Vorbereitungen konstituierte sich die “Internationale“ Don Sturzos im Mai 1926 in Brüssel als SIPDIC; allerdings fehlte das Attribut „katholisch“, da die Initiatoren mittlerweile einen Zusammenschluss christlich-demokratischer Parteien in Europa anstrebten und keine europäische Zentrumspartei nach deutschem Vorbild. Das SIPDIC wurde dennoch von den katholischen Parteien Belgiens, Deutschlands, Frankreichs und Italiens dominiert, zumal auf protestantischer Seite wenig Neigung bestand, Parteien auf christlicher Basis zu gründen oder sich gar supranational zu organisieren. Vom Zentrum haben sich u.a. Joseph Joos, Helene Weber und Heinrich Vockel im SIPDIC, das wenig öffentlichkeiltsorientiert arbeitete, engagiert. Das 1939 auseinandergefallene SIPDIC fand seine inhaltliche und zum Teil personelle Fortsetzung nach dem 2. Weltkrieg im europäischen Einigungsprozess und schließlich in der Europäischen Volkspartei.

Literatur

A. Hanschmidt, Eine christlich-demokratische „Internationale“ zwischen den Weltkriegen. Das „SIPDIC“ in Paris, in: W. Becker/R. Morsey (Hg.), Christliche Demokratie in Europa (1988); G. Müller, Das „Secrétariat International des Partis Démocratiques d’Inspiration Chrétienne” 1925-1939 – ein vorweggenommenes Exil katholischer Demokraten in der Zwischenkriegszeit, in: M. Gehler u.a. (Hg.), Christdemokratie in Europa im 20. Jahrhundert (2001).

Guido Hitze