Veranstaltungsberichte

Perspektiven für eine verbesserte Wirschaftspolitik - "Functional Governance for a New India"

von Deepica Sachdeva, Ann-Margret Bolmer
Am 12. November fand in Chennai eine gemeinsam von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und Madras Management Association (MMA) veranstaltete Konferenz zu indischer Wirtschaftspolitik statt. Experten aus Politik, Wissenschaft und Ökonomie diskutierten über soziale und gesellschaftliche Dimension der Wirtschaftspolitik, sowie aktuelle und zukünftige Reformen in der indischen Wirtschaft.

Unter dem Thema „Wirtschaftspolitik – effizientes Regierungshandeln für ein neues Indien“ stellte die Veranstaltung die dritte ihrer Art über Reformen in indischer Verwaltung und Regierung dar. Co-Organisator war die Observer Research Foundation (ORF). Andhra Chamber of Commerce, IIT Madras Alumni Association, IIMA Alumni Association und IIMC Alumni Association Chennai waren ebenfalls Partner.

L. Ramkumar, MMA-Präsident und Vorsitzender von Shanthi Gears Ltd., begrüßte Gastredner und Delegierte und widmete seine Rede Indiens Zukunftsperspektiven. Während einschneidende Reformen und progressive Initiativen der indischen Regierung zu einem zweistelligen Wirtschaftswachstum verhalfen, müsse das Land dennoch große Herausforderungen, sowohl innenpolitischer als auch außenpolitischer Natur, bestreiten.

Peter Rimmele, Auslandsmitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Indien, betonte in seiner Eröffnungsrede die hochrangige Besetzung der diesjährigen Konferenz aus Politikern, Ökonomen, Unternehmern und Wissenschaftlern. Das Ziel der Konferenz sei es, sich mit der Zukunft der nationalen Wirtschaftspolitik auseinanderzusetzen. Politischer Druck erzeuge nicht grundsätzlich eine gute Wirtschaftsleistung, und umgekehrt sei gute Politik kein Zeichen wirtschaftlichen Einflusses. Zwischen Politik und Wirtschaft gäbe es eine natürliche Verbindung, da der Staat Steuern einnähme und verwalte. Dennoch sei es möglich, dass Wirtschaft und Politik zwei abgetrennte Bereiche blieben. Die Herausforderung wäre dann, beide Ressorts zum besten Interesse des Landes zusammenarbeiten zu lassen, unabhängig vom Interesse politischer Parteien, Gruppierungen oder Einzelpersonen.

Dr. Somanathan, Indian Administrative Service (IAS), Berater der Regierung Tamil Nadus in den Bereichen Planung, Entwicklung und Sonderinitiativen, erklärte, dass Ökonomen im Grunde genommen Sozialwissenschaftler seien. Dies sei bemerkenswert vor dem Hintergrund, dass Wissenschaft selten große Aufmerksamkeit auf sich ziehe, Wirtschaft jedoch oft zum politischen Thema werde.

M.R. Venkatesh, Autor und wirtschaftspolitischer Analyst, widmete seinen Vortrag der Bedeutung des Bruttoinlandsproduktes als Parameter für wirtschaftspolitische Entscheidungen. Unter anderem erklärte er die Bedeutung des Haushaltsbudgets, der Steuern und wichtiger wirtschaftlicher Reformen.

Der Sprecher der BJP für wirtschaftliche Angelegenheiten, Gopal Krishna Agarwalr, ging auf die durch Premierminister Modi getätigten Wirtschafts- und Sozialreformen ein. Zu diesen zählten unter anderem Demonetisierung und die Einführung der Goods-and-Services-Tax (GST) sowie des „Jan Dhan“-Kontos, die finanzschwachen Bürgern dazu verhelfen, ein eigenes Bankkonto zu eröffnen. Um eine stabile politische Demokratie aufzubauen, bräuchte man ebenso eine demokratische Wirtschaft.

Ungleichheiten zeigten sich in verschiedenen Formen, in der Diskriminierung von Geschlecht, sozialem Status, wirtschaftlichem Status und Wohnsituation. In den vergangenen Jahren habe die Regierung verschiedene Maßnahmen durchgeführt, um das Problem zu lösen, sagte Professor Rajeev Gowda, Mitglied des Parlaments. Darüber hinaus gäbe es weitere Vorschläge, Ungleichheit in der Gesellschaft zu bekämpfen, z.B. durch den Zuzug in Städte, was jedoch auch kritisch betrachtet werden müsste.

Dr. Anbumani Ramadoss verwies in seiner Rede auf den positiven Zusammenhang zwischen sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlichem Wachstum. In den südindischen Staaten Tamil Nadu, Karnataka, Andhra Pradesh und Kerala sei diese Verbindung mittlerweile erkannt worden, anders als in den nordindischen Staaten. Eine ausgewogene Balance zwischen Wirtschaft und politischem Eingriff sei von großer Bedeutung. Größere Investitionen in Bildung und den landwirtschaftlichen Sektor seien gefordert, um beständiges wirtschaftliches Wachstum zu erreichen.

K. Pandiarajan, zuständig für den Bereich Sprache in der Regierung Tamil Nadus, bezog sich in seinem Vortrag auf das Kernelement von Wirtschaft, welches unternehmerischer Ehrgeiz und Kreativität sei. In der Politik auf der anderen Seite ginge es eher um Führungsqualitäten. Mit Bezug auf das Verhältnis von Bundestaaten zur Zentralregierung, und dem Verhältnis zwischen Nationalstaaten, verwies er auf ein Ungleichheitsgefälle, das zwischen Ländern des globalen Südens und Nordens ebenso entstehen könne wie zwischen unterschiedlichen Bundesstaaten in Indien.

Oberst R. Vijayakumar, Geschäftsführer der Madras Management Association, bedankte sich zum Abschied im Namen von KAS und MMA bei den Teilnehmern und Rednern, die durch ihr Fachwissen zu einer informativen und erfolgreichen Konferenz beitrugen.