Veranstaltungsberichte

Italien: Politik und Kunst am Aschermittwoch

von Cäcilia Schallwig, Katja Christina Plate

Gesprächsrunde und Austellungseröffnung am 22. Februar 2012 im Auslandsbüro Rom der Konrad-Adenauer-Stiftung

Am Aschermittwoch hinterfragen die Parteien in Deutschland traditionell nicht nur den politischen Gegner, sondern auch sich selbst. Das Auslandsbüro Italien hat diese Tradition genutzt, um am 22. Februar 2012 mittels der Ausstellung „Halbwahrheiten“ von Peter Fleischer Harkort über aktuelle Herausforderungen in Politik und Gesellschaft Italiens nachzudenken.

Der Veranstaltungsraum der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Rom war voll, als die Leiterin des Auslandsbüro, Katja Christina Plate, die Gäste zum "Politischen Aschermittwoch" begrüßte. Frau Dr. Lydia Thorn Wickert von Thornconcept führte in die Ausstellung ein: „Künstlerisches Schaffen und politisches Handeln sind genuine Wesensmerkmale des Menschen und ganz allgemein gesprochen steht die Entfaltung der Künste in enger Beziehung zur Qualität des politischen Systems, in dem sie entsteht“. Vier „Bildpaten“ stellten die Bilder von Peter Fleischer Harkort anschließend in einen aktuellen gesellschaftspolitischen Zusammenhang.

Erdmuthe Brand, Leiterin der Europäischen Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Montepulciano, entdeckte in dem von ihr besprochenen Werk "Al", ein Porträt, das eine junge Braut und eine ältere Frau zeigt, Widersprüche und Brüche: "Die ältere Generation, in der Krise schon nicht gut gestellt, sieht sich nun auch noch gezwungen, die junge Generation zu stützen, die oft von Perspektivlosigkeit im Hinblick auf Beruf oder Familiengründung betroffen ist“. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen, sei die Unterstützung und der Zusammenhalt in den Familien besonders wichtig.

"Einen Schlag in den Bauch" zeigt das Bild „Yoga für Tote“ für Dr. Generoso Rosati, Dozent für Politik und Internationale Beziehungen an der Universität LUMSA in Rom. Die unnatürliche Körperhaltung des Todes und die Dramatik der Bildkomposition, erinnerte Rosati an die Aufgabe der Politiker. Er rief zu einer authentischen Politik in Italien auf, die "auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger wieder zu reagieren weiß und sich auf Werte stützt".

Petra Köhler, Leiterin der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, lies die leere Sprechblase einer Frauenfigur lebendig werden: Sie befragte italienischen Oberstufenschülerinnen- und Schüler nach ihren Vorschlägen, was die Frau wohl sagen könnte. Die recht unterschiedlichen Assoziationen reichten dabei von Zukunftssorgen, Hunger, der Lust aufs Tanzen bis hin zur Verunsicherung und Freude über ein noch ungeborenes Kind.

"Videocrazy" war das Stichwort von Professor Fabio Severino von der Universität "La Sapienza". Das provokative Bild einer entblößten Frauenfigur auf einer Parkbank verwies für ihn auf arrangierte Medienspektakel und Erotismen in der italienischen Öffentlichkeit. "Werte entstehen heute oftmals alleine durch Bilder in den Medien", kritisierte Prof. Severino. Zustand und Vielfalt der Medien seien daher für die Qualität der demo-kratischen Öffentlichkeit von großer Bedeutung.

Wir danken dem Künstler Peter Fleischer-Harkort für seine Gemälde, unseren Bildpaten für ihre lebendige Reflexionen und natürlich den zahlreich erschienenen Gästen!

Die vollständigen Beiträge der Bildpaten finden sie rechts in der Leiste.

Ansprechpartner

Caroline Kanter

Caroline Kanter bild

Leiterin des Auslandsbüros Frankreich

Caroline.Kanter@kas.de + 33 1 5669150-0