Länderberichte

Klimawandel – Zur öffentlichen Wahrnehmung und Regierungspolitik in Kambodscha

von Wolfgang Meyer, Landesbeauftragter der KAS Kambodscha

In Kambodscha ist der breiten Öffentlichkeit das Phänomen des globalen Kilmawandels weitgehend unbekannt. Ausschließlich kleine universitäre Fachzirkel und Fachministerien befassen sich seit kürzester Zeit mit Fragen des globalen Klimawandels und seiner möglichen Auswirkungen auf Kambodscha. Dennoch besteht in der allgemeinen Öffentlichkeit Besorgnis über Klimaänderungen in den letzten Jahren. Die Regelmäßigkeit des jährlichen Klimageschehens wird als weniger verlässlich wahrgenommen, was in der hiesigen Diskussion aber der rasch fortschreitenden Entwaldung des Landes zugeschrieben wird und nicht globalen Effekten.

Die drei Berichte des Klimarats der Vereinten Nationen IPCC von 2007 zu den erwarteten Klimaänderungen durch den „Treibhauseffekt“ und seine Folgen sind in den Medien Kambodschas nicht behandelt worden. Eine weitere Öffentlichkeit ist über die Berichte und das Phänomen des globalen Kilmawandels nicht informiert. Der Bericht in der deutschen Illustrierten „Stern“ wurde nicht zur Kenntnis genommen. In Kambodscha werden kaum ausländischen Printmedien vertrieben. Kleine universitäre Fachzirkel und Fachministerien befassen sich seit kürzester Zeit mit Fragen des globalen Klimawandels und seiner möglichen Auswirkungen auf Kambodscha. Die Sensibilisierung übernahm in erster Linie das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP).

Dennoch besteht In der allgemeinen Öffentlichkeit Besorgnis über Klimaänderungen in den letzten Jahren. Die Regelmäßigkeit des jährlichen Klimageschehens wird als weniger verlässlich wahrgenommen. Dürren, Überschwemmungen, das Absinken des Grundwasserspiegels und Trockenfallen von Brunnen in einigen Landesteilen werden als Umweltprobleme wahrgenommen, zwingen in manchen Gebieten zu jahreszeitlicher Migration und regional immer wieder zu Nahrungsmittelhilfen. In der hiesigen Diskussion werden die Probleme der rasch fortschreitenden Entwaldung des Landes zugeschrieben, nicht globalen Effekten.

Die globale Klimaerwärmung, Gegenstand der Berichte des Klimarats der Vereinten Nationen, sind für die kambodschanische Exekutive ein „emerging issue“. Dies manifestiert sich in dem im Oktober 2006 vom Umweltministerium vorgelegten und vom Kabinett verabschiedeten „National Adaptation Programme of Action to Climate Change“ (NAPA). Der Aktionsplan konzentriert sich auf reaktive Maßnahmen auf mögliche Gefahren. Ein Plan zur Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen steht nicht im Vordergrund.

Dies erscheint vorerst als realistisch. Der Energieverbrauch in Kambodscha ist niedrig. Die im Weltmaßstab mit 29,5 % (Kraftwerke) und 20,6 % (Industrie) zur Hälfte für die Emission von Kohlendioxyd verantwortlichen Sektoren beanspruchen in Kambodscha nur 0,8 % des gesamten Energieverbrauchs. 80,6 % der Energie werden in privaten Haushalten verbraucht und 17,3 % von Transportmitteln. Kohledioxyd trägt weltweit mit 72 % zur Treibhausgasemission bei. Die stärker bei landwirtschaftliche Tätigkeit erzeugten Treibhausgase wären in Kambodscha durch Einschränkung des Waldfrevels zu beeinflussen.

Kambodscha hat die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), die 1994 in Kraft getreten ist, 1995 ratifiziert. Das Königreich hat sich offiziell zur freiwilligen Beteiligung an Projekten zur Verringerung der Treibhausgasemission bereit erklärt und das Kyoto Protokoll 2002 unterzeichnet. Der aktuelle Nationale Strategische Entwicklungsplan (NSDP) nennt Klimawandel als Herausforderung für Kambodscha und lädt Entwicklungshilfegeber zur Unterstützung bei der Abwehr negativer Konsequenzen für das Land ein. Vor wenigen Wochen hat Premierminister Hun Sen zum ersten Mal in einer öffentlichen Rede den Klimawandel thematisiert. Seine öffentlichen Reden werden im Fernsehen und Rundfunk ausgestrahlt und dienen als wichtigstes Kommunikationsmittel des Regierungschefs mit weitreichendem Einfluss. Interessierte Fachkreise haben die Rede intensiv wahrgenommen. Ein bleibender Effekt auf weitere Kreise erfordert wiederholte Thematisierung des Sachverhalts.

Seit 1999 unterstützt das UNDP die kambodschanische Regierung bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben bei der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. So wurde eine kambodschanische „Initial National Communication“ zur UN Konferenz ermöglicht. UNDP hat im Umweltministerium die Einrichtung eines „Cambodian Climate Change Office“ befördert (2006) und die Schaffung eines „National Climate Change Committee“ mit der Beteiligung mehrerer Ministerien ist geplant. Nunmehr steht die Förderung der Vorbereitung der Zweiten Stellungnahme für die UNFCCC auf dem Arbeitsplan. Dabei stehen vier Arbeitsbereiche im Vordergrund:

- eine Bestandsaufnahme der in Kambodscha erzeugten Treibhausgase;

- die Erstellung von Maßnahmeplänen zur Reaktion auf Umweltschäden durch den Klimawandel;

- Erstellung eines Katalogs von Maßnahmen zur Erreichung der Ziele der UNFCCC;

- die Vorbereitung der Zweiten Nationalen Stellungnahme zur UN Konferenz.

Der NAPA als manifestes Regierungsdokument folgt den Richtlinien für die Aufstellung Nationaler Aktionspläne, die auf der 7. UNFCCC-Konferenz für Least Developed Countries vorgeschlagen wurden und stellt folgende Ziele in den Vordergrund:

1) Bestandsaufnahme der größten Risiken in der Folge von Klimawandel (Überschwemmungen, Dürren, Stürme, Anstieg des Meeresspiegels und Eindringen von Salzwasser, Malariaausbreitung);

2) Erarbeitung von Anpassungsmaßnahmen auf Dorfebene;

3) Analyse der bestehenden institutionellen Rahmenbedingungen für die Analyse der Probleme und die Durchführung von Anpassungsmaßnahmen;

4) Aufstellen einer Prioritätenliste von Anpassungsmaßnahmen.

Die vorgeschlagenen vorrangigen Maßnahmen beziehen sich auf die folgenden Interventionsbereiche:

1) Querschnittsbereiche: Verbesserung der meteorologischen Dienste, Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung, Erstellung von Bildungsmedien zum Klimawandel und seinen Gefahren, Organisation von Basisgruppen;

2) Land- und wasserwirtschaftliche Maßnahmen: Anpflanzen von flut- und windbrechender Vegatation, Aufforstung, Verbesserungen von Be- und Entwässerungsanlagen, Deichbau, Bildung von Wassernutzergemeinschaften, Brunnenbau, Anlage von Teichen, Bereitstellung von Wassertanks, Bereitstellung von Booten, Verbesserung der Nahrungsmittelvorsorge, Intercropping, Einführung neuer Reissorten mit kürzerer Reifezeit;

3) Küstenschutz: Schutz oder Rehabiliterung von Mangroven, Kanal- und Drainageanlagen, Sicherung der Trinkwasserversorgung, Agroforstwirtschaft;

4) Gesundheitswesen: Moskito-Habitat-Säuberung, Produktion von Biopestiziden, Malaria-Aufklärungskampagnen, Malaria-Monitoring-System, Gesundheitsstationen.

Die kambodschanische Bevölkerung hat weit mehr als die in Industriestaaten kurzfristige Herausforderungen zu meistern, bevor sie für Aufwand für Umweltschutz „vor der Hautüre“ oder gar im Weltmaßstab zu gewinnen wäre. Die Regierung hingegen legt großen Wert auf die Beteiligung an internationalen Organisationen und Vereinbarungen und wird sich nach Kräften an der internationalen Debatte und an Maßnahmen in diesem Bereich bemühen. Erste Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor möglichen Risiken als Folge des Klimawandels haben begonnen.