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Die Enzyklika Magnifica Humanitas und die Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft im Digitalzeitalter

von Thomas Schauf

Ein Diskussionspapier

Die Enzyklika Magnifica Humanitas über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz von Papst Leo XIV. lässt sich als ordnungspolitischer Weckruf lesen: Sie überträgt die Prinzipien der katholischen Soziallehre auf die digitale Ökonomie und knüpft bewusst an die Gründungsidee der Sozialen Marktwirtschaft an. Das Diskussionspapier liest dieses Dokument daher aus wirtschaftspolitischer Perspektive und stellt die These auf, dass die Enzyklika fünf regulatorische Innovationsfelder für eine Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft im KI-Zeitalter erschließt.

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Am 15. Mai 2026 unterzeichnete Papst Leo XIV. die Enzyklika Magnifica Humanitas über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Das Diskussionspapier liest dieses Dokument bewusst aus wirtschaftspolitischer, nicht aus theologischer Perspektive, und stellt die These auf, dass die Enzyklika fünf regulatorische Innovationsfelder für eine Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft im KI-Zeitalter erschließt.

Der Beitrag rekonstruiert zunächst die normative Genealogie, die die katholische Soziallehre und Freiburger Ordnungsökonomik seit Müller-Armack verbindet. Anschließend systematisiert der Beitrag die Diagnose der Enzyklika. Er beleuchtet zum einen die private, oft transnationale Machtkonzentration ohne demokratische Rahmung. Zum anderen wird Künstliche Intelligenz als nicht-neutrale Infrastruktur analysiert und die epistemische Gefährdung von Wahrheit als Gemeingut herausgearbeitet. Der analytische Mehrwert der Enzyklika liegt dabei nicht in der Erstbeschreibung dieser Probleme, sondern in ihrer normativen Verdichtung, Kohärenz und Legitimation.

Aus dieser Lesart leitet das Papier fünf Handlungsfelder ab:

  • die supranationale Skalierung des Subsidiaritätsprinzips 
  • eine Eigentumsordnung für das digitale Zeitalter
  • die Würde der Arbeit im Zeitalter der Automation
  • eine Ordnungspolitik gegen digitale Machtkonzentration
  • und eine Informationsordnung als neue soziale Frage.

Zusammengenommen skizzieren sie die Konturen einer digitalen Wirtschaftsverfassung – also eines Ordnungsrahmens, der die normative Tradition der Sozialen Marktwirtschaft unter den Bedingungen der Plattformökonomie fortschreibt, ohne deren nationalstaatliche und industriekapitalistische Prämissen unkritisch zu übernehmen. Die damit verbundene außenwirtschaftlich-geopolitische Dimension digitaler Souveränität wird bewusst nicht als sechstes Feld ausgearbeitet, sondern am Ende als eigenständige Anschlussagenda ausgewiesen. Der Beitrag versteht sich als Anstoß zur Übersetzung normativer Prinzipien in konkretes Regulierungsdesign.

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