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"Wir arbeiten mit motivierten Journalisten"

von Manuela Anastasova

KAS-Experte Christian Spahr im Interview mit dem "rbb-Medienmagazin"

Der Leiter des KAS-Medienprogramms Südosteuropa, Christian Spahr, und KAS-Projektpartner Oliver Vujović von der Südosteuropäischen Medienorganisation (SEEMO) sprachen über Medienfreiheit in den südosteuropäischen Ländern mit dem "Medienmagazin" des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb). Die Interviews fanden im Rahmen des South East Europe Media Forum (SEEMF) vom 5. bis 6. November in Bukarest statt.

Die größte Medienkonferenz der Region wurde stark durch aktuelle Ereignisse in Rumänien beeinflusst. Nach einer Brandkatastrophe, durch die etwa 60 Menschen starben, musste die Regierung zurücktreten. Am ersten Konferenztag wurde über die Verantwortung der Medien bei der Aufarbeitung des Unglücks und Korruption in den Medienhäusern debattiert. Dies waren auch Akzente des "Medienmagazins" mit Moderator Jörg Wagner vom 7. November 2015.

"Die Journalisten stehen unter Zensur. Sie berichten über bestimmte Personen nicht. Den Journalisten ist es nicht bewusst, dass sie an einer Selbstzensur beteiligt sind oder dass sie unter Zensur stehen. Sie akzeptieren gewisse Sachen als normal", sagte SEEMO-Generalsekretär Vujović. Er fügte hinzu, dass Foren wie das South East Europe Media Forum den Medienschaffenden helfen, ihre eigene Arbeit besser zu reflektieren.

Christian Spahr kommentierte im Gespräch mit Jörg Wagner die Medienfreiheit in der Region: "Unser Ziel ist, Unterstützung bei der Entwicklung der Medienlandschaft im Dienste der Demokratie zu geben. Das heißt: Inwiefern können Medien unabhängig über das politische Geschehen berichten und inwiefern können sie den Bürgern helfen, sich eine Meinung zu bilden?" Der KAS-Experte betonte, dass eine längere Zeit notwendig sei, um die Medienlandschaften von Transformationsländern auf EU-Niveau zu bringen. "Andererseits arbeiten wir mit motivierten Journalisten. Es geht nicht unbedingt um die Medienlandschaft als Ganzes. Es geht um den einzelnen Journalisten, der in der Lage versetzt wird, seinen Job besser zu machen, neue Techniken zu lernen, aber auch neue Ansätze der politischen Berichterstattung", so Spahr. So sei die Unterstützung investigativer Journalisten sehr wichtig. Anlässlich des South East Europe Media Forum vergaben SEEMO, das KAS-Medienprogramm Südosteuropa und weitere Partnerorganisationen zwei Journalistenpreise – den "CEI SEEMO Award for Outstanding Merits in Investigative Journalism" und den rumänischen Preis "Young Journalist of the Year" (TJA).

Christian Spahr kommentierte zudem die Vertrauenskrise in die südosteuropäische Medien: "Untersuchungen von uns haben festgestellt, dass es eine Vertrauenskrise der Medien in Rumänien und in Bulgarien gibt, aber auch in anderen Ländern der Region". Dies liege daran, dass Journalisten in ihren Medienhäusern oft nicht die Möglichkeit haben, unabhängig genug zu arbeiten. "Die Medieneigentümer sind an kritischer Berichterstattung nicht interessiert, weil sie sich gerne mit den jeweils Mächtigen gut stellen", kritisierte Spahr.

Die kompletten Interviews mit Oliver Vujović und Christian Spahr finden Sie hier.