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Interview: Vergangenheitsbewältigung in Südosteuropa

von Darija Fabijanić
"Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist ein wichtiges Thema für die Medien Südosteuropas", betont Christian Spahr, Leiter des KAS-Medienprogramms Südosteuropa.

Der KAS-Experte gab der landesweit führenden albanischen Zeitung "Gazeta Shqiptare" ein Interview zur Bedeutung der Vergangenheitsbewältigung für die südosteuropäischen Gesellschaften. Er ging auch darauf ein, welche Rolle die Medien dabei spielen. Das Interview fand im Zuge der vom KAS-Medienprogramm organisierten Konferenz "Über die jüngere Vergangenheit berichten – Verantwortung von Medien und Politik" am 20. Oktober 2015 in Tirana statt.

Spahr erklärt, dass Vergangenheitsbewältigung in Südosteuropa zwei Aspekte hat: zum einen die Aufarbeitung des Kommunismus, zum anderen die Erfahrungen mit den Jugoslawienkriegen. Die Politik habe dabei eine große Verantwortung, da Politiker oft entscheiden, welche Informationen – zum Beispiel Behördenakten – öffentlich zugänglich gemacht werden. Wenn Politiker von Bürgern, Medien und Zivilgesellschaft unter Druck gesetzt werden, Akten offenzulegen, dann müssten Regierungen darauf reagieren.

"Die Medien sind sehr wichtig, wenn es darum geht, eine gesellschaftliche Debatte über die Vergangenheit zu führen. Unabhängige Berichterstattung über die Vergangenheit ist ein wichtiges Thema. Indem wir solche Veranstaltungen organisieren, möchten wir Fragen zur Rolle von Journalisten bei dieser Aufgabe stellen", erläutert Christian Spahr.

Es sei wichtig zu wissen, was in der Vergangenheit passiert ist, denn nur dann könnten Gesellschaften die richtigen Prioritäten für die Zukunft setzen. Das KAS-Medienprogramm unterstützt Journalisten in Albanien und in der ganzen Region bei der Berichterstattung über sensible Themen, indem es Fortbildungen anbietet, etwa im Bereich des investigativen Journalismus und der Medienethik.

Auch eine unabhängige Justiz ist wichtig bei der Vergangenheitsbewältigung, etwa wenn es um die Offenlegung Geheimdienstakten geht. Spahr stellt fest: "Wir brauchen die richtigen gesetzlichen Instrumente, um Licht auf die Vergangenheit zu werfen. Aber auch die Unabhängigkeit der Justiz in der Praxis ist sehr wichtig". Die rechtsstaatliche Situation in den südosteuropäischen Ländern sei unterschiedlich zu bewerten. Spahr erwähnte auch die Unterstützung der KAS in diesem Bereich durch das Rechtsstaatsprogramm Südosteuropa, welches sich für eine unabhängige Justiz und eine moderne, demokratische Rechtsetzung einsetzt.

Das vollständige Interview finden sie hier (in Albanisch).