Veranstaltungsberichte

The Truth Hunt: A dangerous investigation in the Balkans

von Johannes Wolf

Erstmals hat das KAS-Medienprogramm ein Comic-Buch über Journalisten in Südosteuropa herausgebracht.

Am 31. März stellte das Medienprogramm Südosteuropa der Konrad-Adenauer-Stiftung sein erstes Comicbuch vor. In diesem wird die Geschichte der jungen Journalistin Delyana – irgendwo in Südosteuropa – erzählt. Sie stößt durch Zufall auf ein heißes Thema und muss bei ihrer Recherche mit vielen unterschiedlichen Problemen kämpfen. Welche realen Erfahrungen investigative Journalisten machen und welche Rolle der investigative Journalismus speziell in Bulgarien spielt, darüber diskutierten anschließend fünf bekannte Journalistinnen und Journalisten aus Bulgarien.

Nach der Begrüßung durch die Moderatorin des Abends, Kristina Baxanova (Chefredakteurin „International News“ beim privaten Fernsehsender bTV), erklärte Hendrik Sittig (Leiter des Medienprogrammes Südosteuropa), die Entscheidung für die Herausgabe eines Comic: „Über diesen besonderen Weg, diesen innovativen Weg eines Comic-Buchs wollen wir zusätzlich zu unseren traditionellen Veranstaltungen und Publikationen auf die zahlreichen Probleme von Journalisten in Südosteuropa aufmerksam machen und dabei ein noch breiteres Publikum finden.“

Die beiden Autorinnen Alexia Petrova (Journalistin) und Ralitsa Tschobanova (Zeichnerin) aus Sofia stellten dem Publikum in einer Kurzfassung die Hauptfiguren und die Handlung des Comics vor: Die junge Journalistin Delyana kommt während eines Praktikums bei einer größeren Zeitung den korrupten Machenschaften eines Gesundheitsunternehmens auf die Spur. Mithilfe ihres älteren Kollegen Simeon beginnt sie eine Recherche und hat mit immer neuen Hindernissen zu kämpfen. Bei all dem gibt sie nicht auf. „Korruption ist ein großes Problem“, erzählte Alexia Petrova. „Ich wollte zeigen, an welchen Stellen Korruption herrscht und dass wir keine Angst haben sollten, sie zu bekämpfen.“

In der nachfolgenden Diskussionsrunde sprachen Genka Shikerova (Radio Free Europe/TV1), Velislava Popova (Nachrichtenportal dnevnik.bg), Dimitar Ganev (freier Investigativ-Journalist) und Nikolay Staykov (Anti-Korruptions-Fonds) über verschiedene Aspekte des investigativen Journalismus. Der Fokus lag dabei auf Qualität und Relevanz von investigativen Recherchen, Empfänglichkeit des Publikums für komplizierte und lange investigative Geschichten, Finanzierung, politischer Druck sowie regionale und überregionale Zusammenarbeit von Journalisten und Medien.

Kristina Baxanova eröffnete die Runde mit der Frage, welche Rolle Journalistinnen und Journalisten in der bulgarischen Gesellschaft spielten. Dazu Dimitar Ganev: „Als Journalisten dürfen wir nicht erwarten, dass wir gern gesehen werden. Sollten wir also mal irgendwo mit einem roten Teppich empfangen werden, sollte bei uns ein rotes Licht angehen.“ Die vier Panelisten waren sich einig, dass diese skeptische Grundhaltung gegenüber Journalisten Probleme zur Folge hat: Behörden und Unternehmen beantworteten ungern Fragen, kämen ihrer Auskunftspflicht nur widerwillig nach. Es sei oft auch schwierig, an Informationen zu gelangen, die eigentlich öffentlich zugänglich sein müssten.

Natürlich wurde auch das Thema Korruption nicht ausgeklammert. Nikolay Staykov kommentierte die Schwierigkeiten der Medienfinanzierung in Bulgarien und erklärte, weshalb die komplizierte finanzielle Lage bulgarischer Medien auch ein Nährboden für Korruption sei: „Es gab Recherchen darüber, wessen Geld welche Medien finanziert. Herauskam, dass die Vielzahl der Medien nur wenigen großen Unternehmern gehört. Das ist natürlich schwierig für die Journalisten, die in diesem Beziehungsgeflecht arbeiten.“ Diese ungünstige Lage der Medien habe auch zur Gründung des Anti-Korruptions-Fonds, der eigenständige journalistische Recherchen durchführt, beigetragen, so Staykov. „Wir haben uns die Frage gestellt: Wie kann man unabhängigen Journalismus finanzieren?“

Als Schwierigkeit wurde auch empfunden, dass viele investigative Journalistinnen und Journalisten auf die Hauptstadt konzentriert seien. Velislava Popova: „Unsere Recherchen finden meist in Sofia statt. Und in regionalen und lokalen Medien gibt es eigentlich keinen investigativen Journalismus. Aber gerade außerhalb Sofias passieren sehr viele Korruptionsfälle, bei denen man nachhaken müsste.“ Auch stehe die bulgarische Medienlandschaft vor der Herausforderung, verbindliche journalistische Standards zu schaffen, so Popova. Zwar habe „dnevnik.bg“ und auch die Wochenzeitung „Kapital“, die beide im selben Verlag erscheinen, einen hausinternen Ethikkodex erstellt, aber hier gebe es landesweit Nachholbedarf. Trotz der Schwierigkeiten und Anfeindungen, denen sich Journalisten immer wieder ausgesetzt sehen, blickt sie zuversichtlich in die Zukunft: „Das wichtigste ist, dass man nicht aufgibt.“ Dem stimmte auch Genka Shikerova zu und fügte an, dass gerade kritische Berichterstattung für Demokratien unverzichtbar sei. „Wenn es keinen starken investigativen Journalismus gibt, schwächt das die Zivilgesellschaft. Untersuchungen haben gezeigt, dass dann zum Beispiel die Wahlbeteiligung sinkt.“

Anschließend nutzten viele der rund fünfzig Gäste die Gelegenheit, sich mit Fragen in die lebhafte Diskussion einzubringen.

 

Das Comic-Buch ist als kostenfreies E-Book hier verfügbar.