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Michael Gartenschläger: Kampf gegen Mauer und Stacheldraht

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Michael Gartenschläger: Kampf gegen Mauer und Stacheldraht

Es begann mit Rock n Roll und endete mit einem gewaltsamen Tod: Im August 1961 wurde der sieb-zehnjährige Michael Gartenschläger – ein begeisterter Rock n Roll-Fan – wegen seines Protestes gegen den Bau der Berliner Mauer festgenommen. Nach zehn Jahren politischer Haft in der DDR wegen „staatsgefährdender Propaganda und Hetze sowie der Diversion“ wird er 1971 von der Bun-desrepublik freigekauft. In Westdeutschland engagiert sich Michael Gartenschläger weiterhin für seine politische Überzeugung und hilft insgesamt 31 Personen bei der Flucht aus der DDR. Um das SED-Regime zu entlarven, das den Einsatz von Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze leugnet, demontiert er 1976 von der Westseite aus zwei Selbstschussanlagen vom Typ SM 70 und präsentiert sie der Öffentlichkeit. Stasi-Chef Erich Mielke ist außer sich. Gartenschlägers „Liquidie-rung“ wird beschlossen. In der Nacht zum 1. Mai 1976 will Gartenschläger mit zwei Gefährten eine dritte Selbstschussanlage abbauen. Dabei wird er von einem Sonderkommando des MfS, das ihn bereits erwartet, erschossen.

Freya Klier schildert mit Fotos, historischen Fakten sowie Interviews mit Freunden, Familienangehöri-gen und Zeitzeugen das dramatische Leben Michael Gartenschlägers. Ergreifend und spannend schreibt die Autorin über das Leben dieses unbequemen DDR-Bürgers und aktiven Gegners des Grenzregimes. Sie zeigt eindrucksvoll, wie kulturelle Enge, Mauerbau und Inhaftierung aus einem jugendlichen Rebellen einen politischen Gegner machen, der durch Zivilcourage und Engagement schließlich zum Opfer des unmenschlichen Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze wird. Dabei gibt Freya Klier zugleich tiefe Einblicke in das Leben im geteilten Deutschland.

Freya Klier, 1950 in Dresden geboren, bekam die DDR-Diktatur bereits aus Kind aus nächster Nähe und am eigenen Leib zu spüren, als sie 1953 nach der Verhaftung des Vaters in ein Kinderheim gesteckt wurde. Als achtzehnjährige Abiturientin wurde sie nach einem missglückten Republikflucht-versuch zu 16 Monaten Haft verurteilt, arbeitete nach vorzeitiger Entlassung in mehreren Jobs, bevor sie Schauspielerin und schließlich Theaterregisseurin wurde.

1980 gehörte sie zu den Mitgründern der ostdeutschen christlichen Friedensbewegung. 1984 erhielt sie den DDR-Regiepreis für die Uraufführung von Ulrich Plenzdorfs „Legende vom Glück ohne Ende“ – und ein Jahr später Berufsverbot. Nach Drangsalierungen durch die Stasi wurde sie 1988 verhaftet und zwangsweise ausgebürgert. Seither lebt sie als Filmemacherin und Autorin in Berlin. Ihre zahl-reichen Bücher und Filme behandeln vorrangig Themen des Nationalsozialismus, der DDR-Diktatur sowie deren Nachwirkungen.

2009 wurde Freya Klier im Rahmen eines Festaktes zur Feier des Tages des Grundgesetzes ausge-zeichnet und zum „Botschafter für Demokratie und Toleranz“ ernannt.

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Veranstaltungsort

Rostock

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Dr. Eckhard Lemm

Dr

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