Veranstaltungsberichte

Hybride Kriegsführung

von Silke Bremer
Sicherheitspolitisches Gespräch in Schwerin

"Wir haben es mit einer völlig veränderten Erscheinung von Krieg zu tun." Rolf Clement, sicherheitspolitischer Experte und Mitglied der Chefredaktion des Deutschlandfunks, machte bei einer sicherheitspolitischen Veranstaltung in Schwerin darauf aufmerksam, dass vom einem sog ‚vaterländischen Krieg‘ mit der vorrangigen Zielrichtung einer Landgewinnung heute wohl kaum noch gesprochen werden könne. Mehr und mehr müsse von einer ‚hybriden Kriegsführung‘ ausgegangen werden. Allerdings knüpfe der sog. Islamische Staat an jene vermeintlich überholte Strategie an, denn ihm gehe es u. a. um die Eroberung eines eigenen Staatsgebiets.

Eine Verwendung des Begriffs 'Hybride Kriegsführung' sei schwierig, da es keine verbindliche Definition gebe. Hybride Kriegsführung sei relevant, wenn z. B. ökonomische Mittel zur Erreichung politischer Ziele eingesetzt werden. Dies sei in der heutigen Zeit zunehmend der Fall, Beispiele dafür gebe es viele. Z. B. habe Russland nach dem Ende der Blockkonfrontation die Energieabhängigkeit der baltischen Staaten, als diese ihre eigenen Wege gehen wollten, 'genutzt' und habe offen mit den 'Waffen' Gas und Öl gedroht. Von einer hybriden Kriegsführung müsse auch gesprochen werden, wenn durch Propaganda oder durch Angriffe aus der Cyber-Welt eine Destabilisierung erfolgen soll.

Aus historischen (von deutschem Boden dürfe nie wieder Krieg ausgehen) und verfassungsrechtlichen Gründen (Krieg als Auseinandersetzung mit einem äußeren Feind, für deren Abwehr die Bundeswehr zuständig ist, die aber für militärische Aufgaben im Inneren nicht eingesetzt werden soll) habe man in Deutschland bei den aktuellen Auseinandersetzungen ein Problem, von

Krieg

zu sprechen. Da wir in den heutigen Tagen aber eine dramatische Zunahme insb. von Terroranschlägen erleben, müsse diese Einschätzung überdacht werden.

Clement unterstrich, dass hybride Kriegsführung eine Verwischung der Grenzen zwischen Krieg und Frieden bedeute. Vieles, was heute 'ablaufe', geschehe verdeckt. Das allgemeine Verständnis und die Sensibilität für sicherheitspolitische Zusammenhänge müsse dringend vertieft werden.

Referent Rolf Clement, Korrespondent für Sicherheitspolitik und Mitglied der Chefredaktion des Deutschlandfunks Landeskommando MV
Norbert Müller-Tillmann (Deutsch-Atlantische Gesellschaft M-V), Staatssekretär Thomas Lenz, Referent Rolf Clement, Dr. Silke Bremer, Kommandeur im Landeskommando M-V Christoph Munzlinger (v.l.n.r.) Landeskommando MV
Sicherheitspolitische Vortrags- und Diskusssionsveranstaltung in Schwerin mit Rolf Clement Landeskommando M-V