Veranstaltungsberichte

Migranten und Migrationen nach Deutschland und Europa

Symposium über Fluchtursachen und Optionen der Flüchtlingspolitik

Die Konrad-Adenauer-Stiftung M-V und das Edith-Stein-Haus Parchim hatten zusammen mit der Paneuropa-Union M-V zu einem Seminar „Migranten und Migrationen nach Europa“ vom 23. - 25. Oktober 2015 in die Europäische Akademie Waren eingeladen. Hauptthema war die aktuell dramatische Lage der Flüchtlinge, die weltweit unterwegs sind und zu Tausenden in die Bundesrepublik Deutschland kommen. Ausführlich sollte über die derzeitige Flüchtlingssituation in Deutschland und weltweit gesprochen werden.

ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis boten einen detaillierten Einblick in die gegenwärtige Situation. Einführend erhielten die TeilnehmerInnen von Christoph Bräutigam einen umfassenden Überblick über die Entwicklung der Fluchtursachen. Nicht nur Kriege im Mittleren und Nahen Osten, sondern auch bestimmte Entwicklungen einer globalisierten Wirtschaft und andauernde Ausbeutung des afrikanischen Kontinents sind verantwortlich dafür, dass Menschen sich auf den Weg in ein vermeintlich besseres Leben machen. Dabei vermischen sich derzeit wirtschaftliche und politische Gründe für eine Flucht. Darauf aufbauend schilderte Tangang Meli Loumgam (Africa Positive) Flucht und Migration aus afrikanischer Perspektive. Bei der Betrachtung der Flüchtlingszahlen wird deutlich, dass ein Großteil afrikanischer MigrantInnen auf dem Kontinent verbleibt und Nachbarländer die Hauptlast tragen. Es ist unerlässlich, dass die Mitgliedsstaaten der EU ihren Blick auf Afrika ändern und eine gleichberechtigte Partnerschaft aufbauen, um nachhaltig Migrationsbewegungen einzudämmen. Nach diesen theoretischen Vorträgen verdeutlichten verschiedene ExpertInnen aus der Flüchtlingsarbeit die konkrete Lage in der Bundesrepublik, speziell in Mecklenburg-Vorpommern. Die TeilnehmerInnen erhielten einen fundierten Einblick in die Vereinsarbeit der Jesuiten, Caritas und Malteser, aber auch eine polizeiliche Einschätzung der Situation durch den Leitenden Polizeidirektor und ständigen Vertreter des Präsidenten der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt, Willy Kösling. Zwei Mitarbeiter des neu geschaffenen Mobilen Beratungs- und Informationsdienstes MV rundeten die verschiedenen Blickwinkel auf die Flüchtlingsproblematik ab. Derzeit gibt es in M-V 20 Notunterkünfte und eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Um die Registrierung und Bearbeitung der Asylanträge schneller durchführen zu können, wird eine neue Einrichtung in Stern-Buchholz aufgebaut. Prognosen über Flüchtlingszahlen können nicht gegeben werden, eine Verringerung der Zahlen ist momentan aber nicht wahrscheinlich. Doch auch wenn die Situation an vielen Orten chaotisch wirkt, betonten alle ReferentInnen, dass die Lage in den Unterkünften selbst sehr ruhig ist. Entgegen vieler Befürchtungen kommt es in M-V nicht zu gewalttätigen Konflikten o.ä. So führt zum Beispiel Willy Kösling aus: „Es ist keine dramatische Lage.“ Immer wieder betonten die ReferentInnen auch, dass es trotz vieler Ängste und Sorgen ein breites bürgerschaftliches Engagement im Bereich der Flüchtlingshilfe gibt. Überall entstehen innovative Konzepte, um schon früh Flüchtlinge mit Bleibeperspektive zu integrieren.

Deutlich wurde, dass die Bundesrepublik sich in den nächsten Jahren aufgrund des Flüchtlingsstroms verändern wird. Momentan konzentriert sich die Arbeit der verschiedenen Akteure vorrangig auf die Wiederherstellung der Ordnung und die winterfeste, menschenwürdige Unterbringung der vielen Menschen, die zu uns kommen. Langfristig müssen wir Möglichkeiten und Wege der Integration finden, an der jede/r Einzelne teilhaben kann. Ehrenamtliche Initiativen sind dabei genauso bedeutend wie eine staatliche Einflussnahme. Ängste und Sorgen der BürgerInnen müssen jedoch ebenfalls offen angesprochen und ernst genommen werden. Gleichzeitig sind wir verpflichtet, RechtsextremistInnen energisch die Stirn zu bieten. So steht für alle TeilnehmerInnen am Ende des Seminars fest, dass die momentane Lage zwar schwierig, aber nicht aussichtslos ist. Wenn aus Flüchtlingen Nachbarn und MitbürgerInnen werden und wir uns gegenseitig kennenlernen, werden viele Ängste und Sorgen als unbegründet enttarnt.

Steffi Brüning


2015 - 10 VA Waren 2015 - 09 Veranstaltung in Migrationen Brüning