Veranstaltungsberichte

Pflegenotstand?

Diskussion in Wismar über die Zukunft der Pflege in der Region Nordwestmecklenburg

Durch den „Demographischen Wandel“ in Mecklenburg-Vorpommern steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung. Im Bereich der Pflege stößt dieses auf Herausforderungen und Probleme, die es zu lösen gilt. Doch was kann aufgrund des zunehmenden Pflegebedarfs getan werden und inwieweit unterstützt die Gesundheitspolitik Deutschlands die Pflege? Um diese Fragen zu beantworten und darüber hinaus den aktuellen Stand sowie Zukunftsperspektiven der Bevölkerung näherzubringen, lud die Konrad-Adenauer-Stiftung M-V am 22. Juni 2015 zu Impulsvorträgen mit anschließender Diskussion nach Wismar ein.

Nachdem die Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CDU M-V Renate Holznagel, die an diesen Abend als Moderatorin fungierte, das Publikum begrüßt und die Referenten vorgestellt hatte, begann der Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt von der CDU mit seinem Vortrag. Als Mitglied des Gesundheitsausschusses sei ihm dieses Thema sehr wichtig. Auch der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe habe den Schwerpunkt auf die Pflege gelegt. Eröffnend betonte Herr Monstadt die zentralen Herausforderungen in der Pflege, so sei der demographische Wandel stärker als gedacht und es drohe ein Fachkräftemangel in M-V. Darüber hinaus sei mit einem deutlichen Anstieg an Pflegebedürftigen zu rechnen. Während es im Jahr 2010 noch 2,4 Millionen waren, soll laut des Statistischen Bundesamts die Zahl im Jahr 2050 auf rund 4,5 Millionen steigen. Genau hier soll das neue Pflegestärkungsgesetz I und II ansetzen.

Seit Anfang des Jahres ist das Pflegestärkungsgesetz I in Kraft getreten und soll, so Dietrich Monstadt, für umfangreiche Leistungsverbesserungen sorgen. U.a. soll die Zahl der Betreuungskräfte von 25.000 auf 45.000 erhöht und die Bürokratie der Pflegedokumentation reduziert werden. Ein weiterer Punkt sei die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. So kann mit dem neuen Gesetz die Tages- und Nachtpflege ungekürzt neben den ambulanten Geld- und Sachleistungen in Anspruch genommen werden. Ach die Zuschüsse sind gestiegen. Für Pflegemittel des täglichen Verbrauchs stehen jetzt 40 statt 31 Euro pro Monat zur Verfügung und auch bei Umbaumaßnahmen beträgt der Zuschuss nun bis 4.000 Euro pro Maßnahme anstatt 2.557 Euro. Ziel sei es somit, den Verbleib so lange wie möglich in der häuslichen und familiären Umgebung zu unterstützen und ein selbstbestimmtes Leben zu gewährleisten.

Zum Abschluss seines Vortrages warf Herr Monstadt noch einen Blick auf das im Jahre 2017 kommende Pflegestärkungsgesetz II. Ziel dieses Gesetzes sei unter anderem die Einführung einer neuen Einteilung der Pflegegrade, von aktuell drei auf fünf, um der individuellen Pflegebedürftigkeit besser gerecht zu werden, damit auch eine hohe Lebensqualität im hohen Alter gewährleistet werden kann.

Das zweite Impulsiv-Referat wurde von Henrike Regenstein, die für die Diakonie in M-V arbeitet, gehalten. Sie begann ihren Vortrag damit, dass die Pflege als Urform aus der Gesellschaft, nämlich aus der Kirche komme, und dass es wichtig sei, dieses Thema der Gesellschaft auch wieder näherzubringen. Für Frau Regenstein gibt es kein „Pflegenotstand“ sondern eher einen Wandel von „Altersheimen“ hin zu „Pflegeheimen“, denn das Durchschnittsalter der Patienten bei Neuankunft im Pflegeheim werde höher und liege derweil bei 80-85 Jahren. Somit sei der Pflegeaufwand wesentlich größer und das Pflegepersonal müsse mehr leisten.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sei für Frau Regenstein ein ganz wichtiger Schritt. Mit der Möglichkeit der Tagespflege sei hier schon ein guter Weg eingeschlagen worden. Denn auch die Angehörigen möchten mal in den Urlaub oder ihrem Hobby nachgehen; die Tagespflege könne Familien gut entlasten.

Allerdings sei laut Frau Regenstein auch noch viel zu tun. Die Gehälter in Ost und West müssten angepasst werden, und es sei wichtig, einen Einheitsschlüssel für ganz Deutschland zu entwickeln. Aktuell zieht es die in M-V gut ausgebildeten jungen Pfleger in andere Bundesländer, da sie in dort mehr verdienen und weniger arbeiten müssen. Die Eltern jedoch bleiben in M-V, und es stellt sich die Frage, wer diese später pflegt? Genau hier müssten die Kommunen aktiver werden, sie haben sich nach dem Beschluss des Landesgesetzes leider eher zurückgezogen. Die Pflegesozialplanung, die jährlich von den Kommunen zu erbringen ist, sei dafür gut geeignet. Auch die Information und Beratung über verschiedene Formen der Pflege und welche Vorteile die häusliche Pflege hat müsse intensiviert werden.

Im Rahmen der Podiumsdiskussion waren sich die Beteiligten einig, dass es wichtig sei, das gut ausgebildete Pflegepersonal in M-V zu halten und für eine Angleichung von Ost- und West-Gehältern zu sorgen. Das Pflegepersonal im Land solle auch auf Missstände hinweisen, ermutigte der Bundestagsabgeordnete, damit die Politik darauf reagieren könne.

Jesse Bochert

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Dr. Silke Bremer

Silke Bremer

Landesbeauftragte und Leiterin Politisches Bildungsforum Mecklenburg-Vorpommern

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