Veranstaltungsberichte

Was ist uns der Naturschutz, was ist uns der Infrastrukturausbau wert?

von Silke Bremer
Experten diskutieren über die Vereinbarkeit von Infrastrukturprojekten mit Natur- und Artenschutz

Wie viel Naturschutz | wie viel Infrastrukturausbau wollen wir | können wir uns leisten? Wie können beide Zielrichtungen besser miteinander vereinbart werden? Experten berieten in Linstow über die Vereinbarkeit von Infrastrukturausbau und Naturschutz. An verschiedenen Beispielen wurden Konflikte erläutert.

Der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Burkhard Lenz erklärte, dass der Arten- und Naturschutz im Bereich von Infrastrukturinvestitionen in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen habe. Eine sachliche Diskussion und Entideologisierung sei dringend erforderlich.

Der Geschäftsführer des Landesverbandes der Wasser- und Bodenverbände Toralf Tiedtke wies darauf hin, dass jede menschliche Handlung einen Eingriff in die Natur darstellt. Beim Hochwasserschutz könne es bei zu strengen Artenschutzvorgaben zu weiteren Hochwassern kommen. Wichtig sei es, Hochwasser- und Artenschutz gleichgewichtig zu sehen. Wenn Gewässer erst nach dem 15. Juli bearbeitet werden dürften, könnten Probleme entstehen, da häufig Ende Juli/Anfang August große Regenwassermengen auftreten, die dann nicht schnell genug abfließen können.

Der Projektverantwortliche der Fernstraßenplanungs-/-baugesellschaft Deges Joachim Rascher machte deutlich, dass im Straßenbau die Interessen sehr häufig aufeinander prallen. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen würden heute kaum noch akzeptiert werden. Der Konflikt mit Naturschutzverbänden habe sich in den letzten Jahren verschärft. Eine so kurze Bauzeit wie bei der A20 Lübeck-Stettin, die von 1991 bis 2005 gebaut wurde, sei heute nicht mehr möglich. Naturschutz sei mit nicht unerheblichen Kosten verbunden, die Gesellschaft müsse entscheiden, was sie wolle und sich leisten könne. Auch die Medien spielten eine Rolle. Häufig würden Einzelmeinungen als Meinung eines Großteils der Bevölkerung dargestellt.

Am Ende des Symposiums zeigt sich: Auch im Hinblick auf eine Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen in Stadt und Land ist eine Weiterentwicklung der Infrastruktur von zentraler Bedeutung. Wichtig ist die Pflege eines stetigen Gesprächs zwischen den Projektverantwortlichen von Infrastrukturvorhaben und den Naturschützern.